Sonne scheint nicht überall gleich

ZUZWIL. Albert Soder aus Zuzwil hat auf seinem Flachdach eine Photovoltaikanlage installiert. Das Interesse der Gemeinde an solchen Initiativen schätzt er als gering ein. Ein Blick in die Region zeigt: Die Förderung der Solarenergie variiert stark.

Ursula Ammann
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Albert Soder hat seine Anlage im Januar in Betrieb genommen. (Bild: Ursula Ammann)

Albert Soder hat seine Anlage im Januar in Betrieb genommen. (Bild: Ursula Ammann)

Auf den ersten Blick sieht Albert Soders Terrassenhaus am Sonnenberg aus wie alle anderen rundherum. Doch ein Ausflug aufs Flachdach zeigt den Unterschied. Dort hat im Januar eine Photovoltaikanlage mit 61 Modulen und 15 Kilowatt-Peak (kWp) ihren Betrieb aufgenommen. «Die Lage ist prädestiniert», sagt Albert Soder. Als die Sanierung des Daches anstand, war es für ihn deshalb mehr als «logisch», dieses auch energetisch zu nutzen. In den ersten zwei Monaten produzierte Soders Anlage rund 1900 Kilowattstunden (kWh) Strom, was in etwa dem Bedarf seines Haushaltes entspricht. Mit den längeren Tagen und der zunehmenden Sonneneinstrahlung steigt die Energiemenge kontinuierlich.

Wenig Anreiz

Ob auf den Flachdächern am Sonnenberg oder andernorts: Albert Soder sieht in Zuzwil noch viel Potenzial in Sachen Photovoltaik. Ihm scheine aber, dass die Gemeinde in dieser Hinsicht wenig Interesse an privaten Initiativen habe, sagt er. So gebe es in Zuzwil keine Anreize im Sinne von Fördermassnahmen, und im Geschäftsbericht der Gemeinde sei die Solarenergie nahezu nicht erwähnt. «Wenn man die alternativen Energien aktiv fördern will, müsste man die Bevölkerung informieren, was in der Gemeinde gemacht wird», sagt er.

5,17 Rappen pro kWh

Auch was die Vergütung für die Einspeisung der Solarenergie angeht, sieht Albert Soder in Zuzwil wenig Anreiz für die Betreiber von Photovoltaikanlagen. Sofern diese von der Swissgrid bereits eine Einmalvergütung erhalten haben, bezahlt die Gemeinde 5,17 Rappen pro Kilowattstunde (ohne sind es 15 Rappen pro kWh). «Man kann sich fragen, warum der Gemeindebeitrag kleiner ist, wenn der Investor die Einmalvergütung beantragt hat», sagt Albert Soder. «Diesen Betrag zahlt ja nicht die Gemeinde», ergänzt er.

Zudem unterscheide die Gemeinde beim Stromankauf nicht zwischen Hoch- und Niedertarif, dies obwohl die Solarenergie während der Wochentage primär während der Hochtarifzeit produziert werde. Beim Verkauf hingegen schon. Wer Strom bezieht, bezahlt zu Hochtarifzeiten rund 20 Rappen pro kWh und zu Niedertarifzeiten gut 12 Rappen. Letztlich gehe es ihm aber bei seiner Solaranlage nicht darum, Geld zu verdienen, erklärt er, sondern vielmehr um Idealismus. Doch für Soder ist klar: «Eine positive Einstellung und Kommunikation seitens der Gemeinde gegenüber der Solarenergie könnte das Interesse der einzelnen fördern und mithelfen, das Potenzial einer Ortschaft wie Zuzwil optimal auszunützen.»

Mitten in Abklärungen

Im Rahmen des Projekts «Effizienz» befasst sich das Elektrizitätswerk Zuzwil mit verschiedenen Teilprojekten. Eines davon ist die «Dezentrale Produktion», welche auch das Gebiet der Photovoltaik umfasst. «Wir sind derzeit mitten in den Abklärungen, welche Strategie wir diesbezüglich verfolgen wollen», erklärt Rudolf Peter, Projektleiter und Mitglied der EW-Kommission. Mitte Jahr soll ausführlicher über die Pläne berichtet werden.

In Zuzwil sind aktuell 45 Photovoltaikanlagen angemeldet, davon sind 32 in Betrieb. Insgesamt wurde im Jahr 2014 mit den Anlagen (ohne KEV-Anlagen) eine Energiemenge von 277 000 kWh erzeugt und in das EW-Netz eingespeist.

Die Produktion aus den KEV-Anlagen beträgt rund 226 000 kWh. Zur reibungslosen Integration von dezentralen Produktionsanlagen muss auch die EW-Netzinfrastruktur fit gemacht werden. Entsprechende Investitionsschritte für die Realisierung laufen bereits ab 2015.

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