Spielgruppen im Bildungssystem

Die Katholische Frauengemeinschaft Kirchberg hat dem Gemeinderat Mitte Juni die Überprüfung einer geeigneten Spielgruppen-Organisationsform beantragt. Sie erklärt, welche Überlegungen dazu geführt haben.

Cecilia Hess-Lombriser
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An fünf Morgen in der Woche können Kinder die Spielgruppe Windrädli besuchen. (Bilder: pd)

An fünf Morgen in der Woche können Kinder die Spielgruppe Windrädli besuchen. (Bilder: pd)

KIRCHBERG. Das Mütterteam Kirchberg, das der Katholischen Frauengemeinschaft Kirchberg (FG) unterstellt ist, ist verantwortlich für zwei verschiedene Spielgruppen. Neben der traditionellen Spielgruppe Windrädli gibt es die Waldspielgruppe im Hüsligswald. An fünf Morgen wird die Spielgruppe im Raum im alten Schulhaus an der Lerchenfeldstrasse angeboten und an drei Morgen im Wald. Insgesamt kümmern sich sieben Spielgruppenleiterinnen um die 60 bis 70 Kinder.

Zurück an die Gemeinde

Der Gemeinderat hat das Anliegen der FG anerkannt und den Schulrat ersucht, eine Bestandsaufnahme der Spielgruppen in der gesamten Gemeinde durchzuführen und unter anderem die Thematik aus schulischer und erzieherischer Sicht und unter dem Aspekt der Frühförderung zu beurteilen. Unterdessen hat der Schulrat den Auftrag wieder an die Gemeinde zurückgegeben. «Einerseits haben wir knappe personelle Ressourcen und andererseits betrifft das Anliegen die ganze Gemeinde Kirchberg, auch wenn der Antrag von der FG Kirchberg kommt», sagt der Kirchberger Schulratspräsident Orlando Simeon auf Anfrage. Magnus Brändle, Ratsschreiber Kirchberg, bestätigt das Vorgehen und informiert, dass eine Mitarbeiterin damit beauftragt worden ist, eine Bestandsaufnahme aller Spielgruppen in der politischen Gemeinde Kirchberg durchzuführen. Bisher gibt es keine Vereinbarungen zwischen der Gemeinde und den Spielgruppen in Kirchberg, Bazenheid und Gähwil.

Bedürfnis ausgewiesen

«Wir sind offen für das Anliegen und gehen Schritt für Schritt vor», sagt Magnus Brändle. Er erinnert, dass die Frühförderung von öffentlichem Interesse und vom Kanton gewünscht ist. «Wenn den Kindern der Eintritt in die Schule erleichtert werden kann, ist das im Interesse der Schule. Die Spielgruppen entsprechen dem Bedürfnis der Familien und können für Einzelkinder oder für fremdsprachige Kinder eine wertvolle spielerische Annäherung an andere Kinder und die Sprache sein», anerkennt er. Wie die Ergebnisse der Gespräche aussehen könnten, will Brändle nicht vorwegnehmen. Der Gemeinderat werde wieder darüber berichten. Von der FG Kirchberg gibt Vorstandsmitglied und Kassierin Isabella Feller Auskunft über das Anliegen und die Gründe, die zum Antrag geführt haben. Als früheres Mitglied des Mütterteams und als ehemalige Spielgruppenleiterin hat sie sich für die Aufwertung der Spielgruppen engagiert.

Integrationsförderung

Die Spielgruppe ist ein Angebot, das die Eltern für ihre Kinder freiwillig wählen und selber bezahlen. Die Spielgruppenleiterinnen bekommen jene Zeit bezahlt, die sie effektiv mit den Kindern verbringen. Die Vorbereitung für die Spielgruppenmorgen, für Schnuppertage oder spezielle Anlässe seien Goodwill. Hier will die FG einhaken. «Wir haben gute Spielgruppenleiterinnen, die wir gerne behalten wollen, doch es wird immer schwieriger, welche zu finden, weil eine andere Berufsarbeit besser bezahlt ist», macht Isabella Feller bewusst. Die Spielgruppe sei wertvoll. «Es gibt Kinder, die noch nie eine Schere in der Hand gehabt und noch nie geleimt haben. Für fremdsprachige Kinder ist die Annäherung an die Sprache und der Umgang mit anderen Kindern wichtig für den Eintritt in den Kindergarten.» Sie betrachtet die Spielgruppe als ersten Schritt der Volksschule. Damit ist sie auf der Linie des Kantons St. Gallen, der sich für die Integrationsförderung im Frühbereich engagiert und ein Coaching für frühpädagogische Fachpersonen aus Kitas und Spielgruppen im Bereich Sprachförderung und Elternmitwirkung anbietet. «Der Beruf Spielgruppenleiterin verdient eine grössere Anerkennung», meint die FG. Ramona Huber gehört dem Mütterteam Kirchberg an, und sie koordiniert die Spielgruppen, schreibt die Eltern an, teilt die Kinder ein, lädt zu Schnuppertagen ein, leitet drei bis vier Sitzungen pro Jahr. Sie ist Kleinkindererzieherin und leistet die rund 100 Stunden pro Jahr ohne Entgelt. Zudem hat sie seit dem Sommer einen Morgen als Spielgruppenleiterin übernommen.

Stellenwert erhöhen

«Es kann nicht sein, dass professionelle Arbeit umsonst geleistet wird und Frauen auf ihren Beruf verzichten, um Freiwilligenarbeit im Bildungssystem zu leisten», hält Isabella Feller fest. «Wir können die Tarife nicht erhöhen, denn wir wollen, dass alle Kinder die Spielgruppe besuchen können», sagt Ramona Huber. Sie macht bewusst, dass man freiwillige Arbeit nicht jahrelang macht. «Es braucht eine Einarbeitungszeit für diese Arbeit. Nach ein paar Jahren gibt man sie wieder auf. So leicht ist es nicht, jemanden dafür zu finden.» Die FG will die Spielgruppe aufrechterhalten. Allerdings: «Es ist nicht mehr zeitgemäss, wenn professionelle Arbeit inklusive Organisation, Budgetierung sowie Abrechnung der Löhne und Sozialleistungen freiwillig geleistet wird.»