Spitex – in aller Munde

Vor über 30 Jahren begann, was heute aus dem Dorf nicht mehr wegzudenken ist: die Geschichte der heutigen Spitex. Am ersten Juli-Wochenende ist Tag der offenen Tür der Spitex.

Marianne Bargagna
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Die erste Spitex-Einsatzleiterin Ruth Beusch und der gegenwärtige Einsatzleiter Peter Braun im Gespräch über vergangene Zeiten. (Bild: mg.)

Die erste Spitex-Einsatzleiterin Ruth Beusch und der gegenwärtige Einsatzleiter Peter Braun im Gespräch über vergangene Zeiten. (Bild: mg.)

flawil. Sie sitzen im neuen Besprechungszimmer des Spitex-Zentrums an der St. Gallerstrasse. Ruth Beusch, die erste Einsatzleiterin, und Peter Braun, der gegenwärtige Einsatzleiter. Kurz zuvor hat Ruth Beusch auf einem kleinen Rundgang die neuen Räume besichtigt. Ihr Kommentar: «Sie sind schön.» Auch Peter Braun freut sich über die neuen Räume: «Alles ist übersichtlicher als am alten Ort an der Badstrasse. Wir haben mehr Platz, die Räume sind gross und hell.

» Und dann dreht sich das Gespräch um die Entwicklung der Spitex.

Vom Stubentisch ins Büro

Die ersten Einsatzpläne wurden am Stubentisch der Familie Beusch erstellt. Von Hand. Auf postkartengrossen Karten. Das war 1980. Nach einer jahrelangen Vorgeschichte. Ruth Beusch kennt die Geschichte. 1974 sei ein Haushilfedienst gegründet worden. Sie und Berty Nobel waren die Initiantinnen. «Wir hatten damals Träume und Visionen.

» Vieles hat sich realisieren lassen – dies dank der Initiative, des Durchhaltewillens und des Einsatzes der Frauen. Nebst dem Haushilfedienst gab es zu jener Zeit noch die Krankenhilfsvereine der Kirchgemeinden. Kurz nach der Gründung des Haushilfedienstes fanden erste Koordinationsgespräche statt zwischen den drei Institutionen. «Es waren zähe, emotionsgeladene Verhandlungen», erinnert sich Ruth Beusch.

An deren Ende stand die Gründung der Kranken- und Hauspflege-Vereinigung, aus der später die heutige Spitex hervorgehen sollte, eine Institution, die in «aller Munde ist dank Ruth Beusch», anerkennt Peter Braun. Nicht nur heute, sondern bereits damals war die Spitex Flawil bekannt, galt als Vorzeigemodell. «Wir mussten an vielen Orten Vorträge halten und konnten beim Aufbau der Spitex in verschiedenen Gemeinden beratend mitwirken», sagt Ruth Beusch.

Viele Veränderungen

Vieles hat sich in der Zwischenzeit verändert. So werden die Einsatzpläne nicht mehr von Hand geschrieben, sondern im Computer erstellt. Auch die Zahl der Mitarbeitenden ist ständig gestiegen. Der administrative Aufwand nahm zu, die Vorschriften von Bund und Kanton wurden zahlreich. Und betreuten anfänglich zwei Gemeindekrankenschwestern und etwa zehn Hausfrauen kranke und hilfsbedürftige Menschen in der Gemeinde, so sind es heute etwa zwanzig Frauen.

In der Alterssiedlung baden

Wurden früher die Klienten von der Fürsorge, der Amtsvormundschaft, der Mütterberatung oder von den Frauenvereinen an die hilfsbereiten Frauen vermittelt, so kommen heute die Aufträge vor allem von privaten Personen. Auch die Arbeitsorte der Spitex-Mitarbeitenden haben sich verändert. Damals gab es noch viele Haushalte ohne Badezimmer. Ruth Beusch und ihre Frauen wussten sich zu helfen. Sie zogen mit den Klienten in die Alterssiedlung Feld, wo sie das Badezimmer benutzen durften.

«Und zwei eingespielte Putzgruppen entrümpelten im Auftrag der Fürsorgestelle oder des Amtsvormundes Wohnungen, räumten aus und machten Grossreinigungen», erinnert sich Ruth Beusch. Wie viele Klientinnen und Klienten betreute damals die Spitex? Ruth Beusch lacht und schüttelt den Kopf. «Ich habe keine Ahnung. Wir führten damals noch keine Statistik.»

Im vergangenen Jahr betreuten die Spitex-Mitarbeitenden ungefähr 200 Klientinnen und Klienten und erbrachten dabei 15 500 Einsatzstunden.

Prächtig gediehen

Das Spitex-Bäumchen, das Ruth Beusch und ihre Mitstreiterinnen vor mehr als 30 Jahren gepflanzt haben, ist zu einem prächtigen Baum gediehen. Einem Baum, von dessen Früchten viele profitieren: Rekonvaleszenten, Betagte, Angehörige von Chronischkranken.

Zu einem Baum aber auch, den heute noch viele pflegen und hegen – immer im Bestreben, den Klienten die beste Pflege und Betreuung angedeihen zu lassen.

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