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Drohende Schliessung: Flawiler kämpfen weiter um ihr Spital – Kontakte mit einer Klinikgruppe

Ob das Spital Flawil eine Zukunft hat und wenn ja, welche, ist auch nach dem «Bevölkerungsgespräch» mit Regierungs- und Spitalverbunde-Vertretern offen. Die Region nutzte jedoch die Chance, mit einem Massenaufmarsch zu demonstrieren: Wir kämpfen.
Andrea Häusler
Gut 620 Stühle hatte Mischa Sutter im Flawiler Lindensaal aufgereiht. Das Angebot an Sitzgelegenheiten reichte bei weitem nicht aus. Über 100 Gäste mussten mit Stehplätzen Vorlieb nehmen. (Bilder: Andrea Häusler)

Gut 620 Stühle hatte Mischa Sutter im Flawiler Lindensaal aufgereiht. Das Angebot an Sitzgelegenheiten reichte bei weitem nicht aus. Über 100 Gäste mussten mit Stehplätzen Vorlieb nehmen. (Bilder: Andrea Häusler)

Keine freien Parkplätze, keine leeren Stühle, kein Durchkommen: Rund 800 Interessierte wollten am Mittwoch erfahren, was der «Lenkungsausschuss Strategieentwicklung zur Zukunft der kantonalen Gesundheitsversorgung» den Flawilerinnen und Flawilern hinsichtlich der Zukunft ihres Spitals zu sagen oder gar anzubieten hat. Aber auch um Loszuwerden, was ihnen unter den Nägels brennt, ihr Unverständnis darzutun und Kritik zu üben – schlicht den Kropf zu leeren.

Darauf war das Quintett auf der «Lindensaal»-Bühne vorbereitet. Die Tour durch den Kanton hatte dem aus Regierungsräten und Verwaltungsräten des St. Galler Spitalverbundes zusammengesetzten Lenkungsausschuss mehr Schelte denn Applaus beschert – speziell in Wattwil und Altstätten. In Flawil war die Stimmung zwar emotional, aber nicht aufgeheizt. Bloss einem einzigen Votanten platzte der Kragen: Er forderte den Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde zum kollektiven Rücktritt auf.

Defizit von sechs Steuerprozenten

«Beschlossen ist nichts.» Dies machte Gesundheitsministerin Heidi Hanselmann bereits einleitend klar.

«Wir sind am Erarbeiten denkbarer Varianten.»

Und abschliessend zu entscheiden habe ohnehin der Kantonsrat und, nach einem allfälligen Referendum, der Souverän. In die Karten schauen lassen will sich der Lenkungsausschuss bei seiner Arbeit aber nicht. Der Fahrplan sieht vor, dass bis im Frühjahr die Antworten zusammengetragen sind und im Herbst Lösungsvorschläge präsentiert werden.

Die Mitglieder des Lenkungsausschusses vor der Zeichnung, die eines der zentralen Anliegen des Flawiler Spitalpersonals aufzeigt: Yvonne Biri Massler, Felix Sennhauser, Benedikt Würth, Heidi Hanselmann und Marc Mächler (von links).

Die Mitglieder des Lenkungsausschusses vor der Zeichnung, die eines der zentralen Anliegen des Flawiler Spitalpersonals aufzeigt: Yvonne Biri Massler, Felix Sennhauser, Benedikt Würth, Heidi Hanselmann und Marc Mächler (von links).

Fakt ist jedoch, dass es in der Frage um die Zukunft der St. Galler Landspitäler primär um eines geht: um Zahlen. Für 2023 ist – über alle vier Spitalverbunde hinweg – ein Defizit von 70 Millionen Franken oder sechs Steuerprozente prognostiziert.

Dazu wird Flawil beitragen, machte Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser klar:

«Um ein Angebot zu rechtfertigen braucht es mindestens 7000 Patienten pro Jahr. Davon ist Flawil weit entfernt.»

Mehr noch: Die Fallzahlen seien sinkend: «Nur 14 Prozent der Patienten im Wahlkreis Wil wählten das Spital Flawil. Und zwischen 2012 und 2017 habe die Zahl der stationären Behandlungen um drei, jene der ambulanten um 10 Prozent abgenommen. Erschwerend hinzu komme, dass das Spital aufgrund der Tarifstruktur bei operativen Eingriffen Defizite schreibe. Und bei den Notfällen? Felix Sennhauser: «1,4 Personen nachts während der Woche, 11,8 tagsüber.» Allein deshalb schon müsse die Frage erlaubt sein: Wer soll das zahlen? «Das geht nur, wenn Vorhalteleistungen reduziert werden.»

Wahrheiten und Unwahrheiten

Selbstredend stiess der Chef der Spitalverbunde damit in ein Wespennest. Kritisiert wurde unter anderem, dass bereits eine ganze Abteilung geschlossen worden sei und freitags keine Operationen mehr durchgeführt würden. Solche Beobachtungen nährten den Verdacht, dass das Spital ausgehungert werden soll. Oder anders, dass in Kauf genommen wird, dass Ärzte abwandern und Patienten das Vertrauen verlieren.

Simon Wildermuth, Chefarzt und GL-Mitglied am Kantonsspital St. Gallen, enervierte sich:

«Ich habe nirgendwo so viele Unwahrheiten gehört wie hier.»

In Flawil sei sogar mehr investiert worden als in St. Gallen. Ungeachtet der finanziell untragbaren Bettenbelegung.

Überlegungen zur Zukunft tun Not. Solche hat auch der Flawiler Gemeinderat gemacht und ist mit Vertretern einer interessierten Klinikgruppe in Kontakt getreten. Elmar Metzger fragte denn auch mit Blick zum Podium: «Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht und was macht Ihr? Die Antwort: «Abklärungen laufen, aber das braucht Zeit.

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