Spuren gelebten Lebens: Wiler Nachwuchsfotografin hält die ältere Generation auf Fotografien fest

Wie sehen junge Fotografen ältere Menschen? Ein Wiler Fotostudio hat Seniorinnen und Senioren aus der Region vor die Kamera gebeten. Entstanden sind nicht nur Bilder.

Adrian Zeller
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Ein Wiler Fotostudio lichtete für einen internationalen Wettbewerb Rentnerinnen und Rentner ab. Die Bilder gehen dabei über gewöhnliche Porträt-Sujets hinaus. (Bilder: PD)

Ein Wiler Fotostudio lichtete für einen internationalen Wettbewerb Rentnerinnen und Rentner ab. Die Bilder gehen dabei über gewöhnliche Porträt-Sujets hinaus. (Bilder: PD)

Im Fotostudio Lightplay wurden Menschen im Rentenalter für einen Fotowettbewerb abgelichtet. «Wir sagten den Personen im Vorgespräch, dass wir Bilder machen werden, die sie vielleicht nicht ins Schlafzimmer hängen werden», erzählt Caroline Schmid schmunzelnd. Sie steht in der Wiler Altstadt in Ausbildung zur Fotografin. Zusammen mit fünf weiteren Fotografen nimmt sie an einem regelmässig stattfindenden Qualitätswettbewerb für Berufsfotografen teil. Die Teilnehmenden stammen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und weiteren umliegenden Ländern.

Am Wettkampf werden rund 400 Arbeiten zu verschiedenen Vorgaben in unterschiedlichen Themenbereichen bewertet. Für die Kategorie «Newcomer», also Fotografen unter 25, werden Bilder zu «Senioren 70 plus» prämiert. Ziel des Wettbewerbs ist die Förderung der Kreativität in der Branche. Entsprechend werden Fotos juriert, die über die Grenzen der üblichen Portraitfotografie hinausgehen. Ende März werden die Sieger bekanntgegeben.

Lieblingsmotiv Mensch

Die fotografierten Menschen sind alle über 70 Jahre alt. (Bild: PD)

Die fotografierten Menschen sind alle über 70 Jahre alt. (Bild: PD)

Für die 23-jährige Caroline Schmid war der Wettbewerb eine interessante Herausforderung. Sie konnte in die Erfahrungswelt einer anderen Generation eintauchen. «Einige Personen erzählten während des Shootings aus ihrem langen Leben. Es war sehr interessant, mehr über eine Person zu erfahren.» Wie sie betont, sind Menschen generell ihr Lieblingssujet. Entsprechend gerne geht sie auf unterschiedliche Menschen ein. Ihr gefällt es zudem, besondere Momente im Bild festzuhalten.

Insgesamt wurden im Wiler Studio rund 20 Personen im Pensionsalter von den Jungfotografen abgelichtet. Caroline Schmid fotografierte davon zwei Paare und zwei Einzelpersonen. Einer dieser Fotografierten war der Wiler Albert Bingemann: «Caroline hat mich ins Kellerstudio an der Kirchgasse geführt. Wir unterhielten uns über dies und jenes, auch über mein Hobby, das Segeln auf See. Es fiel mir leicht, zu lachen, denn die ganze Sache hat mich amüsiert. Ich und ein Fotomodell!»

Die Fotografin drückte immer wieder auf den Auslöser. Ihm erschien es, wie wenn es einige hundert Mal gewesen wäre. Sie gab ihm auch oft neue Anweisungen für Posen: nach links, nach rechts schauen, Kinn nach vorne recken, Augen weit öffnen, einen ernsten Gesichtsausdruck annehmen. Währenddessen erzählte ihr Albert Bingemann aus seinem Leben. «Vieles hat die Frau wohl vorher noch nie gehört.»

Bereichernde Erfahrung für beide

Schliesslich war die Fotositzung beendet. «Hände schütteln, feines Lächeln von beiden – und tschüss. Es hat Spass gemacht, ich denke, uns beiden gleich viel», resümiert Albert Bingemann. «Beide haben etwas erlebt und gelernt. Sie, was Hochseesegeln heisst und ich, was Model stehen heisst.» Schliesslich erhielt er nachträglich eines der Fotos als Dank für seine Beteiligung am Wettbewerbsprojekt zugestellt. Seine Lebenspartnerin meinte, sie würde darauf nicht den Bert sehen, den sie sonst kenne. Er wirke so ernst.