Stadt Wil unterstützt Familien stärker: Jährlich sollen 450'000 Franken mehr Betreuung in Kitas eingesetzt werden

Ein neues Tarifsystem soll Eltern finanziell Entlasten. Von tieferen Kosten profitieren sowohl Familien mit tiefen Einkommen als auch Gutverdienende.

Gianni Amstutz
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Der Kitabesuch soll ab nächstem Schuljahr von der Stadt stärker subventioniert werden.

Der Kitabesuch soll ab nächstem Schuljahr von der Stadt stärker subventioniert werden.

Bild: Pius Amrein

Die Tarife für Kitaplätze sind in Wil für viele Familien zu hoch. Dies hat der Stadtrat bereits bei der Beantwortung einer Interpellation von CVP-Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli festgestellt. Nun handelt er.

Bereits ab Beginn des nächsten Schuljahrs im August 2021 soll ein neues Tarifsystem zur Anwendung kommen. Denn der Handlungsbedarf sei dringend, wie der Stadtrat schreibt.

Hauptziel des neuen Tarifsystems ist es, Eltern finanziell stärker zu entlasten. Zudem sollen durch eine Anhebung der Maximaltarife auch die Kitas profitieren und damit «ihre Betriebskosten für ein qualitativ gutes Angebot decken können».

Neu über eine Million Franken pro Jahr

Insgesamt würden sich die Subventionsbeiträge der Stadt Wil für die familienergänzende Kinderbetreuung im Vorschulalter um jährlich 450'000 Franken erhöhen. Zur Einordnung: Im Jahr 2019 beliefen sich die Kosten dafür auf rund 588'000 Franken. Es handelt sich also um eine erhebliche Erhöhung der Beiträge.

Der Stadtrat begründet diese damit, dass in Wil – wie auch im ganzen Kanton St.Gallen – die finanzielle Belastung für die Eltern relativ hoch sei. Die Eltern würden rund zwei Drittel der Gesamtkosten tragen.

Mit der Verstärkung der Subventionierung könne die Stadt Wil einen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der Angebote leisten und gewährleisten, dass Familien dieses auch nutzen könnten. Von einem verstärkten Engagement im Bereich der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung würden aber nicht nur die Eltern, sondern auch die Stadt profitieren.

Sie könne sich so als familienfreundlicher Wohnort positionieren, ganz im Sinne des Labels «Kinderfreundliche Gemeinde». Auch für die Unternehmen in der Stadt Wil sei ein gutes Betreuungsangebot ein Standortvorteil. Zudem seien Kitas ein wichtiger Teilbereich der frühen Förderung, deren Bedeutung die Stadt Wil als hoch gewichtet.

Auch Gutverdiener profitieren

Bleibt die Frage, wer genau vom neuen Tarifsystem profitiert. Die Antwort: alle Eltern mit einem massgebenden Einkommen von bis zu 140000 Franken pro Jahr.

Es sollen nämlich laut Stadtrat bewusst nicht nur Wenigverdiener von den vergünstigten Tarifen profitieren. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel sei zu bedenken, dass sich die familienergänzende Kinderbetreuung auch für Familien mit höheren Einkommen lohnen müsse, heisst es im Bericht. Deshalb wird auch die obere Einkommensgrenze, welche zu Subventionsbeiträgen berechtigt, von 100'000 auf 156'000 Franken angehoben.

Für Kitas, die über eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt verfügen, wird der Maximaltarif zudem von 110 auf 125 Franken angehoben. Dies, weil der aktuelle Maximaltarif die Vollkosten für die Kitas nur ungenügend decke. Gleichzeitig wird der Mindesttarif von 28 auf 15 Franken gesenkt.

Kanton beteiligt sich mit schätzungsweise 200'000 Franken

Alle diese Anpassungen führen zu jährlichen Mehrkosten für Subventionsbeiträge von rund 450'000 Franken. Die Stadt Wil wird indes voraussichtlich nicht die gesamte budgetierte jährliche Summe aufbringen müssen.

Mit dem Gesetz über Beiträge für familien- und schulergänzende Kinderbetreuung wird eine neue Zuständigkeit des Kantons geschaffen. Ab dem Jahr 2021 sollen jährlich mindestens fünf Millionen Franken im ganzen Kanton in die Förderung solcher Angebote fliessen.

Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Stadt Wil einen Beitrag von rund 200'000 Franken erhalten dürfte. Da dieser Kantonsbeitrag jedoch noch nicht rechtsverbindlich zugesichert wurde, beantragt der Stadtrat den jährlich wiederkehrenden Kredit über die volle Summe.

Chancen im Parlament stehen gut

Ob die Subventionsbeiträge der Stadt für Kitas erhöht werden, hängt nun vom Parlament ab. Da die neuen Tarife bereits auf das nächste Schuljahr hin in Kraft treten sollen, ist der Zeitplan relativ straff.

Zwischen Oktober und Dezember soll das Geschäft in der vorberatenden Kommission behandelt werden, im Februar dann im Parlament. So wird sichergestellt, dass den Eltern die Tarife für das neue Schuljahr bei der Anmeldung für die Kitas bereits bekannt sind.

Die Chancen, dass das Stadtparlament dem Antrag des Stadtrats zustimmen wird, stehen gut. Die Interpellation von Brigitte Gübeli aus dem November 2019 wurde von Parlamentsmitgliedern aller Parteien mit Ausnahme der SVP unterzeichnet.

Zudem haben die CVP und die SP eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sogar explizit zum Thema ihres Wahlkampfs für die Stadtparlamentswahlen gemacht.