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Spital Wil zieht positive Bilanz: Notfallpraxis bewährt sich

Seit Jahresbeginn ist die neue Notfallstation im Spital Wil in Betrieb. Dazu gehört auch eine darin integrierte Notfallpraxis. Was sind die praktischen Erfahrungen nach einem halben Jahr Betrieb? Ein Augenschein.
Richard Clavadetscher
Kollegiales Verhältnis: Hausarzt Ciril Hvalić (links) mit Stefan Christ, Leitender Arzt Notfallmedizin.

Kollegiales Verhältnis: Hausarzt Ciril Hvalić (links) mit Stefan Christ, Leitender Arzt Notfallmedizin.

Helle funktionale Räume, einheitlich gekleidetes, freundliches Personal: So präsentiert sich die Notfallstation des Spitals in Wil. Nichts weist auf den ersten Blick darauf hin, dass hier immer wieder um das Leben von Menschen gerungen, und dieser Kampf dank des Könnens der Ärztinnen und Ärzte und des übrigen Fachpersonals sowie modernstem technischem Equipment auch gewonnen wird.

Es herrscht eine entspannte Atmosphäre an diesem sommerlichen Vorabend. Das Wartezimmer ist nicht voll besetzt. «Es ist Ferienzeit, und das merken wir auch hier auf der Notfallstation», sagt Stefan Christ, Leitender Arzt Notfallmedizin. Die Frequenzen seien jetzt etwas tiefer als sonst.

Die neue Notfallstation im Spital Wil ist seit Jahresbeginn in Betrieb: eigener Empfangs- und Wartebereich, Schockraum für die Erstversorgung von Schwerverletzten, acht Behandlungsräume – und eine in die Notfallstation integrierte Notfallpraxis. Alles ist auf neustem Stand und gewährleistet eine optimale patientenorientierte Betreuung sowie effiziente Abläufe.

Bereits 8000 Patienten behandelt

Dieser neu konzipierte Bereich des Spitals Wil hat inzwischen seine Feuertaufe längst bestanden: Rund 8000 Patienten, vorab aus der Region Fürstenland, sind im ersten halben Jahr hier behandelt worden, wie Barbara Anderegg, Leiterin Kommunikation der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg, die Statistik zitiert.

Und auch an diesem Sommertag ist schon einiges zusammengekommen: Kleinkind mit viralem Infekt, eine Fingerverletzung, eine Dickdarmentzündung, ein vermuteter Schlaganfall, Nierenversagen, Tumorpatienten, ein Palliativpatient. Die Aufzählung ist nicht abschliessend, und während der Nacht, wenn es schwieriger ist, (s)einen Hausarzt zu erreichen, wird noch einiges mehr an Arbeit anfallen.

Spital- und Hausärzte gemeinsam

Notfallstation mit integrierter Notfallpraxis: patientenorientierte Betreuung und effiziente Abläufe. (Bilder: Richard Clavadetscher)

Notfallstation mit integrierter Notfallpraxis: patientenorientierte Betreuung und effiziente Abläufe. (Bilder: Richard Clavadetscher)

Mit der Inbetriebnahme der neuen Notfallstation hat das Spital Wil auch gleich die Abläufe neu konzipiert. Seit Jahresbeginn werden ärztliche Hilfe Suchende je nach Art der Symptome entweder der klassischen Notfallstation oder der darin integrierten Notfallstation zugewiesen. Dies nach der Triage bei der Anmeldung, bei der erste Abklärungen erfolgen und der Schwergrad der Krankheit oder des Unfalls fachkundig abgeschätzt wird.

Was dann folgt, ist ebenfalls neu und wohl nach wie vor noch nicht allzu sehr bekannt in der Bevölkerung: Leichtere Fälle gelangen zu Tageszeiten gar nicht erst in den eigentlichen Notfall, sondern in die Notfallpraxis, die in die Notfallstation integriert ist. Sie wird von Ärzten des Spitals und von Hausärzten der Region gemeinsam geführt. Die Öffnungszeiten sind unter der Woche von 12 Uhr bis abends um 21 Uhr. Am Wochenende, wenn die Hausärzte ihre Praxen geschlossen haben, von 9 Uhr bis 21 Uhr.

Insgesamt 38 regionale Hausärzte leisten diesen Dienst. Von den insgesamt rund 8000 Fällen, die seit Jahresbeginn die Notfallstation des Spitals Wil aufsuchten, sind immerhin deren 2500 in dieser Notfallpraxis behandelt worden. Die Zahlen zeigen: Durch die integrierte Notfallpraxis können zum einen Behandlungsplätze im eigentlichen Notfallbereich für schwere Fälle freigehalten werden. Zum andern können in der Notfallpraxis Patienten mit weniger dringlichen Leiden zeitnah behandelt werden, weil sie nicht erst warten müssen, bis schwerwiegendere Fälle versorgt sind.

