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Spitex unterstützt Suchtkranke

Drogenabhängige Menschen werden älter, dadurch wird ihre Betreuung komplexer. Das Wipp (Wiler Integrations- und Präventionsprojekte) will deshalb ab dem nächsten Jahr mehr mit der Spitex zusammenarbeiten.
Steven Giger
René Akeret Leiter Wiler Integrations- und Präventionsprojekte (Wipp) (Bild: Steven Giger)

René Akeret Leiter Wiler Integrations- und Präventionsprojekte (Wipp) (Bild: Steven Giger)

WIL. Das Drogenelend auf dem Platzspitz und am Bahnhof Letten brachte der Stadt Zürich Anfang der 90er-Jahre internationale Medienaufmerksamkeit. Mit der Lettenschliessung 1995 endete die Ära der offenen Drogenszene in der Schweiz. Das polizeiliche Vorgehen wurde weitgehend von präventiven Massnahmen begleitet. Es wurden Fixerräume eingerichtet und Präventions- und Schadenminderungsprojekte entstanden. Auch Wil war damals von der Drogensituation betroffen. Als Reaktion entwickelten sich die Wiler Integrations- und Präventionsprojekte (Wipp).

Das Ziel dieser Drogenpolitik war es, in erster Linie das Überleben der Süchtigen zu sichern, deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen und die Drogenkriminalität zu reduzieren. 21 Jahre sind vergangen, seit der Letten geschlossen wurde. Im Jahr 1995 gab es laut Suchtmonitoring Schweiz 376 Drogentote, 20 Jahre später waren es unter 130.

Aufbau im nächsten Jahr

«Das Ziel wurde erreicht, die Suchtkranken überleben heute länger und ihre Lebensqualität konnte verbessert werden», sagt René Akeret, Leiter des Wipp. Dass Süchtige vermehrt älter werden, stellt die Suchtberatungen heute aber vor neue Herausforderungen. Aus diesem Grund will das Wipp vermehrt mit der Spitex zusammenarbeiten. «Auf einer individuellen Basis wird das bereits realisiert», sagt René Akeret. Die Wipp-Klienten werden heute schon wo nötig bei alltäglichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel dem Duschen, von der Spitex unterstützt.

Im nächsten Jahr soll die Zusammenarbeit zwischen dem Wipp und der Spitex verstärkt werden. «In der ersten Hälfte 2017 wollen wir das Projekt aufbauen», so Akeret. Wie das konkret aussieht, sei noch nicht geklärt. Zuerst müsse das Vorgehen geplant werden. Mitarbeitende auf beiden Seiten brauchten Weiterbildungen. «Für viele Spitex-Mitarbeitende ist die Arbeit mit Suchtkranken eine neue Erfahrung», so der Wipp-Leiter.

Auch die psychiatrische Unterstützung bei den alternden Süchtigen soll gestärkt werden. «Psychische Begleiterkrankungen stellen eine weitere Herausforderung dar», sagt René Akeret. Das sei nicht nur beim Konsum von illegalen Drogen ein Problem. «Alkohol ist heute die Volksdroge Nummer eins, das merken wir auch beim Wipp.»

Dass die «Platzspitz-Generation» einmal älter sein wird und die Drogen- und Alkoholkranken länger überleben werden, war schon vor 20 Jahren klar. Eine frühere Planung sei aber nicht nötig gewesen. «Bis jetzt war noch kein Handlungsbedarf da», sagt René Akeret. «Solche Projekte werden von der Politik erst konkret angegangen und finanziert, wenn das Problem erkennbar ist.»

Komplexere Betreuung

René Akeret erwartet nicht, dass das Drogenproblem verschwinden wird. Die Betreuung werde durch das veränderte Suchtverhalten eher noch komplexer. Und das auf körperlicher und psychologischer Ebene. Ein Grossteil der jüngeren Süchtigen ist polytoxikoman – konsumiert also mehrere Substanzen parallel. «Früher haben die Heroinsüchtigen zum Beispiel praktisch keinen Alkohol getrunken», sagt René Akeret. Er ist aber optimistisch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Spitex. «Ich bin zuversichtlich, dass es in Wil klappen wird», so Akeret.

In Zukunft sollen Suchtkranke in Wil vermehrt von der Spitex betreut werden. (Symbolbild: Michel Canonica)

In Zukunft sollen Suchtkranke in Wil vermehrt von der Spitex betreut werden. (Symbolbild: Michel Canonica)

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