FUSSBALL
«Jetzt wollen wir aufsteigen»: FC Uzwil ringt Wiler U20 dank spätem Siegtreffer nieder

Was für ein Spektakel in der 2. Liga interregional: Der FC Uzwil macht im Derby gegen die U20 des FC Wil in der letzten halben Stunde aus einem 1:2 ein 3:2 und bleibt Leader. Wäre es 2:2 geblieben, wäre der Aufstieg für die Uzwiler schwierig bis fast unmöglich geworden. Nun aber haben sie vor der letzten Runde weiterhin alles in den eigenen Händen.

Tim Frei
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Uzwils Eric Gülünay (in Blau) krönte seine starke Leistung mit dem 1:0 nach knapp 20 Minuten.

Uzwils Eric Gülünay (in Blau) krönte seine starke Leistung mit dem 1:0 nach knapp 20 Minuten.

Bild: Beat Lanzendorfer

Und dann gab es kein Halten mehr: Kaum hatte der eingewechselte Thomas Knöpfel in den Schlussminuten Uzwils 3:2-Siegtreffer erzielt, eilten alle Mitspieler zum Abklatschen herbei. Es war ein besonders ausgelassener Jubel, der die Bedeutung dieses Treffers unterstrich: Dank dem schön herausgespielten Kopfballtor schaffte es der FC Uzwil in extremis, Platz eins in der zweitletzten Runde der 2. Liga interregional zu verteidigen.

Die Verfolger Kreuzlingen und Amriswil hatten mit ihren Siegen Uzwil zwischenzeitlich vom Leaderthron gestossen. Dabei wäre es geblieben, hätte das Derby zwischen der U20 des FC Wil und den Uzwilern 2:2 geendet. Damit wäre ihr vierter Aufstieg in die 1. Liga seit 1972, 1977 und 1979 praktisch unmöglich geworden, trifft Kreuzlingen in der letzten Runde vom nächstem Samstag doch auf den abgeschlagenen Tabellenletzten United Zürich. Doch die Uzwiler bewiesen, dass sie sich von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Vom 1:0 zum 1:2 innert neun Minuten

Die Partie hatte für den Gastgeber ideal begonnen: Das 1:0 durch Eric Gülünay in der 18. Minute war nicht nur mustergültig vorbereitet von Zoltan Farkas, sondern auch absolut verdient. Richtig gefährlich für das Heimteam wurde es in der ersten Halbzeit einzig kurz vor der Pause, als Goalie Timon Waldvogel einen Weitschuss mirakulös zum Corner klärte.

Nach Wiederanpfiff waren die Wiler kaum mehr wieder zu erkennen. Sie waren plötzlich die aktivere Mannschaft und stets gefährlich mit ihren Konterangriffen. Bitter aus Uzwiler Sicht: Zuerst wurde das 2:0 durch Raul Stillhart wegen Offsides aberkannt, später leitete Verteidiger Michel Lanker den 1:1-Ausgleich in der 54. Minute mit einem missratenen Rückpass ein. Keine zehn Minuten später war das Heimteam erstmals in Rückstand – erneut fehlte es an der Absicherung im Defensivspiel, was Doriano Giorgio eiskalt mit dem 1:2 bestrafte.

Umgehende Reaktion auf den Rückstand

Doch Uzwil reagierte stark: Wenige Momente nach dem Anspiel holte Stillhart einen Elfmeter heraus, den Zoltan Farkas in der 65. Minute zum 2:2 verwertete. Kurze Zeit später wäre die abermalige Uzwiler Führung durch Dario Koller beinahe Tatsache gewesen. Doch erneut wurde der Treffer wegen Offsides zurückgenommen – dieses Mal war es ein Fehlentscheid.

Es galt für Uzwil also, einen weiteren Rückschlag zu verkraften. Mit der Wut im Bauch stemmte sich das Heimteam gegen den Punktverlust und kam nach vielen vergebenen Chancen doch noch zum verdienten 3:2.

Uzwil-Trainer Armando Müller sagte nach der Partie zum Comeback seines Teams: «Meine Mannschaft legte auch in dieser Partie eine unglaubliche Moral an den Tag – einen solchen Spirit habe ich bisher selten erlebt.» Oder um es mit den Worten von Michel Lanker auszudrücken:

«Wir haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind, wir geben nie auf.»

Mit Sieg gegen Bassersdorf ist der vierte Uzwiler 1.-Liga-Aufstieg perfekt

Und so hat der FC Uzwil am nächsten Samstag auswärts gegen Bassersdorf weiterhin alles in den eigenen Händen. Mit einem weiteren Sieg ist der Aufstieg unabhängig von den Resultaten der Verfolger Tatsache.

Die Uzwiler haben das Wort «Aufstieg» gegenüber Medien lange vermieden. Das gehört nun der Vergangenheit an, sagte doch Armando Müller: «Wollen wir jetzt Dritter werden? Nein, wir wollen Erster werden. Wir müssen nicht aufsteigen, doch wir wollen!»

Wil-Trainer Fabinho: «Wir haben uns erneut durch Unkonzentriertheiten um Punkte gebracht»

Ganz anders war die Gefühlslage nach der Partie im Wiler Lager, das seit Uzwils Wiederaufstieg (2015) in der 2. Liga interregional auf einen Auswärtssieg in diesem Derby wartet. Fabinho, Trainer der U20 des FC Wil, sagte nach der 2:3-Niederlage: «Es ist leider immer das Gleiche, wir bringen uns durch Unkonzentriertheiten um die Punkte.» Damit sprach er vor allem die Gegentreffer zum 2:2 und 2:3 an. Insbesondere Uzwils Siegtor hat ihn verärgert: «Dass ein Stürmer gegen zwei Verteidiger ein Tor macht, das darf aus unserer Sicht niemals passieren.»

Fabinho bemängelte die fehlende Sicherheit im Defensivspiel, die vielen Ballverluste, die mangelnde Kreativität und die Ineffizienz im Abschluss. «Wir rufen aktuell leider erst 40 Prozent unseres Potenzials ab», sagte Fabinho: «Man muss aber auch sehen, dass uns fünf bis sechs Spieler fehlen, die derzeit die Vorbereitung mit der ersten Mannschaft absolvieren.» Dennoch erwartet er für das letzte Saisonspiel eine Steigerung. (tm)

FC Uzwil – FC Wil U20 3:2 (1:0)
Sportanlage Rüti, Henau – 250 Zuschauer – SR. Studer.
Tore: 18. Gülünay 1:0. 54. Wirth 1:1. 63. Giorgio 1:2. 65. Farkas (Foulelfmeter) 2:2. 86. Knöpfel 3:2.
Uzwil: Waldvogel; Hasler, Lanker, Alija, Ranisavljevic (75. Marku); Uetz (64. Koller), Stillhart (78. Knöpfel), Lanzendorfer, Gülünay, Farkas (90. Anderes); Asani (84. Farago).
Wil U20: Tahiri; Franscini, Coric, Selishta, Asani; Shaqiri, Giorgio, Marovci; Fetaj (68. Lakota), Wirth (73. Lazarevic), Saliji (73. Beka).
Bemerkungen: Verwarnungen: 11. Alija. 32. Asani. 57. Shaqiri. – Zwei Uzwiler Tore wegen Offside aberkannt: 50. Stillhart. 70. Koller. Uzwil ohne Nushi (gesperrt), Ebrahim, Ortiz (Aufgebot anderes Team). – Wil U20 ohne Berry, Huber, Arifaj (alle nicht im Aufgebot), Abubakar, Vargas, Abazi, Selimi, Krunic, Miranda, Mettler (alle Aufgebot anderes Team).

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