«Spektakulair» nach 20 Jahren

DIETSCHWIL. Mit einem spektakulären Festival wollen fünf Dietschwiler alte Musikzeiten aufleben lassen. Der Grund des Festes ist ein Probenraum. Ein unauffälliger Raum, der eine ganze Reihe berühmter Künstler erlebt hat.

Michael Hug
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Fünf Freunde organisieren eine Stammtischidee: Patrick Egli, Urs Huser, Roman Fischer, Bruno Metzger und Thomas Egli (von links). (Bild: Michael Hug)

Fünf Freunde organisieren eine Stammtischidee: Patrick Egli, Urs Huser, Roman Fischer, Bruno Metzger und Thomas Egli (von links). (Bild: Michael Hug)

Warum sollte eines völlig unspektakulären Raumes wegen gefeiert werden? Eines abgeschotteten Zimmers zudem, aus dem nichts dringt und von dem die Öffentlichkeit noch nie wirklich Notiz nahm? Weil der Dietschwiler Probenraum ein besonderes Kabäuschen ist, in dem schon einige vorher schon berühmte oder nachher berühmt gewordene Künstler verkehrten. Der unauffällige, unprätentiöse Probenraum für Rock- und Popmusiker ist aber auch ein Symbol für Unabhängigkeit, für Zusammenarbeit über Genregrenzen hinweg und nicht zuletzt auch für Freundschaft.

Drei Brüder am Anfang

Es ist mehr als 20 Jahre her, als sechs Freunde um die Brüder Christoph, Thomas und Patrick Egli zwecks Bandgründung einen Probenraum brauchten. «Bluesiana» hiess die Band und der Treffpunkt war ein Kuhstall. Nicht nur des Geschmacks wegen musste aber bald ein etwas komfortablerer Übungsraum her – der bot sich nicht weit davon im Haus der Eglis an.

Seither sind im Dietschwiler Probenraum nicht nur die leider nicht allzu berühmt gewordenen «Bluesiana»-Musiker ein- und ausgegangen. Patrick Egli zählt einige auf: «Art Wicki, der bei Florian Ast und Nubia spielt, Simon und Manuel Winiger, die Starch gegründet haben und heute mit Marc Sway auf der Bühne stehen, Peter Haas, zeitweise Schlagzeuger bei Krokus, oder Hendrix Ackle, der Keyboarder von Philipp Fankhauser.»

Typische Stammtischidee

«Der Probenraum hat auch lokalen Grössen wie Laura Strasser, Boots Stiefel oder Christoph Fischer auf die Sprünge geholfen», sagt Urs Huser, OK-Präsident des Probenraum-Festivals. Huser war von Mitgliedern der Chickenleg Shuffle, einer weiteren lokalen Band, die im besagten Raum probt, für die Organisation des «Spektakulair» angefragt worden. Nun sind es fünf Männer, die seit ein paar Monaten an der Vorbereitung des Open Airs arbeiten. «Es war eigentlich eine typische Stammtischidee», meint Bruno Metzger, der schon bei der Einrichtung des Probenraums Hand angelegt hatte. Mit der Zeit hat sich die Idee eines kleinen Musikevents zu einem Festival entwickelt, und nun wird es Dietschwil Ende August in den Ausnahmezustand versetzen. «Wie das so ist: Es kommt immer mehr dazu, man will ja allen etwas bieten», lacht Metzger.

Dorfchilbi für Jung und Alt

Nun bietet das «Spektakulair» vom 29. August tatsächlich viel. Urs Huser: «Da ist erst mal die Bühne mitten auf der Landstrasse, eine Nebenbühne, ein Festzelt, dann der grösste Grill, den das Alttoggenburg je gesehen hat, Bar, Weinstube, eine Budenstadt mit Schiessstand und Ballspielen, Karussell, Hau den Lukus und so weiter.» Mitmachen werden auch Dietschwiler Vereine, die Feuerwehr sowie einheimische Strassenkünstler. Dabei solle das Freiluftspektakel – sinnigerweise «Spektakulair» genannt – keinen Eintritt kosten, sagt Thomas Egli: «Es wird eine Dorfchilbi für Jung und Alt. Wir verfolgen keinerlei kommerzielle Interessen, wenn etwas herausschaut, werden die Helfer davon profitieren.» Helfer werden übrigens noch gesucht.

www.spektakulair.ch