SOMMER: Dank Kuchen nach Norwegen

Fünf Flawiler Pfader – 17 und 18 Jahre alt – weilen im Juli erstmals in einem Pfadilager im Ausland. Die Geldbeschaffung gingen sie auf jugendlich unbekümmerte Art und Weise an.

Zita Meienhofer
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Tim Holenstein, Lukas Schwizer und Janik Weibel (von links) freuen sich, als Schweizer Delegation am National Scout Jamboree in Norwegen teilnehmen zu können. (Bild: Zita Meienhofer)

Tim Holenstein, Lukas Schwizer und Janik Weibel (von links) freuen sich, als Schweizer Delegation am National Scout Jamboree in Norwegen teilnehmen zu können. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Es geschieht doch so oft. Eine Idee wird als Scherz abgetan und letztlich gleichwohl Realität. Für einige Flawiler Pfader war die Idee, in der ersten Juliwoche am nationalen Pfadilager von Norwegen teilzunehmen, lange Zeit Utopie. Ihr Leiter, Elia Schmitter, sorgte dann dafür, dass es nicht einfach beim Gerede über dieses Lager blieb. Ohne ihr Wissen meldete er Tim Holenstein, Lukas Schwizer, Janik Weibel, Fabio Frei und Sandro Frauenknecht an. Sie sollten alles Weitere selber in die Hand nehmen, liess er sie wissen. Das taten die fünf in den vergangenen eineinhalb Jahren auch. Dass sie nach Norwegen fahren dürfen, haben sie zwei Begebenheiten zu verdanken. Einerseits Schmitters guten Kontakten, durch die eine Anmeldung überhaupt zustande kam, und andererseits dem Umstand, dass Sandro Frauenknecht kürzlich 18 Jahre alt wurde. Denn einer der Gruppe muss diese Altersgrenze überschritten haben. «Wir haben wirklich Glück, dass wir gehen dürfen», sagt Tim Holenstein. Der Server, auf dem die Online-Anmeldung getätigt werden konnte, war oft stark überlastet. Es sind dreimal so viele Anmeldungen wie erwartet eingegangen. Rund 7500 Personen ­– vorwiegend Norweger – werden erwartet.

Konventionelle Wege für die Geldbeschaffung

Es ist das erste Pfadilager der fünf Flawiler im Ausland. Sie werden dieses als Schweizer Delegation in Norwegen erleben. Norwegen ist eines der bevorzugten Länder der fünf Jugendlichen. Sie freuen sich deshalb nicht nur auf viele Begegnungen mit anderen Pfadern, sie freuen sich auch auf die Landschaft, auf die Tatsache, einmal nah am Polarkreis zu sein, auf die Fjorde und Höhlen, auf die Wanderung – sie freuen sich auf die besonderen Erlebnisse.

Am 30. Juni fliegen die fünf Pfader via Oslo nach Trondheim. Von dort geht’s mit einem Propellerflugzeug nach Bodø. Ihr Vorhaben ist allerdings nicht ganz billig. Rund 10000 Franken benötigen die Jugendlichen, um die Kosten decken zu können. Dafür haben sie von der eigenen Pfadi, die St. Laurentius Flawil, sowie von der Pfadi Landegg, die sich zwar aufgelöst hat, finanzielle Unterstützung bekommen. Das allerdings reicht noch nicht. So kreierten die fünf jungen Männer Ideen, um Geld zu beschaffen. Dies gelang ihnen mit drei Aktionen: Kuchenbacken, Autowaschen und Gärtnern. «Lukas bäckt feine Kuchen, also haben er und Fabio gebacken», erklärt Tim Holenstein. Holenstein und Janik Weibel brachten die Kuchenstücke unter die Leute, gingen von Haustüre zu Haustüre – und waren sehr erfolgreich. «Die Leute hatten Freude und wir einige schöne Erlebnisse sowie einen erfreulichen Ertrag», sagt Holenstein. Auch die Autowaschaktion in der Feld-Garage brachte ihnen einen schönen Erlös ein. Zudem verrichten sie Gartenarbeiten, bei Personen, die auf sie aufmerksam wurden. Und letztlich bieten sie an der Pfadi-Aufnahme wiederum Kuchen an – Marmorgugelhupf sowie Zitronen- und Schokoladencakes. Es fehle zwar noch etwas, aber sie seien zuversichtlich, dass sie das Geld zusammenbringen, sagen sie.

Via Finnland und Schaff-hausen nach Flawil

Bald starten sie ihre Reise. Auf dem Lagerplatz angekommen, werden sie ihre Zelte aufbauen und dann an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Bedingung dafür ist, dass sie ihr Hemd und ihre eigene Pfadikrawatte tragen. Während des Lagers haben sie einige wenige Verpflichtungen. Sie müssen in der Küche mithelfen und sind im Bereich Kommunikation eingeteilt. Beim Erzählen lachen sie, zucken die Schultern und sagen: «Norwegisch können wir nicht. Es wird schon mit Englisch schwierig.» Aber irgendwie werden sie es wohl schaffen, so, wie sie bislang alles geschafft haben, um nach Norwegen reisen zu können.

Heimwärts geht es nicht direkt. Sie lassen sich eine Woche Zeit. «Das müssen wir einfach tun, wenn wir schon dort sind», sagt Holenstein. Deshalb haben sie ein Interrail-Ticket gelöst und fahren mit dem Zug via Oulu (Finnland) nach Helsinki, fliegen nach Stockholm und nehmen anschliessend wieder den Zug nach Kopenhagen. Von dort geht es per Bahn zurück in die Schweiz nach Schaffhausen, denn in Hallau verbringen ihre Pfadi-Kollegen ihr Sommerlager. Dort wollen die Fünf rechtzeitig zum Besuchstag anreisen.