Stadtparlament
Nach langer Vakanz: Wil hat wieder eine Stadtschreiberin

Nach zwei Ausschreibungen und acht Monaten mit einer Interimslösung ist die wichtigste Stelle auf der Wiler Verwaltung wieder besetzt: Janine Rutz wurde vom Parlament als Stadtschreiberin gewählt. Bis sie ihre Stelle antreten kann, dauert es allerdings noch eine Weile.

Gianni Amstutz
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Die neue Stadtschreiberin Janine Rutz wird ab Januar mit Stadtpräsident Hans Mäder zusammenarbeiten.

Die neue Stadtschreiberin Janine Rutz wird ab Januar mit Stadtpräsident Hans Mäder zusammenarbeiten.

Bild: Simon Dudle

Die Entscheide

Das Parlament bestätigte den Vorschlag des Stadtrats und wählte Janine Rutz zur neuen Stadtschreiberin. Sie ist derzeit im gleichen Amt in Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen tätig. Mit der Wahl von Janine Rutz kann diese Schlüsselposition in der Wiler Verwaltung nach langer Vakanz und zwei Stellenausschreibungen wieder besetzt werden. Die Interimslösung mit dem ehemaligen Stadtschreiber Armin Blöchlinger bleibt jedoch bis auf weiteres bestehen. Denn Janine Rutz hat eine Kündigungsfrist von sechs Monaten. Sie kann ihre Stelle in Wil deshalb erst am 1. Januar 2022 aufnehmen. Bis dahin wird die Stelle nach dem Abgang von Hansjörg Baumberger im Herbst 2020 über ein Jahr vakant gewesen sein.

Der Quartiertreff Lindenhof kann weiter bestehen. Das Parlament sprach sich mit einer deutlichen Mehrheit für einen jährlich wiederkehrenden Kredit von 150000 Franken aus. Damit wird der als Pilotversuch gestartete Quartiertreff in einen unbefristeten Betrieb überführt. Das Parlament verlangt jedoch im Rahmen des Jahresberichts 2024 vom Stadtrat einen Bericht über die integrative Wirkung des Quartiertreffs.

Das Parlament verabschiedete ein neues Reglement über die Benutzung von Schul-, Sport- und Freizeitanlagen. Für die Nutzer ändert sich wenig an den bisherigen Bestimmungen. Grund für das neue Reglement waren rechtliche Ungereimtheiten, die von Sebastian Koller (Grüne Prowil) beim alten Reglement erfolgreich angefochten wurden. Während das alte Reglement jedoch durch den Stadtrat in Eigenregie erlassen wurde, konnte sich dieses Mal das Parlament dazu äussern. Das verschafft ihm die rechtliche Legitimation.

Die Eignerstrategie für die Technischen Betriebe Wil (TBW) wurde vom Parlament zur Kenntnis genommen. Dies ist ein Instrument zur Steuerung und Aufsicht der TBW. Dabei werden verschiedene strategische Ziele definiert. Die Gewährleistung der Versorgung der Einwohner mit Energie und Wasser und die Umsetzung ökologischer Massnahmen im Rahmen des kommunalen Energiekonzepts stehen im Zentrum.

Das sorgte für Diskussionen

Erstaunlich wenige Geschäfte gaben zu reden. Exekutive und Legislative, Linke und Rechte: Für einmal waren sich fast alle einig. Einzig die Eignerstrategie der TBW vermochte so etwas wie eine Debatte auszulösen. Das Parlament gab dem Stadtrat denn auch eine Empfehlung mit auf den Weg: Sie schlägt eine Vereinheitlichung der Energie- und Wasserversorgung auf dem Gebiet der Stadt Wil vor.

Die Dorfkorporation Bronschhofen sei in die TBW zu integrieren, so der Tenor. Das heutige Modell mit diversen verschiedenen Energieversorgern sei fast zehn Jahre nach der Fusion nicht mehr sinnvoll. Dies, zumal die TBW – im Gegensatz zu anderen Versorgern – Abgaben in grosser Höhe an die Stadt bezahlt. Davon profitieren wiederum alle Wilerinnen und Wiler – auch jene, die in den neuen Gemeindegebieten leben.

Die Gewinner

Da sich die Parteien bei fast allen Geschäften einig waren und den Anträgen des Stadtrats folgten, konnte sich an dieser Sitzung fast jede und jeder als Gewinner fühlen.

Die Verlierer

Die SVP vermochte die Bewilligung der Stelle für den Quartiertreff Lindenhof nicht zu verhindern. Eine Mehrheit der Fraktion war der Ansicht, der Treff sollte künftig von einem Verein geführt werden. Die anderen Fraktionen sprachen sich aber für die professionelle Begleitung des Quartiertreffs aus.

Die SP scheiterte mit ihrem Vorstoss für mehr Transparenz in der Parteien- und Wahlkampffinanzierung. Es gelang den Sozialdemokraten jedoch, dem Stadtrat die Stellungnahme zu entlocken, dass er sich für eine Lösung auf kantonaler Ebene ausspricht. Die SP hat damit zwar eine Abstimmung verloren, ihrem Ziel nach mehr Transparenz in der Politik ist sie trotzdem nähergekommen. Dies auch angesichts der Tatsache, dass die Wiler Parteien als Reaktion auf den Vorstoss ihre Ausgaben im Wahlkampf 2020 von sich aus offengelegt haben.

Die Überraschung

Roman Rutz politisierte elf Jahre im Stadtparlament.

Roman Rutz politisierte elf Jahre im Stadtparlament.

Bild: PD

Roman Rutz (EVP) tritt nach elf Jahren aus dem Stadtparlament zurück. Dies, weil er nach Köniz zieht.