SOLOPREMIERE: Der Bassist kann «söddere», aber auch lächeln

Die neue Saison beim Kulturpunkt Degersheim begann mit einem vollen Haus. «Der Bassimist» alias Daniel Ziegler gab hier sein Début als Musikkomiker und gleichzeitig einen Crashkurs in Musiktheorie.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Dani Ziegler eröffnete als «Bassimist» die neue Saison des Kulturpunkts in Degersheim. (Bild: Michael Hug)

Dani Ziegler eröffnete als «Bassimist» die neue Saison des Kulturpunkts in Degersheim. (Bild: Michael Hug)

Einer, der nicht mehr ganz unbekannt ist, wirft Schatten voraus. Dani Ziegler, einst Simon Enzlers «Sidekick» und Pausenclown («Die Intellenten») und in der selben Funktion auch von der im letzten Herbst eingestellten Satiresendung «Giaccobo/Müller» bekannt, versucht sich seit letztem Jahr als Solist mit einem abendfüllenden Programm. «Diese Welle muss ich nutzen» hat er in einem Interview im Mai letzten Jahres im «St. Galler Tagblatt» noch gesagt. Die «Welle», auf der er dank Unterstützung des nationalen Fernsehens surfte, möchte er gerne weiterreiten, schliesslich muss es nach «Giaccobo/Müller» (und einer guten Gage) auch eine Zukunft geben. Was lag also näher, als sich ein Soloprogramm auf den Leib zu schreiben, sich professionelle Hilfe aus der Szene zu holen und einen Manager zu engagieren?

Mit bekannten Namen funktioniert’s

Er hat lange vor dem Ende der TV-Sendung an seinem Programm «Der Bassimist» geschrieben, geprobt und gefeilt. Im Sommer 2016 war er dann bereit für die Premiere und am Freitagabend war der Herisauer (ex-Gaiser) nun auch in Degersheim. Den Mitgliedern der Programmgruppe des Kulturpunkt war der Stolz im Gesicht anzusehen. Mit einem «Star» die neue Kultursaison in Angriff zu nehmen war schon etwas Besonderes. Der Name Ziegler versprach ein volles Haus – und so war es denn auch. Selten genug verirren sich Zuschauende in grosser Zahl zu den Events der hiesigen Kleintheatermacher, aber mit einem bekannten Namen funktioniert’s halt eben doch am besten, auch wenn der etwas kostet.

«Södderi» mit aufgesetzter Schrulligkeit

Doch dieser bekannte Name muss sich erst mal bestätigen. Auf die Show des Bassisten war man also mehr als nur gespannt und ausserdem stand die Frage im Raum: Würde der Minuten-«Södderi» seine aufgesetzte Schrulligkeit tatsächlich 90 Minuten durchhalten? Er tat es, soviel sei gesagt. Er konnte sich auslassen über alles und die Welt, vor allem aber über die Outputs im Popbusiness, «diesem Brunz», der sich immerwiederkehrender Formeln bedient und damit auch noch Hits und viel Geld generiert. Mit einem Crashkurs in Musiktheorie führte er am Beispiel vor, wie alles gleich simpel aufgebaut ist und auch gleich tönt. Der studierte Jazzmusiker und Musiklehrer lehrte Groove, Harmonie und Akkorde und zuletzt auch noch Text. Doch Text, «dä chasch vergässä, bruucht’s nöd», in der Musik nicht und speziell nicht beim Jazz.

«Basismist» und wiederkehrender Scheiss

Der Jazz, sein Lieblingskind, dabei die Tonart Moll, bald einmal wurde man der ziemlich klaren Linie, die dieser Nörgelmusiker hat, gewahr. Alles ist so einfach im Pop, «Basismist» eigentlich, bei dem, was man so hört und gehört hat in den vergangenen Jahren, seit es den Pop gibt: Alles der selbe wiederkehrende Scheiss. Jawohl, sich deftig ausdrücken kann sich der Bassist, dabei unterscheidet er sich nicht von seinem Komikerkollegen und Kumpel damals am Gymi Appenzell, Simon Enzler. Doch in der Show, die Ziegler vorführt, hebt er sich ausser gelegentlichen Flüchen komplett vom Innerrhoder ab. Beide jedoch sezieren Beobachtetes, das Leben im Allgemeinen der eine, die Musik der andere. Bleibt zu hoffen, dass Dani Ziegler mit seinen Bassschülern in Herisau etwas gnädiger umgeht als mit der modernen Musik.

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch