Kultur
Vorhang auf in der «SpurBar»: Bänz Friedli sinniert in Flawil über rechtsseitig blinde Polizisten und linkslastige Politiker

Ohne Bar, aber mit einer Spur der Hoffnung öffnete die Flawiler «SpurBar» am Freitagabend mit dem Bänz Friedli erstmals wieder ihre Pforten. 50 Personen waren zugelassen und diese kamen in den Genuss eines anderthalbstündigen kabarettistischen Feuerwerks.

Christof Lampart
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Bänz Friedli's Engagement in Flawil war pandemiebedingt kurzfristig erfolgt und statt vor 250 Zuschauenden wurde vor 50 gespielt.

Bänz Friedli's Engagement in Flawil war pandemiebedingt kurzfristig erfolgt und statt vor 250 Zuschauenden wurde vor 50 gespielt.

Bild: Christof Lampart

Bänz Friedli ist hierzulande in der Kleinkunstszene ein Superstar. Der Zürcher mit unverkennbaren Berner Wurzeln schafft es bei seinen Auftritten immer wieder, seinen hintersinnigen Humor leicht wirken zu lassen. Manchmal ist er zwar auch unverblümt und grob, nie aber plump. Vor allem ist es aber ein Genuss, einer Vorstellung beizuwohnen; insbesondere nach der monatelangen, pandemiebedingten Kultur-Dürre.

Elvis Presley – die Antwort auf alle Fragen

Auf der Bühne des katholischen Pfarreizentrums Flawil offenbarte sich Bänz Friedli am Freitag gut vorbereitet. Man merkte ihm an, dass er sich nicht einfach auf erprobte Pointen und Programmpunkte verliess, sondern sich mit den politisch-gesellschaftlichen Gegebenheiten am Gastspielort (Spitalschliessung, Wahlen) und im Kanton (prekäre Lage des FCSG) auseinandergesetzt hatte. Dabei konnte er auch bitterböse werden, wenn er beispielsweise ins Publikum fragte, warum die Polizei repressiv gegen Hunderte Jugendliche in St. Gallen vorgehe, man hingegen 6000 «Kaffeetrinker in Rapperswil» (Anti-Corona-Demo) und 5’000 Neonazis in Unterwasser (Herbst 2016) an einem Rechtsrock-Konzert gewähren liess.

«Kann es sein, dass die St. Galler Polizei auf dem rechten Auge blind ist? Aber der zuständige Regierungsrat für Justiz, Fredy Fässler, ist doch ein Linker?», so der Kabarettist – und schaut dabei zum Papp-Elvis, der ihm selbstredend nicht antwortet und doch für den «Bärner Giel» die Antwort auf alles ist. Oder zumindest dessen Musik.

Und jeder dankte am Ende jedem

Doch diese hätte dem Künstler auch nicht weitergeholfen, hätte das SpurBar-Team den letzten Öffnungsentscheid des Bundesrates nicht zum Anlass genommen, um bei Friedli anzufragen, ob er auch vor 50 statt 250 Leuten auftreten würde. Auch Hans Brändle von der SpurBar-Bar machte kein Geheimnis daraus, dass sich Künstler und Organisatoren kurzfristig fanden: «Wir sind froh, dass wir wieder etwas machen können, wollen wir doch den Leuten, den Kunstschaffenden wie auch unserem Publikum wieder solche Auftritte ermöglichen».

Klar, dass das «typische» Zusammensitzen im Nachklang zur Vorstellung dieses Mal ausfiel, aber «es ist doch wieder ein erster, schöner Anfang», freute sich Brändle. Auch das Publikum würdigte den Auftritt mit einem herzlichen Applaus. Und zu guter Letzt wusste auch der Künstler, bei wem er sich zu bedanken hatte: «Es tut einfach gut, wieder auftreten zu können. Ihr habt mir den Glauben an mich selbst zurückgegeben», bedankte er sich bei den Zuschauenden.

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