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Interview

Sokol Maliqi blickt im grossen Interview auf sein erstes Jahr als Trainer des
FC Uzwil zurück: «Ich zog die Schraube an»

Zu dieser Zeit vor einem Jahr hat Sokol Maliqi als Trainer des FC Uzwil begonnen. Der 37-Jährige erklärt, wie er sich beim Club aus der 2. Liga interregional weiterentwickelt hat, weshalb der Trainer nicht das schwächste Glied ist - und spricht über sein Vorbild.
Interview: Tim Frei
Sokol Maliqi hätte sich den Wechsel von Gossau ZH nach Uzwil nicht vorstellen können, wenn er bei den Zürchern keine stabile Mannschaft hinterlassen hätte: «Verbrannte Erde zu hinterlassen, ist nie gut». (Bild: Benjamin Manser)

Sokol Maliqi hätte sich den Wechsel von Gossau ZH nach Uzwil nicht vorstellen können, wenn er bei den Zürchern keine stabile Mannschaft hinterlassen hätte: «Verbrannte Erde zu hinterlassen, ist nie gut». (Bild: Benjamin Manser)

Sokol Maliqi, zehn Vereine als Spieler in 14 Jahren: Sie waren ein Wandervogel. Werden Sie nun sesshaft als Trainer?

Sie sprechen ein Thema an, das mir am Herzen liegt. Als Spieler hatte ich viele Trainer und Kollegen, aber für meine Karriere war das wenig förderlich. Das habe ich mir als Trainer vorgenommen: Meine Stationen selber aussuchen und erst dann den nächsten Schritt machen, wenn ich gute Arbeit hinterlassen habe. Mein Ziel ist es, sesshaft zu sein. Das zeigt auch mein Wohnortswechsel von Gossau ZH nach Wil. Den Wohnort wechselt man ja nicht einfach so.

Sie würden einen kriselnden Verein nicht verlassen?

Genau. Verbrannte Erde zu hinterlassen, ist nie gut. Das fällt auf einen zurück. Den Wechsel von Gossau ZH nach Uzwil auf die Rückrunde der Saison 2017/18 hätte ich mir nicht vorstellen können, wenn ich in Gossau keine stabile Mannschaft hinterlassen hätte. Und auch die Situation in Uzwil war vorteilhaft: Mit dem Abstieg hatte der Verein nichts mehr zu tun, gegen oben war sogar noch etwas möglich.

Im Sommer haben Sie den Vertrag bei Uzwil um zwei Jahre verlängert. Streben Sie also ein längerfristiges Engagement an?

Meine Absicht ist es, den Vertrag zu erfüllen. Zwischen dem Verein und mir passt es. Was danach kommt, weiss ich nicht. Einer der Gründe, zu diesem Verein wechseln, war sein grosses Potenzial – meiner Ansicht nach könnte er locker in der 1. Liga spielen, vielleicht sogar höher mit der Anlage und allem drum herum. Deshalb ja: Wenn es gut läuft, könnte es auch eine längere Geschichte werden.

Bei Misserfolg ist der Trainer oft das schwächste Glied und wird entlassen. Was halten Sie davon?

Ich glaube nicht, dass er das schwächste Glied ist. Der Trainer hat ein grosses Handlungsfeld. Man kann viel falsch machen und viel richtig. Natürlich, die Resultate spielen eine Rolle. Manchmal kann man eine gewisse Talfahrt nicht verhindern. Manchmal hat man einen unglaublichen Lauf und das Gefühl, man macht alles richtig – aber das ist oft auch nicht der Fall.

Ich finde, man muss die Arbeit eines Trainers längerfristig beurteilen, über mehrere Stationen.

Und dann gibt es einen wichtigen Faktor.

Welchen meinen Sie?

Es ist billiger, einen Trainer zu entlassen als eine ganze Mannschaft oder Teile davon. Das ist das, was das Business mit sich bringt. Aber ich glaube, ein Trainer kann sehr viel beeinflussen. Irgendwann geht es darum, ob er die Mannschaft noch erreicht oder nicht. Wenn man das verliert, ist es vorbei.

Die Saison des FC Uzwil verläuft schwieriger, als sich dies der Verein mit seinen Ambitionen vorgestellt hat. Weshalb taten Sie sich so schwer?

Zuerst zu den Ambitionen: Der Verein hat nie verlauten lassen, er müsse aufsteigen. Das ist von den Medien gekommen – wegen des guten Kaders und des Renommees von gewissen Spielern. Im Sommer hatten wir auf die neue Saison hin im Kader viele Veränderungen: Viele Spieler waren in den Ferien, einige verletzt, andere kamen aus dem Militär zurück, und dann gibt es noch diverse Ab- und Zugänge. Das veränderte das Teamgefüge, das sich zuerst wiederherstellen musste. Und dann kam früh in dieser Saison der Cup-Match gegen den FC Wil. Er war Fluch und Segen zugleich.

