Spass beiseite

Die Gestaltung gleicht dem Kirchenboten», sagt ein Gast am Stamm. Seinem Tischnachbarn ist der Text über Referenden zum Polizei- und Abwasserreglement ins Auge gestochen. «Da steht etwas über Einsprachefristen, aber nichts über den Inhalt der Reglemente», moniert er.

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Die Gestaltung gleicht dem Kirchenboten», sagt ein Gast am Stamm. Seinem Tischnachbarn ist der Text über Referenden zum Polizei- und Abwasserreglement ins Auge gestochen. «Da steht etwas über Einsprachefristen, aber nichts über den Inhalt der Reglemente», moniert er. «Wird das neue Uzwiler Blatt auswärts gedruckt?», wendet sich eine Frau kurz von ihrem Kreuzworträtsel ab und blickt fragend in die Runde. Doch niemand hat eine Antwort parat, das geht auch aus dem Impressum nicht hervor. Dann geht der Diskurs weiter. Der eingangs erwähnte Gast zieht Vergleiche zu Oberbüren. Preist das dortige Gmeindsblättli in den höchsten Tönen. Obwohl eine biedere Gestaltung das amtliche Publikationsorgan des östlichen Nachbarn prägt. Zweispaltiger Umbruch. Informationen bunt durchmischt mit Inseraten. Ein Auftritt wie vor 40 Jahren.

Fritz Studli ist schon öfters aufgefordert worden, das Uzwiler Blatt kritisch unter die Lupe zu nehmen. Sein erstes Fazit zur Gestaltung des Druckerzeugnisses: «Form follows function». Gut gewähltes Format, leserliche Groteskschrift ohne Serifen, dafür mit genügend Durchschuss, Karikaturen als Illustration, einige Stilelemente wie etwa Entrefilets von der Tageszeitung «abgekupfert». Doch weshalb müssen Mitteilungen aus den Nachbargemeinden herangezogen werden – reichen gemeindeeigene Informationen nicht, um das wöchentlich erscheinende Blatt zu füllen?

Studli will sich erst in die Lektüre der kommenden Ausgaben vertiefen und einen Blick zum Pendant in Oberuzwil werfen, ehe er sich ein Urteil über den Inhalt anmasst. Im Nachbardorf ob dem Damm ist das neue Gemeinde-Mitteilungsblatt mit Inseraten reich garniert. Dass diese Annoncen andernorts schmerzlich fehlen, scheint die Exekutive nicht weiter zu stören. Und dass die beiden Gemeinden an der Uze in der Kommunikation getrennte Wege gehen, ist für sie ohnehin selbstverständlich. Wo käme man sonst hin, womöglich gar zu einer Fusion?

Apropos Fusion. Uzwils Gemeindepräsident hat's gewagt, sich zu einem möglichen Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde zu äussern. Nicht der unmittelbare Nachbar Oberuzwil soll die umworbene Braut sein, sondern das finanzstarke Zuzwil. Auf keinen Fall wolle er lesen, dass eine Fusion mit Zuzwil gescheitert sei, lässt sich Lucas Keel in einem Interview in dieser Zeitung zitieren.

Der Gemeindepräsident beliebt zu scherzen. Das scheint in der heutigen Spassgesellschaft angebracht. Zumal auch knallharte Fakten wie jene zum Budget süffisant präsentiert werden. Spätestens beim Empfang der Steuererklärung und der provisorischen Steuerrechnung dürfte manchem Mitbürger das Buttergipfeli beim Frühstück im Halse steckengeblieben sein.

Uzwils Gemeindeoberhaupt hat viele Visionen. Nun aber steht er realen Ansprüchen gegenüber – und wird sich ihnen stellen müssen. Am 8. März bestimmt das Volk über den Kredit für die Sportanlage in der Henauer Rüti. Hier geht's um Realpolitik. Für einmal ganz ohne Spassfaktor.

Fritz Studli ist Journalist im Ruhestand und kommentiert in loser Folge das Lokalgeschehen.

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