Spitzentennis und Job: Nadine Keller und Nina Stadler meistern den Balanceakt

Die Kirchbergerin Nina Stadler und die Dussnangerin Nadine Keller gehen trotz Mehrfachbelastungen ehrgeizig und zielgerichtet ihre Wege. Beide Tennispielerinnen bringen alles mit, um auch internationale Erfolge zu feiern.

Marie-Theres Brühwiler
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Die 19-jährige Nadine Keller (links) ist die Nummer 28 der Schweiz, die 24-jährige Nina Stadler ist die Schweizer Nummer 17 und weltweit auf Position 607.

Die 19-jährige Nadine Keller (links) ist die Nummer 28 der Schweiz, die 24-jährige Nina Stadler ist die Schweizer Nummer 17 und weltweit auf Position 607.

Mario Gaccioli

Nadine Keller und Nina Stadler verbindet mehr als ihr Talent. Beide schleifen seit vielen Jahren in Kreuzlingen an ihren Karrieren und haben sich für die Doppelbelastung Spitzentennis und Lehre entschieden. Diesen Balanceakt schaffen auf diesem Niveau nur die wenigsten.

«Der Weg ist anspruchsvoll, aber er macht Freude», sagt Nadine Keller, die mit täglichem Technik- und Konditionstraining, Lehre, Schulstoff und Pendeln zwischen Wohn-, Trainings- und Ausbildungsstätte ein strenges Programm absolviert.

Keller setzt Ausrufezeichen auf der internationalen Tennisbühne

Trotz Mehrfachbelastung hat die Nummer 28 der Schweiz grosse Fortschritte gemacht. Zudem hat sie national und international Ausrufezeichen gegen Spielerinnen gesetzt, die sich ganz auf die Profikarriere konzentrieren.

Nadine Keller

Nadine Keller 

Mario Gaccioli

So vor kurzem im türkischen Antalya, wo sich die 19-jährige Dussnangerin durch die Qualifikation bis in die zweite Hauptrunde gespielt hat. In diesen Tagen bestreitet sie in Tunesien das letzte internationale Turnier vor ihren Lehrabschlussprüfungen.

Stadlers Ziel für dieses Jahr sind die Top 400

Nina Stadler hat ihr Sport-KV bereits erfolgreich abgeschlossen. Kürzer sind die Tage der 24-Jährigen aber nicht geworden. Dass es auf der internationalen Tennisbühne in kleineren Schritten aufwärts geht und sie trotz hartem Training noch nicht ihren Fähigkeiten entsprechend zu den 300 Besten der Welt gehört, schmälert ihre Motivation nicht.

Nina Stadler

Nina Stadler

Mario Gaccioli

«Ich sehe meinen Beruf als Privileg. Mein Ziel für 2020 sind die Top 400. Ich möchte mich aber nicht auf mein WTA-Ranking versteifen, sondern einfach immer besser werden», so die Weltnummer 607.

Starken Lauf im Ausland fortgesetzt

Nach einer Verletzungspause hatte Stadler im letztjährigen NLA-Interclub den Grundstein für den grössten Erfolg in der Klubgeschichte des TC Chiasso gelegt und ihren starken Lauf im Spätherbst im Ausland fortgesetzt. Nach einem dicht gefüllten Turnierprogramm und sehr guten Leistungen in den USA musste sie Ende 2019 jedoch pausieren. Stadler sagt:

«Ich war körperlich und mental müde.»

Die Kirchbergerin ist auf Auslandturnieren aus Kostengründen meist ohne Coach unterwegs und managt ihr kleines Unternehmen weitgehend selbst. Zu ihrem Alltag gehören neben intensiven Trainings und Turnieren auch: Flüge buchen, preisgünstige Unterkünfte suchen, Rackets bespannen, mit Sponsoren verhandeln und die Website aktuell halten.

Bald ein Exploit wie Leonie Küng?

Dieses Jahr begann für die Nummer 17 der Schweiz vor allem im Doppel sehr gut. Auf Mallorca gewann sie mit unterschiedlichen Partnerinnen je ein ITF-15'000-Turnier. Ihre beiden Trainer Tobias und Christian Klein von der NET Tennis Academy Kreuzlingen sagen über Stadler:

«Nina ist extrem fleissig. Man muss sie eher bremsen. Ihr Wille, ihre Fitness und ihre Schnelligkeit, aber auch der Aufschlag und die Vorhand sind ihre grossen Stärken.»

Das grösste Handicap sei ihr Kopf. «Sie will zu schnell zu viel.» Einen internationalen Exploit wie dies Leonie Küng in Thailand gelang, ist Stadler jederzeit zuzutrauen. Zumal sie Küng kürzlich besiegte. Auch die Tatsache, dass sie als Teamleaderin schon mehrfach höchsten mentalen Belastungen standgehalten hat, dürften Stadler Mut für die Zukunft machen.