Social Media
Stadt Wil lanciert Instagram-Auftritt neu – und will unter anderem Junge an die Politik heranführen

Facebook, LinkedIn, für kurze Zeit Whatsapp und jetzt Instagram: Die Stadt Wil ist in den sozialen Medien sehr aktiv. Pionier ist allerdings Eschlikon. Der digitale Dorfplatz der Gemeinde auf der Plattform Crossiety ist sehr gut etabliert.

Larissa Flammer
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Die Instagramseite der Stadt Wil.

Die Instagramseite der Stadt Wil.

Bild: Larissa Flammer

Ein Plauschkanal wird es nicht. Die Stadt Wil nimmt Instagram ernst. «Wir teilen nicht einfach schöne Touristenföteli von Wil – zumindest nicht nur», sagt Philipp Gemperle, Leiter der Fachstelle Kommunikation der Stadt. Allgemein wird Instagram vor allem für das Teilen von Ferienfotos und Selfies genutzt. Die Stadt Wil will mehr, wie sie diese Woche in ihrem ersten Post bekanntmacht.

Ganz neu ist der Auftritt jedoch nicht. Das Profil der Stadt Wil wurde 2018 eingerichtet, als sie Gastgemeinde am St.Galler Fest war. «Vor allem für einen Fotowettbewerb», sagt Gemperle.

«Es war aber von Anfang an geplant, den Kanal danach nicht mehr aktiv zu bewirtschaften.»
Philipp Gemperle.

Philipp Gemperle.

Bild: PD

Bis jetzt. Auch weil der Account der Stadt immer wieder in Beiträgen von anderen Nutzern erwähnt wurde, sei man zum Schluss gekommen, dass es eine gute Sache wäre, Instagram regelmässig zu bedienen. Der neue Stadtpräsident Hans Mäder unterstützt dies sehr, sagt Gemperle. Man habe die Kommunikation der Stadt zu Beginn der Amtszeit thematisiert.

Auf Instagram wird geduzt

Aber was will man auf Instagram erreichen? «Für Junge von Jungen», heisst es im ersten Beitrag. «Wir haben gemerkt, dass wir auf den bisherigen Informationskanälen die junge Zielgruppe zu wenig abgeholt haben», sagt Gemperle. Auf der Fotoplattform sollen also Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen werden, die Stadt Wil duzt die Follower dementsprechend. Die Inhalte sollen auch bildenden Charakter haben. Der Kommunikationschef sagt:

«Wir wollen zum Beispiel Junge an die Politik heranführen, indem wir beschreiben, wie das politische System in Wil funktioniert.»

Bespielt wird der Instagram-Auftritt vom Team der Fachstelle Kommunikation sowie von Lernenden der Stadt.

Der Newsletter auf Whatsapp musste gestoppt werden

Wil ist bereits sehr aktiv auf dem eigenen Facebook-Profil. Dieses wurde vor etwa zweieinhalb Jahren eingerichtet. Geteilt werden sowohl News aus der Verwaltung und der Politik als auch Fotos von den ersten Arbeitstagen des Stadtpräsidenten.

Immer wieder tritt die Stadt auf Facebook auch in Dialog mit den Bürgern, etwa wenn in Kommentaren Fragen gestellt oder Direktnachrichten geschrieben werden. Auf Twitter gibt es zwar Profile der Stadt Wil und von Wil Tourismus, welche die Stadtverwaltung selber angelegt hat, wie Gemperle bestätigt. «Wir sind dort aber nicht aktiv – aus Ressourcengründen.» Die Profile gibt es, damit andere Nutzer die Stadt in ihren Tweets erwähnen können, die Fachstelle Kommunikation schaut die Erwähnungen an.

Vor zwei Jahren ging Wil digital ganz neue Wege, indem die Stadt einen News-Versand via Whatsapp lancierte. Gemperle sagt:

«Darauf mussten wir schweren Herzens wieder verzichten.»

Denn Whatsapp hat die Nutzungsbedingungen geändert, es dürfen keine Nachrichten mehr an 100 oder 200 Personen gleichzeitig verschickt werden.

Präsent ist die Stadt Wil zudem auf LinkedIn, wo sie sich vor allem als Arbeitgeberin präsentiert und mit dem Gewerbe vernetzt ist. Es ist aber nicht alles digital. «Gut 1000 Personen haben den Printservice abonniert», sagt der Leiter Kommunikation. Sie erhalten die zusammengefassten Mitteilungen der Stadt in Papierform.

Uzwil: Hohe Ansprüche an die Kommunikation

Die meisten Gemeinden halten sich in den sozialen Medien zurück. Thomas Stricker, Verwaltungsleiter der Gemeinde Uzwil, sagt: «Wir haben relativ hohe Ansprüche an unsere Kommunikation.» Die Gemeinde würde zusätzliche Ressourcen benötigen, wenn sie diese auf soziale Medien übertragen wollte. Stricker sagt: «Wir wurden auch noch nie angefragt, warum wir nicht auf Social Media sind.»

Pionierin ist die Gemeinde Eschlikon

Bereits seit einigen Jahren ist die Gemeinde Eschlikon auf Facebook präsent. Die frühere politische Heimat des neuen Wiler Stadtpräsidenten, Hans Mäder, war eine der ersten Gemeinden der Region, die sich die Plattform zunutze machte. Heute kommunizieren dort hauptsächlich noch die Feuerwehr und die Bibliothek Eschlikon.

Die Gemeindeverwaltung hat vor zweieinhalb Jahren als Pionierin den Schritt auf eine neue Social-Media-Plattform gemacht: Crossiety. Dort kann eine Gemeinde auf einem digitalen Dorfplatz Nachrichten veröffentlichen, Nutzer können miteinander chatten, auf einem Marktplatz werden Angebote und Nachfragen gepostet und in öffentlichen oder privaten Gruppen können sich Vereine organisieren.

Mehrere hundert Nutzer aus Eschlikon sind mittlerweile dort aktiv, sagt der Gemeindepräsident ad interim, Bernhard Braun:

«Es hat sich sehr gut etabliert.»
Bernhard Braun.

Bernhard Braun.

Bild: PD

Offiziell läuft noch der Versuchsbetrieb, doch Braun ist sich sicher, dass die Gemeinde die Präsenz auf Crossiety fortführen wird. Die Kommunikation über den digitalen Dorfplatz zeigt Wirkung, wie Braun schildert: Als im Januar viel Schnee lag, habe er geschrieben, dass die Abfallentsorgung Mühe habe, die Container am Strassenrand zu erreichen. «Auf dem Nachhauseweg habe ich gesehen, wie mehrere Personen einen Pfad zu ihrem Container freischaufelten.»

Moderieren muss die Gemeinde auf Crossiety nicht. Mitteilungen, die weiterhin auch an die Medien verschickt werden, können auf der Plattform einfach zweitverwertet werden. Der Aufwand hält sich daher in Grenzen. Ein weiterer Vorteil gemäss Braun:

«Die Daten der Nutzer bleiben in der Schweiz.»