St. Nikolaus zeigt seine Schätze

Sie funkeln und strahlen, sind aus Silber und Gold und mit Halbedelsteinen besetzt. Die Kunstwerke des Kirchenschatzes von St. Nikolaus sind beeindruckend, fristen aber ein Schattendasein. Für die Stadtführer wurden sie hervorgeholt.

Monique Stäger
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Das kommt nicht alle Tage vor. Wertvolle Silberstatuen schmücken den Altarraum der St. Nikolaus-Kirche und in der Sakristei stehen kostbare Kelche, Messgeschirr, Kreuze und Monstranzen. Der Kirchenschatz von Wil ist beeindruckend. Normalerweise steht er in dunklen Schränken und Kammern, eingepfercht, dicht an dicht. Doch an diesem Morgen offenbart er seine ganze Schönheit an diesem würdigen Ort. Gold und Silber, besetzt mit Halbedelsteinen und kunstvoll gefertigt. Die meisten der Stücke stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie sind Zeugen der aussergewöhnlichen Goldschmiedekunst, die in Wil vom 16. bis 18. Jahrhundert ihre Blüte hatte. Der routinierte Stadtführer Benno Ruckstuhl weiss über jede von ihnen etwas zu erzählen und gibt an diesem Morgen sein Wissen an die anwesenden Kolleginnen und Kollegen weiter.

Nicht gegossen

Gross ist das Interesse an den kunstvoll gearbeiteten Altar- und Prozessionsfiguren aber auch an den kleineren Schätzen in der Sakristei. Das Spezielle an diesen Figuren sei, dass sie nicht gegossen, sondern getrieben wurden. «Ein Silberblech wird dabei dünn gewalzt und danach mit einem Hammer auf dem Amboss bearbeitet», beschreibt Ruckstuhl diese Technik. Erstaunen macht sich breit, denn die feinen und kleinen Details zeugen von grosser Goldschmiedekunst.

«Bei allen wertvollen Stücken ist bekannt, wer sie gestiftet hat», erklärt Ruckstuhl und verweist auf Kirchenbücher, Akten oder auch die feinen, in die Kunstwerke eingearbeiteten Stifterwappen. Die Stadtführer erfahren auch einiges über die Geschichte der Wiler Goldschmiedekunst. «Im 16. Jahrhundert zählte Wil 1000 Einwohner, 26 davon waren Goldschmiede», weiss Ruckstuhl. «Zwischen dem 16. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind 26 Goldschmiede mit bekannten Werken erwähnt, von weiteren 35 aus dieser Zeit kennen wir keine Arbeiten mehr.»

Diese Meister der Goldschmiedekunst arbeiteten für Kirchen und Klöster in- und ausserhalb des Gebietes der Fürstabtei St. Gallen und des Bistums Konstanz.

Eine würdigere Bleibe

«Eine aussergewöhnliche Sammlung», meint auch Ruedi Schär, Mitglied der Kulturkommission. Sein Blick wandert über die Kostbarkeiten und beim Gedanken, dass diese in Kürze wieder in ihre «Verliesse» zurückgebracht werden, seufzt er. «Ich finde es schade, dass diese Kunstwerke nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind», meint er. Er habe deshalb angeregt, dass ein Raum geschaffen werde, wo dies möglich ist. Es sei selten, dass eine Landpfarrei über einen Kirchenschatz von solcher Grösse und Schönheit verfüge. Doch noch gibt es diesen Raum nicht, und so werden nach dem Rundgang der Stadtführer die Schätze – einer nach dem anderen – wieder weggetragen und verstaut.

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