Spanische Lesung in der Wiler Bibliothek: Weit mehr als ein Literaturabend

Was unter dem Motto «Literarische Abendgesellschaft» als spanische Lesung angekündigt war, entpuppte sich am Freitag in der Stadtbibliothek als sehr frischer Kulturanlass.

Christof Lampart
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Manuel Giron beim Vorlesen aus seinen mal nachdenklichen, mal humorvollen Werken. Bilder: Christof Lampart

Manuel Giron beim Vorlesen aus seinen mal nachdenklichen, mal humorvollen Werken. Bilder: Christof Lampart

Genau genommen entpuppte sich der kurzweilige Abend als ein kunterbuntes, kulturelles «Kaleidoskop», das sich aus attraktiven Versatzstücken des spanischen beziehungsweise lateinamerikanischen Lebensraumes zusammensetzte. Wobei sich die verschiedensten Eindrücke aus Literatur, Musik, Gesang und Essen wiederholt immer wieder geschickt überlagerten, sodass sich die Akzente – wie es eben nun einmal bei einem «Kaleidoskop» üblich ist – immer wieder verschoben und neue Formen annahmen, bevor sich die Eindrücke zu einer allgemein gültigen Aussage hätten verfestigen können.

Und so wurde vieles niederschwellig angerissen, thematisiert, ja, die Zuhörerschaft geschickt «angefixt», sodass man nach zwei Stunden mit vielen neuen Eindrücken wieder den Heimweg antrat.

Schöne Auswahl, kluge Umsetzung

Organisiert hatte der Abend die Stadtbibliothek Wil in Zusammenarbeit mit der spanischsprachigen Gruppe «Imagina», welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, «cuentos y canciones», also Geschichten und Lieder, spanischsprachigen Kindern beizubringen. Nun waren für einmal die Erwachsenen dran. Und tatsächlich lauschten die über 50 Zuhörerinnen und Zuhörer hingebungsvoll den Erzählungen Manuel Girons, welche zuerst auf Deutsch, dann vom Autor selbst auf Spanisch vorgelesen wurden. Die Geschichten waren mal traurig, mal heiter – wie nun einmal das Leben so spielt.

Das «Duo las Argentinas» brachte Musikstile aus ihrer Heimat nahe.

Das «Duo las Argentinas» brachte Musikstile aus ihrer Heimat nahe.

Dass die Organisatoren hier darauf setzten, lieber wenige Geschichten vorzulesen und dafür bei der Auswahl der Texte und dem Vorlesen der Übersetzungen grössere Sorgfalt walten zu lassen, zahlte sich genussmässig für die Zuhörerschaft aus, denn höchstens die Hälfte der Anwesenden dürften Spanisch als ihre Muttersprache erlernt haben. Bei einem solch gelungenen Mix von Dramatik und Humor wollte verständlicherweise auch das aus Claudia Demkura – beim Gesang und an der Trommel – und Analia Bongiovanni Haarmann bestehende «Duo las Argentinas» keineswegs zurückstehen.

Nach dem Ohrenschmaus der Gaumenschmaus

Und so spielten und sangen sich die beiden Damen munter durch die verschiedensten Regionen ihres Heimatlandes, wobei auch sie zwischen den Werken nicht mit stimmigen Erläuterungen sparten. So erfuhr und hörte man beispielsweise, dass in Argentinien der weltberühmte «Samba» mit dem Buchstaben Z geschrieben wird und dazu noch ein ganzes Stück langsamer und melancholischer daherkommt als sein brasilianischer Vetter. Und dass die Liebe in einer zum Lied gewordenen Milonga – einem Vorläufertanz des Tangos – einem ebenso schnell und unerklärlich abhandenkommen kann wie so vieles andere im Leben.

Doch nach dem Ohrenschmaus war der Abend noch lange nicht fertig. Denn im Untergeschoss hatten die Besitzer des mexikanischen Spezialitätenladens «El Sabor» aus St. Gallen ein wunderschönes Buffet mit Speisen aus ihrem Heimatland aufgestellt, wo es sich viele nachher gut gehen liessen und sich noch lange über das soeben Erlebte ausgelassen unterhielten.