Stets die optimale Lösung suchen

An diesem Sommerabend hat Ciril Hvalić Dienst. Er führt zusammen mit anderen Hausärzten eine Praxisgemeinschaft an der Tulpenstrasse in Kirchberg. Bis 21 Uhr arbeitet er nun in der Notfallpraxis, kümmert sich um Sportverletzungen, Bienenstiche – und was an einem heissen Sommertag wie diesem sonst noch alles anfällt.

Nun haben Spital- wie Hausärzte theoretisch und praktisch in weiten Teilen dieselbe Ausbildung. Gleichwohl gehen sie in ihrer täglichen Arbeit ein medizinisches Problem wohl nicht immer auf dieselbe Weise an: Hier der Spitalarzt mit einer Vielzahl von technischen Apparaturen, die er anzuwenden weiss und deshalb wohl auch schnell einmal anwendet, da der Hausarzt, der vielleicht eher zuerst den «einfacheren Weg» beschreitet und auf diese Weise das Problem zu lösen versucht.

Wie ist das denn? Gibt es da nicht fachliche Auseinandersetzungen, wenn die beiden «Philosophien» in der Notfallpraxis aufeinandertreffen?
Sowohl Christ als auch Hvalić verneinen dies im gemeinsamen Gespräch. Das genaue Gegenteil sei der Fall: Man profitiere von der gelegentlich etwas anderen Sicht der Kollegin oder des Kollegen. Dass dies nicht einfach so daher gesagt ist, sondern in der Praxis genauso funktioniert, darf man aus dem Umgang der beiden Ärzte miteinander schliessen: Er ist herzlich und kollegial, vom Bestreben geprägt, für ein medizinisches Problem die optimale Lösung zu finden.

Diese andere Sicht auf ein Problem sei nur einer von mehreren Vorteilen, die die in der Notfallstation integrierte Notfallpraxis biete, so Christ. Spital- und Hausärzte lernten sich durch die Arbeit am selben Ort auch persönlich kennen, und dieser persönliche Kontakt habe Vorteile, die am Ende einem Patienten zugutekommen könnten – nicht nur im Notfall, sondern auch etwa bei Spitaleinweisungen.

Stefan Christ nennt zudem den nicht allzu häufigen, doch gelegentlich eintretenden Fall, dass der Hausarzt eines Notfall-Patienten zeitgleich in der Notfallpraxis Dienst tue. So komme es dann ungeplant zu einem «kleinen Konsilium», wie die Beratung mehrerer Ärzte verschiedener Fachbereiche über einen Krankheitsfall heisst. Profitieren davon würden auch hier die Patienten.

Problem der aggressiven Patienten

Dann ist also die Erfahrung von rund einem halben Jahr in die Notfallstation integrierte Notfallpraxis durchwegs positiv, sind Optimierungen gar nicht erst nötig? Ciril Hvalić lacht: «Überall, wo gearbeitet wird, kann man optimieren – auch in der Humanmedizin.» Spital und Hausärzte seien sich dies von Anfang an bewusst gewesen, hätten deshalb eine paritätisch besetzte Betriebskommission ins Leben gerufen, in der je zwei Spital- und Hausärzte Abläufe und Behandlungen von Beginn weg kritisch betrachtet hätten und bei Bedarf auch Optimierungen vorschlügen. Das funktioniere bis jetzt ausgezeichnet.

Dies scheint tatsächlich so zu sein, denn fragt man etwa Stefan Christ, den Leiter der Notfallmedizin am Spital Wil, nach Optimierungen, kommt ihm nichts zur Zusammenarbeit mit den Hausärzten in den Sinn. Seine Sorgen sind anderer Art. Zum Beispiel die zunehmende Zahl aggressiver Patienten, die gerade in der Nacht auf die Notfallstation gebracht würden und die dann die – wie in jedem anderen Spital – ausgedünnte Notfallequipe unnötig auf Trab hielten. Hier herrsche mindestens mittelfristig Handlungsbedarf.

Der Abend ist inzwischen fortgeschritten, die Arztpraxen der Region haben geschlossen. Der Warteraum der Notfallstation hat sich deshalb gefüllt, die beiden Ärzte werden gebraucht. Die Arbeit geht auf der Notfallstation des Spitals Wil auch am Abend dieses sommerlichen Ferientages nicht aus.

Auch in Wattwil angedacht

Eine Notfallpraxis wie in Wil ist auch für die neue Notfallstation des Spital Wattwils angedacht. Diese soll Ende 2019, Anfang 2020 eröffnet werden. Bisher ist die Notfallpraxis jedoch erst baulich vorgesehen. Die Verhandlungen mit den Hausärzten, die dereinst darin arbeiten sollen, sind aktuell noch im Gang. (rus)

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