Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Stadt Wil geht den digitalen Weg: Zeitungen haben das Nachsehen

Ab 1. Juni 2019 nutzt die Stadt Wil keine Zeitungen mehr als amtliche Publikationsorgane. Stattdessen setzt der Stadtrat auf die neue Publikations-Plattform des Kantons und auf Social-Media-Kanäle. Der Entscheid führt zu einer weiteren Schwächung der Zeitungen.
Hans Suter
Digital statt analog: Die Stadt Wil verabschiedet sich Ende Mai von der «Wiler Zeitung» als amtliches Publikationsorgan. (Bild: Hans Suter)

Digital statt analog: Die Stadt Wil verabschiedet sich Ende Mai von der «Wiler Zeitung» als amtliches Publikationsorgan. (Bild: Hans Suter)

«Die Stadt Wil passt ihre Kommunikation den veränderten Bedürfnissen der Öffentlichkeit an», teilte die Stadtkanzlei gestern in einer Medienmitteilung mit. Neu betreibe die Stadt einen Whats-App-Kanal. «So können die Informationen des Stadtrats und der Stadtverwaltung bequem per Mobiltelefon konsumiert werden.» Zudem gebe es weitere Anpassungen, um mit der Bevölkerung auch zukünftig «transparent, umfassend und aktuell» zu kommunizieren.
Übersetzt heisst das: Ab 1. Juni publiziert die Stadt Wil keine kostenpflichtigen amtlichen Informationen wie Todesanzeigen, Bauanzeigen, Referendumsfristen und dergleichen mehr in der «Wiler Zeitung» und in den «Wiler Nachrichten». Diese beiden Printmedien dienten seit Jahrzehnten als amtliche Publikationsorgane.

Kommunikation wird ins Internet verlagert

Ab 1. Juni dient eine neue Internetplattform als amtliches Publikationsorgan; diese noch im Aufbau befindliche Plattform stellt der Kanton St. Gallen seinen Gemeinden kostenlos zur Verfügung. Wie sie aussehen wird, präsentiert der Kanton voraussichtlich im März. Durch den Verzicht auf die Publikation amtlicher Inserate in den Zeitungen spart die Stadt Wil gut 60000 Franken pro Jahr. «Sparen war nicht die Absicht», sagt Philipp Gemperle, Leiter Kommunikation der Stadt Wil. Überdies gehe er nicht davon aus, dass sich diese Summe eins zu eins einsparen lasse. Zudem sei der Entscheid des Stadtrats nicht als Entscheid gegen die Zeitungen zu verstehen, sondern orientiere sich an aktuellen Studien und Analysen zum Medienverhalten der Gesellschaft. Amtliche Publikationen würden bereits heute überwiegend elektronisch konsultiert.

Auf diesen Kanälen will Wil künftig informieren

Um auch jüngere Personen zu erreichen und schneller bei den Einwohnerinnen und Einwohnern zu sein, will die Stadt Wil in Ergänzung zur entstehenden kantonalen Plattform neu einen Whats-App-Kanal betreiben. Zudem will sie mit Facebook und LinkedIn auch zwei Social-Media-Kanäle bedienen. Der Stadtrat und die Verwaltung wollen gemäss der Medienmitteilung künftig generell flexibler kommunizieren. Deshalb würden die städtischen Informationen ab sofort nicht mehr wöchentlich im Newsletter «Wil aktuell» publiziert, sondern laufend nach Aktualität auf den verschiedenen Kanälen.
Zusätzlich werde auf Bestellung ein Print-Service durch die Stadtkanzlei angeboten. «So wird sichergestellt, dass auch nicht-internetaffine Personen die Publikationen einsehen können», schreibt die Stadt in der Medienmitteilung. Die Einwohnerinnen und Einwohner könnten sich im Mai für diesen kostenlosen Service anmelden. Laut Philipp Gemperle erfolgt der Postversand allerdings nicht nach Aktualität, sondern voraussichtlich einmal pro Woche.
Wie bisher sind sämtliche städtischen Informationen auf der Website www.stadtwil.ch zu finden. Auch die amtlichen Todesanzeigen sind dort einsehbar. Mit den Zeitungen und Online-Plattformen privater Verlage soll weiterhin eine «flexible Zusammenarbeit» bestehen bleiben.

Schnellere Kommunikation erhofft

Der Stadtrat erhofft sich durch die Digitalisierung eine schnellere Kommunikation. Durch die Möglichkeit der tagesaktuellen Publikation werde erreicht, dass diese zeitnah veröffentlicht würden und die jeweiligen Fristen entsprechend zu laufen begännen. «Dies ermöglicht eine Beschleunigung verschiedener Verwaltungsverfahren», schreibt die Stadtkanzlei. Durch entsprechend gesetzte Suchabonnemente würden die Nutzer der Publikations-Plattform des Kantons direkt auf neue Publikationen aufmerksam gemacht.

Zeitungen haben das Nachsehen

Der Entscheid des Wiler Stadtrats, künftig auf gedruckte Zeitungen als amtliche Publikationsorgane zu verzichten, schwächt die Lokalzeitungen weiter. Dies sowohl hinsichtlich der ausbleibenden Zahlungen als auch der fehlenden amtlichen Informationen. In den vergangenen Jahren sind auch die politischen Gemeinden Uzwil, Oberuzwil, Flawil und Degersheim diesen Weg gegangen. Die noch immer schwindenden Abo- und Anzeigenerträge zwingen die Verlage zu Fusionen und Kosteneinsparungen. Die Zahl unabhängiger Printmedien hat durch den allgemeinen Medienwandel bereits signifikant abgenommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.