Sponti-Car
Im Toggenburg wird Sponti-Car gefahren – im Fürstenland braucht er noch Anlaufzeit

In fünf Toggenburger Gemeinden besteht ein Angebot, ein Elektrofahrzeug für Car-Sharing zu nutzen. Die Zahlen zeigen, dass die Fahrzeuge gebucht werden. Im Jahr 2020 haben sich auch Niederhelfenschwil und Oberbüren zu diesem Schritt entschieden.

Zita Meienhofer
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Die fünf Sponti-Cars der Gemeinden Mosnang, Wildhaus-Alt St.Johann, Neckertal, Ebnat-Kappel und Kirchberg.

Die fünf Sponti-Cars der Gemeinden Mosnang, Wildhaus-Alt St.Johann, Neckertal, Ebnat-Kappel und Kirchberg.

Bild: PD

Mosnang hat eines seit drei Jahren, Wildhaus-Alt St.Johann seit fast drei Jahren. In Ebnat-Kappel, in Kirchberg und im Neckertal gibt es das Angebot seit zwei Jahren. Im vergangenen Jahr haben auch Niederhelfenschwil und Oberbüren ein Sponti-Car-Fahrzeug angeschafft. Sponti-Car, das ist ein nachhaltiges Schweizer Carsharing-Angebot, welches der Bevölkerung in einer wachsenden Zahl von Gemeinden zur Verfügung gestellt wird. Zurzeit sind es schweizweit 31 Gemeinden, die ein solches Elektrofahrzeug anbieten.

Toggenburger benutzen den Sponti-Car

Mark Ritzmann, Gründer und Inhaber von Sponti-Car.

Mark Ritzmann, Gründer und Inhaber von Sponti-Car.

Bild: PD

Sponti-Car scheint beliebt zu sein. Gemäss Mark Ritzmann, Gründer und Inhaber von Sponti-Car GmbH, habe sich die Anzahl der gefahrenen Kilometer von 2019 zu 2020 verdoppelt. Zahlen von 2019 liegen allerdings keine vor, vom vergangenen Jahr gibt es eine genaue Auswertung. Von den 31 Fahrzeugen liegen jene von Ebnat-Kappel, Kirchberg und Mosnang auf den Rängen drei, vier und fünf mit 396, 395 und 394 Buchungen. Beim Fahrzeug aus Oberbüren, das erst im Juli in Betrieb genommen wurde, sind 151 Buchungen verzeichnet. Jenes aus Niederhelfenschwil, welches seit dem Mai in der Ostschweiz stationiert ist, sind es 125 Buchungen.

Weniger Buchungen, aber mehr Kilometer

Allerdings heisst das nicht, dass jene Elektrofahrzeuge, welche oft gebucht werden, auch viele Kilometer fahren. War doch der Helfenschwiler Sponti-Car auf einer Strecke von 4975 Kilometern unterwegs, während jener aus Oberbüren 2983 Kilometer gefahren worden ist. In Mosnang, Ebnat-Kappel, Kirchberg und auch in Wildhaus-Alt St.Johann, wo die Sponti-Cars schon seit längerer Zeit angeboten werden, bewegen sich die Kilometerzahlen im vergangenen Jahr zwischen knapp 12'000 und 14'600. Schweizweit sind es die Ränge vier (Mosnang), sechs (Ebnat-Kappel), sieben (Wildhaus-Alt St.Johann) und acht (Kirchberg).

Seit Juni 2019 besitzt die Gemeinde Kirchberg einen Sponti-Car.

Seit Juni 2019 besitzt die Gemeinde Kirchberg einen Sponti-Car.

Bild: Beat Lanzendorfer

Gemeinden stellen nur Parkplatz und Ladestation

Die Firma Sponti-Car bietet den Gemeinden ein Angebot mit sämtlichen Leistungen wie Beratung, Betrieb und Vermarktung. Die Gemeinden selber stellen lediglich beim Gemeindehaus einen Parkplatz mit einer Ladestation zur Verfügung. Wer das Elektroauto nutzen will, muss sich registrieren und bekommt eine persönliche Zugangskarte. Mit dieser oder mit einer App kann das Auto geöffnet und gestartet werden. Mit dem Angebot wollen die Gemeinden einerseits den Bewohnerinnen und Bewohnern einen einfachen Einstieg in die Elektromobilität ermöglichen. Andererseits machen sie gemäss dem Motto «Nutzen statt besitzen» das System des Teilens mit dem Car-Sharing in einer ländlichen Region beliebt.

