SPURENSUCHE: FC-Wil-Debakel: Stadtrat ist sich keiner Schuld bewusst

Nach wie vor ist unklar, welche Vorkommnisse zum Ausstieg der Investoren beim FC Wil geführt haben. Klar ist: Der Stadtrat weist an ihn gerichtete Vorwürfe «in aller Deutlichkeit» zurück.

Hans Suter
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Das Bauvorhaben bleibt eine Vision: Die Stadionpläne des FC Wil sorgten für einen Disput zwischen Stadt und Fussballclub. (Bild: PD)

Das Bauvorhaben bleibt eine Vision: Die Stadionpläne des FC Wil sorgten für einen Disput zwischen Stadt und Fussballclub. (Bild: PD)

Wil kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Fall «Wil Tourismus» nun der Fall «FC Wil». Beiden Fällen ist gemein, dass es zu kommunikativen Problemen mit Vertrauensverlust gekommen ist und die Schuld hin- und hergeschoben wird. Von magistraler Souveränität und Willkommenskultur sei wenig zu spüren, ist von enttäuschten Betroffenen zu hören. Zu den Wirren um den FC Wil sah sich der Stadtrat gestern zu einem Statement veranlasst. Allerdings mehr dem Selbstschutz als der Klärung dienend, nimmt es den Anschein.

Stadtrat weist die Vorwürfe zurück
Die Verantwortlichen der FC Wil AG haben den Vorwurf geäussert, die Stadt Wil habe den Investoren Steine in den Weg gelegt und dabei insbesondere das Stadionprojekt verzögert. «Diesen Vorwurf weist der Stadtrat in aller Deutlichkeit zurück», heisst es im Statement aus dem Rathaus. «Es ist nicht korrekt, dass das Stadionprojekt verzögert wurde. Der Stadtrat hat frühzeitig und stets klar kommuniziert, dass die Bevölkerung im Rahmen einer Grundsatzabstimmung über ein solches Ausbauprojekt befinden soll.» Für einen solchen Grundsatzentscheid brauche es mit Blick auf die Gesamtstadt und das Standortquartier aber gesicherte Informationen.

Die türkischen Investoren wollten 45 Millionen Franken in den Ausbau der Stadionanlagen investieren. Der Stadtrat relativiert dies: «Zwar entstehen für die Stadt Wil tatsächlich keine direkten Investitionskosten, wenn ein Investor das Projekt realisiert. Die Frage der Unterhalts- und Betriebskosten für die nächsten Jahre und Jahrzehnte in der betrieblich anspruchsvollen Gesamtanlage Sportpark Bergholz und allfällige Rückbaukosten ist damit nicht beantwortet.» Zudem bringe dieses «Geschenk» auch verschiedene Auswirkungen mit sich. Stichworte seien unter anderem Verkehr, Lärmbelastung im Quartier, Aufwand für Sicherheit bei grossen Fussballspielen. Entsprechende Konzeptberichte seien normale Beurteilungsgrundlagen von grossen Projekten wie dem Stadionprojekt. «Der Stadtrat ist der festen Überzeugung, dass diese Aspekte relevant sind und daher im Sinne einer verantwortungsvollen Entscheidung vorgängig sorgfältig abzuklären sind, ehe das in Aussicht gestellte ‹Geschenk› angenommen werden kann.» Denn erst in Kenntnis solcher Aspekte könnten sich auch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit Blick auf eine Grundsatzabstimmung eine fundierte Meinung bilden. Dieser Umstand sei dem FC Wil auch immer so dargelegt worden, verbunden mit dem Auftrag, die notwendigen Fakten und Konzepte vorzulegen. «Dies wurde indes nicht erfüllt, die erforderlichen Konzepte und Unterlagen liegen nicht oder nicht in der benötigten Qualität und Tiefe vor», schreibt der Stadtrat. Maurice Weber, im Verwaltungsrat des FC Wil für Baufragen zuständig, stellt dies in Abrede. Er kritisiert, der Stadtrat habe nicht auf entsprechende Schreiben des FC Wil reagiert.

Der FC Wil ist auf einen Schlag zum Sanierungsfall geworden. Darf er wie im Fall des FC Thun, der 500000 Franken erhält, auf die Hilfe der Stadt zählen? Dazu schreibt der Stadtrat: «Der Stadt Wil liegen aktuell keine weiterführenden und detaillierten Informationen betreffend der Situation und Zukunft des Clubs vor – auch in finanzieller Hinsicht nicht.» Der Wissensstand entspreche jenem der Publikationen in den Medien. «Deshalb können wir im Moment auch nicht beurteilen, ob und, wenn ja, wie die Stadt Wil allenfalls Hand bieten könnte.» Um dies realistisch einschätzen zu können, müssten dem Stadtrat seitens des Verwaltungsrats zuerst konkrete Zahlen vorgelegt werden.