Stadt Wil will weiter in Veloverkehr investieren: Kommen nun Velostrassen?

Die Grünen Prowil setzen sich dafür ein, den Veloverkehr in Wil stärker zu fördern. Der Stadtrat sendet positive Signale. Jetzt kommt es auf das Parlament an.

Gianni Amstutz
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Velostrassen, wie sie unter anderem in Zürich bereits als Pilotversuch getestet wurden, könnten bald auch in Wil Realität werden.

Velostrassen, wie sie unter anderem in Zürich bereits als Pilotversuch getestet wurden, könnten bald auch in Wil Realität werden.

Bild: Christian Beutler / Keystone

Für Guido Wick, Fraktionspräsident der Grünen Prowil, ist klar: «Die aktuellen Verkehrs- und Klimaprobleme können ohne substanzielle Förderung des Veloverkehrs nicht gelöst werden.» Deshalb hat er einen Vorstoss eingereicht, um die Einführung von sogenannten Velostrassen in Wil zu prüfen.

Dabei handelt es sich um Tempo-30-Zonen, in denen ausnahmsweise vom Grundsatz des Rechtsvortritts abgewichen werden kann. Es wird künftig möglich sein, in diesen Zonen vortrittsberechtigte Velostrassen einzurichten.

Dies wird möglich, weil das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) eine Verordnung angepasst hat, wonach der Rechtsvortritt in Tempo-30-Zonen nur aufgehoben werden darf, wenn es die Sicherheit erfordert. Ab 2021 ist dies auch für die Schaffung von Velostrassen möglich.

Velostrassen bereits in Pilotversuchen getestet

Wick verspricht sich durch die Einführung von Velostrassen eine weitere Förderung des Langsamverkehrs. Bereits in einem Interview im Vorfeld der Wahlen im September sagte er gegenüber dieser Zeitung:

Guido Wick, Fraktionspräsident der Grünen Prowil

Guido Wick, Fraktionspräsident der Grünen Prowil

Bild: PD
«Was das Velo angeht, ist bewiesen, dass ein gutes Angebot die Nachfrage steigert.»

Die Velostrassen wurden in Pilotversuchen bereits in verschiedenen Schweizer Städten getestet und haben sich im Ausland teilweise etabliert. Bei den Versuchen konnte auf allen Pilotstrecken Zunahme des Veloverkehrs festgestellt werden. Dies geht aus der Antwort des Stadtrats auf Wicks Vorstoss hervor.

In seiner Motion, die von insgesamt 15 Parlamentarierinnen und Parlamentariern unterzeichnet wurde, fordert Guido Wick vom Stadtrat, dem Parlament die Umsetzung von möglichen Velostrassen in Wil aufzuzeigen. Zudem soll der Stadtrat mindestens eine erste Realisierung einer Velostrasse mit Bericht und Antrag unterbreiten.

Stadtrat sieht Optimierungspotenzial

Der Stadtrat steht Wicks Vorstoss grundsätzlich positiv gegenüber. So habe sich der Stadtrat – wie auch das Parlament – in der Vergangenheit mehrfach für eine aktive Förderung des Veloverkehrs ausgesprochen, wie er in seiner Antwort schreibt. Vieles sei bereits gemacht worden, um die Attraktivität für Velofahrer zu steigern, es bestehe aber weiterhin Optimierungspotenzial.

Velostrassen könnten auch in der Stadt Wil einen Mehrwert darstellen, so der Stadtrat. Allerdings beantragt er, Wicks Motion in ein Postulat umzuwandeln. Dies ist eine Formalität. Bei Annahme der Motion wäre der Stadtrat verpflichtet, dem Parlament mindestens einen Vorschlag für eine Velostrasse zu unterbreiten.

Der Stadtrat bevorzugt es aber, ganz ohne Handlungszwang, zu prüfen, ob und wo Velostrassen in Wil Sinn ergeben und zweckmässig sind. Sollte sich bei dieser Prüfung eine geeignete Strasse zeigen, so wird der Stadtrat dem Parlament Bericht und Antrag unterbreiten. Im Unterschied zur Motion wäre das beim Postulat also lediglich eine Option und kein verbindlicher Auftrag.

Wick ist mit dieser Änderung einverstanden. Da Velostrassen in der Ostschweiz noch Neuland seien und die Verwaltung noch etwas Zeit brauche, sich mit der Materie vertraut zu machen, sei dieser Umweg für die Grünen Prowil akzeptabel. «Aus jetziger Sicht ist das der schnellste Weg, erste Velostrassen in Wil umzusetzen.»

Nun brauchen die Grünen Prowil eine Mehrheit im Parlament

Damit der Stadtrat aber überhaupt prüfen wird, ob Velostrassen in Wil eine Option zur Förderung des Veloverkehrs sein könnten, braucht Wicks Vorstoss eine Mehrheit im Parlament. Der Fraktionspräsident der Grünen Prowil ist zuversichtlich.

Dass die Förderung des Veloverkehrs nötig sei, um sowohl Umwelt- als auch das Verkehrsproblem in den Städten in den Griff zu bekommen, sei eine Ansicht, zu der immer mehr Leute aus dem konservativen Lager gelangten. Er sagt:

«Kaum eine Partei spricht sich in ihrem Programm nicht für die Veloförderung aus.»

Ob Wicks Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich an der Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstag zeigen.