Inwiefern?

Es konzentrierte sich alles auf diese Partie. Die Meisterschaft war plötzlich nicht mehr so interessant für den Spieler. Dann sind wir etwas in eine Negativspirale geraten. Wir spielten in dieser Anfangsphase nicht unbedingt schlecht, aber wir haben das Heft ein bisschen leichtsinnig aus den Händen gegeben. Kommt dazu: Für jeden Gegner war Weihnachten, wenn er gegen FC Uzwil spielen durfte. Er trat voller Motivation und mit der bestmöglichsten Aufstellung gegen uns auf. Das ist das, was ich am stärksten mitgenommen habe:

In diese Rolle muss man zuerst hineinwachsen: als Verein, als Mannschaft, auch als Trainer.

Ich war es bisher nicht gewöhnt, einen Favoriten zu trainieren.

Was haben Sie sonst noch gelernt?

Es braucht eine gesunde Mischung im Kader – von Faktoren, die nicht so offensichtlich sind. Wir haben viele verdiente Spieler. Von diesen kann man nur noch profitieren; sie werden nicht mehr besser. Und sie haben wahrscheinlich auch nicht mehr den gleichen Hunger wie andere. Der andere grosse Teil des Kaders sind junge Spieler, die in der Entwicklung noch nicht so weit sind, dass sie diesen erfahrenen Spielern komplett das Wasser reichen können. Diese zwei Gruppen sind bei uns sehr ausgeprägt. Dazwischen ist die Gruppe der eigentlichen Leistungsträger, Spieler mit gutem Leistungsniveau aber auch noch viel Potenzial. Von diesen Spielertypen haben wir zu wenige.

Der Erfolg des Trainers ist auch davon abhängig, ob er von den Spielern als Autoritätsperson wahrgenommen wird. Gelang Ihnen dies?

Am Anfang nicht vollumfänglich. Ich hatte Mühe, den Respekt abzulegen bei den arrivierten Spielern. Ich vergleiche es mit einem Captain auf einem Schiff. Dieser steuert auch nicht gleich bei Sturm wie bei schönem Wetter.

Konkret?

In der Rückrunde ist vieles von Anfang an sehr gut gelaufen. Ich sah aber Dinge, die mir nicht gefielen – etwa den Teamgeist, den ich mir noch ausgeprägter vorstellte.

Ich wollte den positiven Fluss aber nicht unterbrechen und nicht unnötig Kritik hereinbringen.

Als die Resultate dann ausblieben, zog ich die Schraube an und führte mehr mit Autorität. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn ich dies von Anfang an so getan hätte – mit dem Ziel, dass sich das längerfristig auswirken würde. Das werfe ich mir im Nachhinein vor. Nächstes Mal werde ich schon zu Beginn so führen. Jeder Verein ist ja anders, deshalb testen Spieler immer, wie weit sie gehen können. Als junger Trainer, der früher mit einigen Spielern zusammenspielte – wie etwa mit Kristian Nushi – musste ich mir den Respekt zuerst erarbeiten.

Wie verschafft sich ein Trainer Respekt?

Indem man den Job in Griff hat. Dies ist der Fall, wenn die Spieler merken, der Trainer ist für die Spiele und Trainings gut vorbereitet, hat sich etwas dabei gedacht, führt gute Gespräche und Sitzungen. Genauso wichtig ist es, harte Entscheide zu treffen, wenn es sein muss.

Haben Sie einen Trainer als Vorbild?

Alex Ferguson, dessen Biografie ich gelesen habe. Mich beeindruckt, was er aus Manchester United machte. Wie es ihm in den 27 Jahren immer wieder gelang, eine neue Ära zu prägen. Er ist mit seinen Teams in der Tabelle nie abgestürzt, ausser in der ersten Saison. Ferguson war mit dem Ziel gestartet, Liverpool als Rekordmeister zu überholen, was er erreichte. Er hat viele Methoden, mit denen ich mich identifizieren kann – etwa was die Taktik und Führung betrifft. Ich möchte aber einen eigenen Stil entwickeln.

Fünfte Trainerstation

Sokol Maliqi, schweizerisch-kosovoalbanischer Doppelbürger, ist seit Januar 2018 Trainer des FC Uzwil. Das ist seine erste Trainerstation in der 2. Liga interregional. Zuvor leitete der heute 37-Jährige Teams aus der
2. Liga regional. Von Juni 2016 bis Ende 2017 war Maliqi Trainer von Gossau ZH. Davor trainierte er Dübendorf und Schwamendingen. Seine Trainerlaufbahn begann 2009 in der höchsten Liga Zyperns. Einen Monat leitete der damals 28-Jährige APEP Pitsilia als Spielertrainer. Mit Erfolg: Vor seinem Engagement war der Verein mehr als ein halbes Dutzend Spiele sieglos geblieben, mit ihm als Trainer gewann der Club drei Partien und spielte einmal unentschieden. (tm)

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