Später Winter gut für Salzlager

Der Winter kam spät – im Gegensatz zu 2010. Damals wurde das Auftausalz schnell knapp. Der Schweizer Versorger, die Rheinsalinen, musste gar importieren. Eine Umfrage zeigt: Die Werkhöfe der Region sind gerüstet. Und die Rheinsalinen auch.

Mario Fuchs
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Max Keller, Leiter des Werkhofs in Kirchberg, zeigt das Salzlager, das rund 120 Tonnen fasst. Das reicht nicht für den ganzen Winter. (Bild: mf.)

Max Keller, Leiter des Werkhofs in Kirchberg, zeigt das Salzlager, das rund 120 Tonnen fasst. Das reicht nicht für den ganzen Winter. (Bild: mf.)

REGION. 100 Meter. So lange ist der Bremsweg eines Wagens mit Tempo 50 durchschnittlich auf einer eisbedeckten Strasse. Bei Schnee sind es weniger: 37 Meter. Und wenn ein Werkhofmitarbeiter zuvor mit seinem Fahrzeug über jene Strasse gefahren ist und Auftausalz gestreut hat, nur noch 20 Meter. Der Schnee, so schön er auch ist und zur Weihnachtszeit herbeigesehnt wird, so gefährlich ist er auch. Heuer kam er spät – was für die Werkhöfe in der Region Wil und im Hinterthurgau durchaus vorteilhaft ist, wie eine Umfrage der Wiler Zeitung zeigt.

235 Tonnen für die Stadt Wil

Kurt Stauffer, Werkmeister der Stadt Wil, hat sein Streusalz wie üblich im Sommer bestellt und eingelagert. «Aktuell haben wir 235 Tonnen an Lager», sagt er. Der späte Wintereinbruch sei durchaus ein Vorteil. «Je weniger Winterdienst, desto weniger Salz brauchen wir – was aber nicht heissen muss, dass wir für diesen Winter bereits ausgesorgt haben.» Die Spitze beim Verbrauch des Auftausalzes lag in den letzten zehn Jahren bei 250 Tonnen – 240 Tonnen kann die Stadt maximal einlagern. Teils in Säcken für die Kleinfahrzeuge mit Salzstreuer am Heck, zum Teil lose in einer Halle für die Lastwagen.

Ein Bahnwagen für zwei Dörfer

Auch das Lager von Niklaus Nadler, Leiter des Werkhofs in Münchwilen, ist voll. «Wir sind froh – zwei Wintermonate können wir bereits einmal abschreiben», sagt er. Man halte sich beim Salzen an den im ganzen Land gültigen Grundsatz: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich». Gleich sieht dies Ernst Anderegg, Leiter des Werkhofs in Flawil. «Bei Wintereinbruch war unser Lager voll. Jetzt kam der Schnee, und wir sind gerüstet.» Angeliefert werde das Salz in der Regel per Bahn, von wo aus ein Lastwagen zum Depot fährt. Nicht alle Gemeinden können allerdings so viel Salz einlagern, wie ein Bahnwagen bringt. So etwa in Zuzwil: Die Gemeinde teile sich eine Lieferung jeweils mit der Hinterthurgauer Gemeinde Wuppenau, wie der Zuzwiler Werkhofchef Ignaz Hättenschwiler erklärt.

Ein Lager für die ganze Schweiz

In der Schweiz gibt es mit den Rheinsalinen nur einen Lieferanten für Auftausalz. Die Schweizer Rheinsalinen sind im Besitz aller Schweizer Kantone (ausser der Waadt), des Fürstentums Liechtenstein sowie der Südsalz GmbH. In Rheinfelden betreiben die Rheinsalinen ein einziges nationales Zentrallager. Von dort aus wird das Salz in Bahnwagen oder auf der Strasse in die Werkhöfe der Kantone, Städte und Gemeinden transportiert.

Weisse Weihnachten?

Im vergangenen Winter standen die Rheinsalinen zunehmend in der Kritik, da das eingelagerte Salz nicht mehr für alle Gemeinden reichte. Für diesen und künftige Winter wurde vorgesorgt – obwohl man im Herbst gar noch mit Produktionsschwierigkeiten zu kämpfen hatte und zeitweise nur auf halber Kapazität produzieren konnte (siehe Kasten).

Michael Forrer ist Leiter des Werkhofs in Oberuzwil. Er weiss um die Probleme bei den Rheinsalinen und hat auch die Schwierigkeiten des letzten Winters noch im Hinterkopf: «Der späte Wintereinbruch ist wirklich ein Vorteil. Ich weiss nicht, ob die Rheinsalinen mit Liefern nachgekommen wären, wenn der Winter schon früh gekommen wäre.»

In Kirchberg hat Werkhofleiter Max Keller 120 Tonnen Streusalz in Silos an Lager. «Für einen Winter benötigen wir zwischen 210 und 300 Tonnen», so Keller. Nach Bedarf müsse er Anfang Jahr nachbestellen. Und: Max Keller sieht nebst der versorgungstechnischen Seite des Winters auch die menschliche: «Wie schade, dass es jetzt schon wieder in den Schnee hineinregnet. Weisse Weihnachten wären doch so schön.»