Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SOMMERGESCHICHTE – 5

Vertrauen schenken ist schwierig Während der Sommerferien erscheint in loser Folge eine Sommergeschichte von Andrea Schlegel. Der 4. Teil ist am 21. Juli erschienen. Das mulmige Gefühl liess Sora nicht mehr los.

Vertrauen schenken ist schwierig

Während der Sommerferien erscheint in loser Folge eine Sommergeschichte von Andrea Schlegel. Der 4. Teil ist am 21. Juli erschienen.

Das mulmige Gefühl liess Sora nicht mehr los. Sie hatte nicht lange geschlafen und lag nun grübelnd im Bett. Warum war sie einfach hingegangen und hatte sich einer völlig fremden Frau anvertraut? Klar, sie wollte ihre Fehler wiedergutmachen, doch sich derart zu entblössen war nicht geplant gewesen. Was tat sie, wenn diese Nial sich gegen sie wendete? Sie wusste viele persönliche Details. Die Karten hatten Sora zu Nial geführt. War dies zu ihrem Wohl oder sollte das Schlechte, welches sie mit dem Bannzauber ausgelöst hatte, erneut auf sie zurückfallen?

Sora drehte sich heftig um. Wenn diese Hohepriesterin hier umgebracht und zerstückelt wurde, musste es einen Grund dafür geben. Am Vorabend hatte sie mit Nial nicht gerade viele Namen auf ihre Liste gekriegt. Was hatte eine tote zerstückelte Hohepriesterin mit einer Verschwundenen von ihrem alten Coven gemeinsam? Sora konnte bis auf die Auswirkungen ihres Bannzaubers keine Gemeinsamkeiten ausmachen. Konnte es sein, dass ihr Handeln so weite Kreise gezogen hatte? Sora konnte nicht mehr länger im Bett liegen bleiben. Auch wenn es erst vier Uhr frühmorgens war. Sie musste raus.

Schwungvoll stand sie auf und tappte auf nackten Füssen in die Küche. Ihr weites Nachthemd war ihr etwas im Weg, als sie den Wasserkocher füllen wollte. Mit der einen Hand hielt sie die weiten Ärmel zurück und mit der anderen hielt sie den Krug unter den Wasserstrahl. Sie mochte kein Licht machen. Problemlos stellte sie den Krug auf seinen Sockel und stellte ihn ein. Während ein Röhren die Küche erfüllte, wandte sie der Küchenzeile den Rücken zu und blickte aus dem Fenster. Ein Vogel spürte den nahen Morgen und inspizierte das Vogelbad. Nach einem Blick in verschiedene Richtungen pickte er einmal ins Wasser und weg war er. Sora schmunzelte. Wie gerne würde sie sich wieder entspannt ihren Kräutern und ihren Riten widmen. Das Teewasser kochte. Sora nahm einen Teelöffel Kräuter aus der Büchse, liess sie in eine Tasse fallen und goss das heisse Wasser darüber. Sie entschloss sich, ihre Wohnung erneut rituell zu reinigen. Vielleicht kam ihr dabei die nötige Eingebung – oder es vertrieb ihre innere Unruhe.

Sie verstaute die ungebrauchten Räucherstäbchen im Schrank. In der Zwischenzeit erhellte die Sonne in einem flachen Winkel die Landschaft. Sora war der Lösung noch nicht näher gekommen, die Befürchtungen hatten auf ihre Stimmung gedrückt. Ihre innere Unruhe war gestiegen. Dies war erst der Anfang, fürchtete sie. Ein schriller Laut erklang aus ihrer Garderobe. Sora zuckte erst zusammen und eilte darauf zu den Wandhaken im Eingangsbereich der Wohnung. Sie kam nicht gleich darauf, was ein solches Geräusch verursachen könnte.

Gerade als sie zurück in die Küche wollte, erinnerte sie sich daran, dass sie sich auch ein neues Smartphone gekauft hatte. Schnell kehrte sie um und griff in ihre Jackentasche. Mit den Fingern angelte sie das Smartphone hervor. Hastig tippte sie den Code zum Entsperren des Bildschirmes ein und registrierte erfreut das Briefchen in der linken oberen Bildschirmecke. Sie hatte bisher noch nie eine SMS erhalten. Auch wenn sie Briefpapier bevorzugte, war sie doch erfreut über die eingegangene SMS. Hatte eines der Mitglieder im Coven an sie gedacht? Nimmt doch noch jemand zu ihr Kontakt auf? Aufgeregt tippte sie auf das Symbol des Couverts und wartete gespannt darauf, dass die Kurznachricht angezeigt wird.

Ihre Freude stockte und verwandelte sich von Schock in Wut. Na warte! So liess sie nicht mit sich umspringen. Nicht nur der Inhalt erzürnte sie masslos, sondern auch die Tatsache, dass die Nachricht anonym versandt worden war. Sie stürmte aus ihrer Wohnung und packte im Vorbeilaufen ihren Beutel. Ihre Wut wärmte sie genügend gegen die morgendliche Frische. Nur den Hausschlüssel stopfte sie in den Beutel und hängte ihn sich um. Ohne sicher zu sein, ob ihre Wegwahl auch ins Riet führte, stürmte sie die Strasse hinunter ins Dorf. Ihr drohte jemand, verlangte, dass sie sich unverzüglich auf ins Riet machte. Weitere Anweisungen folgten, stand da.

Sora kochte noch immer vor Wut über diese Unverschämtheit. Dem Verfasser würde sie ordentlich die Meinung sagen. Im Dorfzentrum hielt sie sich in Richtung zum roten Haus. Dort bog sie in die Landbachstrasse ein, dem Grün entgegen. Als sie die Häuser hinter sich gelassen hatte und auf die Rietstrasse abgebogen war, hörte sie Schritte hinter sich. War ihr der Absender der SMS schon so nah? Erschrocken drehte sie sich um und seufzte erleichtert auf. Der hagere Partner der Hohepriesterin kam auf sie zu. In seinen Joggingsachen sah er nicht viel anders aus als am Lammasfest in seinen weiten Kleidern. Tore hatte sie eingeholt und grüsste sie nun mit einem breiten Grinsen. Was so lustig an ihrer frühen Begegnung war, konnte Sora nicht ausmachen. Er war offensichtlich auf einer Joggingrunde. Machte er dies öfters oder spürte er ihr nach? Bevor sie zu einem Ergebnis kommen konnte, drückte ihr jemand von hinten ein Tuch aufs Gesicht. Schwärze holte sie ein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.