CO2-Emission wird in Geld umgerechnet

Die Gemeinden laden ihren Sponti-Car mit Strom aus erneuerbaren Quellen. So leistet ein Elektromobil einen Beitrag, den CO2-Ausstoss pro Einwohner sowie die Lärmemissionen zu senken. Ebenso wird die Energie für die Produktion und Entsorgung des Fahrzeugs und des Akkus berücksichtigt. Die Firma Sponti-Car kompensiert diesen Anteil in Zusammenarbeit mit «myclimate». Dazu bietet die Stiftung ein Tool, mit welchem sich die CO2-Emissionen in Geld umrechnen lassen. Die Beträge fliessen in anerkannte und kontrollierte Klimaschutzmassnahmen. Die Sponti-Cars sind deshalb in der Bilanz klimaneutral unterwegs.

Zahlen zum Einsatz der Sponti-Cars

Treibstoffeinsparung: Der aktuelle Durchschnittsverbrauch (Benzin-Äquivalent) der Schweizer PW-Flotte liegt bei 6,39 Liter pro 100 mm (Quelle: Touring Club Schweiz). Da in den verschiedenen Gemeinden nun mit umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen von Sponti-Car gefahren wird, konnten so 15'110 Liter fossiler Treibstoff eingespart werden.

Fahrtstrecke: Werden alle Fahrten in 2020 zusammen gezählt, haben die Sponti-Car-Nutzer eine Strecke von 236'474 km zurückgelegt. Das entspricht einer Weltreise, bei der der Globus 5,9-mal umrundet wird.

Buchungen: 2020 wurden die Sponti-Cars 6757-mal gebucht. Alle Fahrer sind gesamthaft 37'782 Stunden oder 1574 Tage mit den Sponti-Cars gefahren.

Baum-Äquivalent: Für eine Darstellung, wie viel eine Tonne CO2 ist, vergleicht die Firma Sponti-Car die Einsparungen des Klimagas CO2 mit der Fähigkeit eines Baumes, pro Jahr CO2 zu binden. Für die Speicherung einer Tonne CO2 muss ein Baum, zum Beispiel eine Buche, rund 80 Jahre wachsen. Das entspricht einer Bindung von 12,5 Kilo des Treibhausgases pro Jahr. Durch den Einsatz der Sponti-Cars wurde in 2020 ein Wald mit 5694 Bäumen «gepflanzt».

(Quelle: www.sponti-car.ch)

Einführung von Sponti-Car braucht in ländlicher Region Zeit

Während die Fahrzeuge im Toggenburg, die schon seit längerer Zeit im Einsatz sind, oft genutzt werden, müssen die beiden Fahrzeuge in Niederhelfenschwil und Oberbüren noch mehr bekannt gemacht werden. Deshalb will die Gemeinde Niederhelfenschwil ihr Fahrzeug besser bewerben. Marvin Flückiger, Gemeinderatsschreiber von Niederhelfenschwil, sagt, dass im Mitteilungsblatt künftig öfters auf das Angebot aufmerksam gemacht werde. Flückiger gibt zu bedenken, dass die Einführung eines solchen Angebotes eine gewisse Anlaufzeit beanspruche. Er weiss von Einwohnenden, die ihren Zweitwagen allenfalls künftig nicht mehr ersetzen und den Sponti-Car benutzen wollen. Er weiss:

«Für dieses Umdenken braucht es jedoch Zeit.»

Dieser Ansicht ist auch Alexander Bommeli, Gemeindepräsident von Oberbüren. Er sagt: «Grundsätzlich sind wir mit der Benützung zufrieden. Die Auslastung könnte aber besser sein. Wir werden jetzt die geplante zweijährige Pilotphase abwarten und nachher die weiteren Schritte definieren.»

Im Sommer 2020 nahm Oberbürens Gemeindepräsident Alexander Bommeli (rechts) die Schlüssel für den Sponti-Car von Martin Kaiser, Mitinhaber der Buchental-Garage, entgegen.

Im Sommer 2020 nahm Oberbürens Gemeindepräsident Alexander Bommeli (rechts) die Schlüssel für den Sponti-Car von Martin Kaiser, Mitinhaber der Buchental-Garage, entgegen.

Bild: Andrea Häusler

Sponti-Car-Eigner Mark Ritzmann weiss, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis das Sponti-Car-Angebot die Leute erreicht hat. In der kurzen Zeit, seit diese Fahrzeuge in Betrieb sind, konnte er vielfach sehr positive Reaktionen entgegennehmen. Er attestiert den Gemeinden, die das Angebot umsetzen, dass diese Weitsicht beweisen und ihre Verantwortung für den Verkehr der Zukunft wahrnehmen. Und weist darauf hin:

«Dies gerade im Kontext des aktuellen CO2-Gesetzes, das den fossilbetriebenen Individualverkehr künftig erheblich teurer machen wird.»

Mit Sponti-Car hätten diese Gemeinden eine sehr kostengünstige Alternative für ihre Einwohner geschaffen und bereits umgesetzt, so Ritzmann.