SP kritisiert latente Ausgrenzung

An der Neujahrsbegrüssung der SP Wil forderte Präsident Kilian Meyer die Sozialdemokratie und die ganze Gesellschaft auf, die Menschenrechte zu verteidigen sowie Integration und Chancengleichheit zu ermöglichen.

Fabio Gehrig
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Zu Beginn führte Stadtarchivar Werner Warth (Mitte) die Gäste in die Textilausstellung im Hof zu Wil ein. Rechts SP-Präsident Kilian Meyer. (Bild: Fabio Gehrig)

Zu Beginn führte Stadtarchivar Werner Warth (Mitte) die Gäste in die Textilausstellung im Hof zu Wil ein. Rechts SP-Präsident Kilian Meyer. (Bild: Fabio Gehrig)

WIL. Es war ein durchaus spannender Zeitpunkt für die Neujahrsbegrüssung der SP Wil. Die jüngsten Ereignisse im In- und Ausland beschäftigten an diesem Abend auch die rund zwanzig Sozialdemokraten im Hof zu Wil. Unter ihnen suchte man jedoch vergebens nach der Spitzenkandidatin für die Nationalratswahlen, Barbara Gysi. Sie vertrat an diesem Abend die Sozialdemokraten in der Diskussionsrunde «Arena» im Schweizer Fernsehen. Bevor die Fraktion allerdings auf Aktuelles zu sprechen kam, liess sie ihren Blick kurz in die Vergangenheit schweifen: Mit Erläuterungen von Stadtarchivar Werner Warth wurden die Spuren der Textilindustrie Wil in der aktuellen Ausstellung verfolgt.

Letzte Neujahrsansprache

Danach ergriff der Wiler SP-Präsident Kilian Meyer das Wort und setzte zu seiner Neujahrsansprache an. Seine letzte Ansprache – da er im nächsten Jahr sein Amt als Präsident abgeben werde – hatte es allerdings nochmals in sich. Mit den Attentaten von Paris, der Pegida-Bewegung in Deutschland und den Flüchtlingsströmen aus Nordafrika deckte der Präsident in seiner Rede ein enorm breites und schwieriges Themenfeld ab. «Wenn ich zurückblicke auf einige Ereignisse der vergangenen Monate und dann einen Vorausblick wage, ist für mich klar: Wir leben in einer besonderen Zeit, in der die Sozialdemokratie eine ihrer historischen Aufgaben, die Menschenrechte zu verteidigen, mit aller Konsequenz wahrnehmen muss – und dies beginnt bei uns auf städtischer Ebene», sagte Kilian Meyer.

Chancengleichheit gefordert

So warnte Meyer beispielsweise vor einer Polarisierung der Gesellschaft durch die Attentate auf «Charlie Hebdo». Die einzig richtige Antwort auf solch tragische Ereignisse könne ein Festhalten an rechtsstaatlichen und demokratischen Grundwerten sein und nicht die Pauschalisierung einer Glaubensrichtung. Zweifellos auch ein Hinweis auf diffamierende Aussagen lokaler Exponenten aus dem politisch rechten Lager. «Terrorismus entsteht in der Ausgrenzung und durch Perspektivlosigkeit, und es ist nicht so, dass es dies hier nicht gibt», mahnte Meyer. Extremismus auf beiden Seiten nähre sich an Zukunftsängsten. Daher seien mehr Chancengleichheit und Mitspracherechte gefordert. Damit verwies Kilian Meyer auf das fehlende politische Mitspracherecht von hier lebenden Ausländern und stellte die provokative Frage, wie sich eine Demokratie überhaupt so nennen könne, wenn ein Viertel der Bevölkerung nicht mitreden dürfe. Man habe hier bereits eine krasse Zweiklassengesellschaft.

Mut und Engagement

Folglich spannte Meyer in seiner Rede auch den Bogen zum Thema Integration auf regionalpolitischer sowie auch auf privater Ebene. Dazu führte er einige Fälle von Ausgrenzung und Beispiele der zweigeteilten Gesellschaft während seiner Freiwilligenarbeit im Schreibbüro des Vereins Fair Wil auf. Darunter kritisierte er das Fehlen von genossenschaftlichen Wohnformen in Wil. Aber auch den Widerstand der Bevölkerung gegen den Bau einer Moschee unter dem Vorwand verkehrstechnischer Schwierigkeiten. Umso mehr brauche es eine engagierte sozialdemokratische Partei in Wil, die sich für die Umsetzung der Menschenrechte einsetze und mit gutem Beispiel vorangehe. Mit diesen motivierenden Worten schloss der Präsident seine Ansprache, die eine angeregte Diskussionsrunde lancierte.