«Solche Bilder bleiben für immer im Kopf»

Nun steht die Reise von Lucas Cadonau fest. Der Direktor des Sirnacher Circus Balloni zieht vom 18. bis zum 26. Februar in ein Flüchtlingscamp im türkischen Ort Mardin, 20 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Er erklärt, warum er dort Zirkus mit Flüchtlingskindern machen will.

Martin Rechsteiner
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Lucas Cadonau Direktor des Circus Balloni in Sirnach (Bild: pd)

Lucas Cadonau Direktor des Circus Balloni in Sirnach (Bild: pd)

Herr Cadonau, Ihr Reisetermin rückt näher, sind Sie nervös?

Lucas Cadonau: Ich würde eher sagen aufgeregt. Ich freue mich riesig. Obwohl es schon einen Grund gibt, etwas nervös zu sein. Ich werde sozusagen ins kalte Wasser geworfen. Wie viele Kinder mich auf einmal erwarten werden, weiss ich nicht. Vielleicht 100 oder 200? Wenn es dann heisst: «Mach mal Zirkus!» heisst es erst mal flexibel sein.

Sie wissen also noch nicht, was Sie tun werden mit den Kindern?

Cadonau: Doch, das schon. Ich werde mich um zwei verschiedene Gruppen von Kindern kümmern: In einer sind solche, die schon etwas Erfahrung als Artisten haben, vielleicht sogar eine Karriere in diesem Bereich anstreben. Mit ihnen werde ich Choreographien einstudieren und ihnen zeigen, wie sie Kunststücke richtig inszenieren.

Und in der anderen Gruppe?

Cadonau: In der zweiten, grossen Gruppe sind alle anderen Kinder. Dort geht es in erster Linie um die Unterhaltung und ums Spielen. Mit ihnen werde ich Clownspiele machen und ihnen Zaubertricks beibringen.

Haben Sie nun alles für Ihre Reise zusammen?

Cadonau: Die Kosten für meine Reise übernehme ich selbst. Aber ich will noch ein paar Clownkostüme für die Kinder mitbringen und etwas Geld für ein paar Kinder-Zvieri und die Bustransporte der Kinder vom Lager zum Zirkusplatz.

Also suchen Sie noch nach Unterstützung?

Cadonau: Spenden, auch in Form von alten Clownkostümen für Kinder sind herzlich willkommen. Im Gegenzug liefere ich Tagebuchberichte aus dem Flüchtlingslager. Wer interessiert ist und gerne spenden will, darf mir gerne mailen, mich anrufen oder Kostüme schicken.

Sie wirken ziemlich locker. Gibt es an der Reise aber auch etwas, wovor Sie Angst haben?

Cadonau: Nein, ich gehe ja in die Türkei – ein Ferienland. Dass das Camp nicht weit von der syrischen Grenze entfernt ist, macht für mich keinen Unterschied. Ich bin auch nicht der erste , der da hingeht und mit den Kindern Zirkus macht.

Aber Respekt vor gewissen Situationen haben Sie bestimmt…

Cadonau: Grossen Respekt habe ich vor dem möglichen Anblick kriegsversehrter Kinder im Flüchtlingslager. Ich hatte das einmal in Afrika erlebt. Solche Bilder bleiben einem für immer im Kopf. Ich werde dann aber einfach daran denken, wofür ich da bin: Um die Kinder von genau diesen Leiden abzulenken – für einen Moment zumindest.

Kontakt für Spenden: Circus Balloni GmbH Grünaustrasse 4 a/b 8370 Sirnach Telefon 071 966 66 16 info@circusballoni.ch

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