SP-Mitglied Arber Bullakaj: «Der Wiler Stadtrat signalisiert indirekt, dass Personen mit Migrationshintergrund eine tiefere Fachkompetenz haben»

Der Wiler SP-Stadtparlamentarier Arber Bullakaj klagt über fehlende Vielfalt bei den Angestellten der Verwaltung. Er bemängelt fehlenden Willen seitens des Stadtrats.

Gianni Amstutz
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Der Schweizer Pass kann bei Bewerbungen ein Vorteil sein. Auch auf der Wiler Stadtverwaltung? Bild: Christian Beutler/Keystone

Der Schweizer Pass kann bei Bewerbungen ein Vorteil sein. Auch auf der Wiler Stadtverwaltung? Bild: Christian Beutler/Keystone

Die Forderung der Vielfalt und die Pflege einer freundlichen Willkommenskultur sei das Legislaturziel Nummer eins des Stadtrats, sagt SP-Stadtparlamentarier Arber Bullakaj. «Und dennoch ist die Vielfalt der städtischen Bevölkerung in der Stadtverwaltung – einschliesslich Technische Betriebe und Schulen – auch im Jahr 2019 noch kaum repräsentiert.»

Arber Bullakaj

Arber Bullakaj

Bullakaj, selbst Schweizer mit Migrationshintergrund, stört sich an der fehlenden Diversität in der Verwaltung. In einer Interpellation erkundigte sich Bullakaj deshalb, ob die Stadt bereit dazu wäre, eine Diversity-Strategie zu erarbeiten. Mit dieser würde eine ausgewogene Vertretung der Vielfalt bei den städtischen Mitarbeitenden auf allen Stufen sichergestellt.

Fachliche Kompetenz
steht an erster Stelle

Der Stadtrat hält jedoch nichts von Bullakajs Idee. Bei der Stellenbesetzung achte die Stadt auf Fach- und Sozialkompetenz sowie Dienstleistungsorientierung. Abhängig von der Teamkonstellation könnten auch Alter und Geschlecht eine Rolle spielen, schreibt der Stadtrat. Das Alter, Geschlecht, Nationalität oder andere persönliche Merkmale als generell zu beachtende Anforderungen vorzugeben, erachte der Stadtrat jedoch als falsch. Fachliche Kompetenz müsse stets an erster Stelle stehen, unabhängig von dem persönlichen Hintergrund eines Angestellten.

Andernfalls bräuchte es zusätzliche Ressourcen, «um Mitarbeitende, die nicht primär wegen ihrer Fachkompetenz, 
sondern wegen persönlicher Eigenschaften angestellt worden wären, auf das fachlich notwendige Niveau zu entwickeln», wie der Stadtrat schreibt.

Ein Argument, das Arber Bullakaj sauer aufstösst. «Damit signalisiert der Stadtrat indirekt, dass Leute mit Migrationshintergrund eine tiefere Fachkompetenz haben. Eine solche Aussage ist enttäuschend.» Es sei einzig und allein eine Frage des Willens, Ressourcen frei zu machen, um die Untervertretung von Menschen mit Migrationshintergrund in der Verwaltung wirklich anzugehen.

Doch wie viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten überhaupt bei der Stadt Wil? Eine Antwort darauf kann auch der Stadtrat nicht geben. Dem Personaldienst seien zwar die Nationalitäten der Angestellten bekannt, es werde aber nicht erfasst, ob eine Person einen Migrationshintergrund habe. In der Antwort des Stadtrats heisst es aber auch:

«Allerdings kann festgehalten werden, dass der grössere Teil der Mitarbeitenden die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt»

Was sexuelle Orientierung, Religionszugehörigkeit oder Behinderungen anbelange, würden aus Datenschutzgründen keine Angaben erhoben. Solche Faktoren würden aber ohnehin keine Rolle spielen im Bewerbungsprozess.

Der Stadtrat hat noch eine weitere Begründung, wieso es «ein Ding der Unmöglichkeit ist», eine angemessene Vertretung von Mitarbeitenden beiderlei Geschlechts, unterschiedlichen Alters, Nationalitäten, Religionen, sexueller Orientierung und Behinderung zu erreichen. Die meisten Teams der Stadtverwaltung bestünden aus vier bis sechs Mitarbeitenden. Eine Durchmischung sei in so kleinen Teams nicht möglich.

Aber: Seit langem achte die Präsidentin der ehemaligen Personalkommission und der Personaldienst darauf, dass auch Bewerbende anderer Nationalitäten berücksichtigt würden.