So wirkt sich die Coronavirus-Krise auf den Amateurfussball im Toggenburg und Fürstenland aus

Wie halten sich die Spieler der regionalen Clubs fit? Was käme auf die Vereine zu, würde die Meisterschaft wiederaufgenommen? 

Tim Frei und Beat Lanzendorfer
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Die Fussballplätze der Region wie der Sportplatz Ifang in Bazenheid sind gesperrt. Dies nachdem der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» ausgerufen hat.

Die Fussballplätze der Region wie der Sportplatz Ifang in Bazenheid sind gesperrt. Dies nachdem der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» ausgerufen hat.

Beat Lanzendorfer

Der Fussball steht still. Nachdem der Bundesrat vor über einer Woche die «ausserordentliche Lage» ausgerufen und Freizeitbetriebe wie Sportzentren bis mindestens 19. April geschlossen hat, sind auch Trainings auf den Plätzen bis auf Weiteres verboten. Bereits zuvor hatte der Schweizerische Fussballverband (SFV) entschieden, den Spielbetrieb aller Ligen bis Ende April einzustellen.

Auch die Sportanlage Breite in Bütschwil darf nicht benutzt werden.

Auch die Sportanlage Breite in Bütschwil darf nicht benutzt werden.

Beat Lanzendorfer

Für die lokalen Amateurvereine stellt sich nun die Frage: Wie halten sich die Spieler fit? Mittelfristig geht es darum, was auf die Clubs bei einer Wiederaufnahme der Meisterschaft zukäme. Diese Zeitung hat sechs regionale Vereine befragt: Uzwil, Wil U20, Sirnach, Bazenheid, Wattwil Bunt und Neckertal-Degersheim.

Spieler der meisten Vereine erhalten einen Trainingsplan

Patric Porchet, Trainer FC Wattwil Bunt.

Patric Porchet, Trainer FC Wattwil Bunt.

Beat Lanzendorfer

Die Vereine haben Verständnis für die Massnahmen des Bundesrats und die Anweisungen des Verbands. Schliesslich gehe die Gesundheit vor, so der Tenor. «Doch wir haben uns alle auf eine spannende Rückrunde gefreut», sagt Patric Porchet, der zusammen mit Jan Rüeger das Trainerduo beim FC Wattwil Bunt bildet.

Damit sich die Spieler dennoch fit halten können, haben die meisten Clubs einen Trainingsplan zusammengestellt. «Das war aber gar nicht so einfach. Schliesslich sind Einheiten in der Gruppe wegen des Social Distancing gar nicht möglich», sagt Armando Müller, Sportchef des FC Uzwil. Die Spieler der drei Teams aus der 2. Liga interregional – Bazenheid, Uzwil und Wil U20 – haben Pläne erhalten. Bei Wil besteht das Programm zum Beispiel aus Ausdauerläufen, Jonglieren mit dem Ball, Bauchmuskel- und Stabilisationsübungen.

Sirnach-Trainer: «Die meisten Spieler befolgen die Pläne nicht»

Wattwil Bunt geht ähnlich vor. «Da niemand voraussagen kann, wann die Rückrunde beginnen soll, werden wir den Spielern ab dieser Woche einen Trainingsplan mit Kraftübungen und Laufeinheiten zusammenstellen», sagt Porchet.

Sawwas Exouzidis, Trainer FC Sirnach.

Sawwas Exouzidis, Trainer FC Sirnach. 

Mario Gaccioli

Beim FC Sirnach, Wattwils Konkurrent in der 2. Liga regional, gibt es keinen Trainingsplan. Für Coach Sawwas Exouzidis sind solche im Amateurbereich nicht sinnvoll: «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Spieler die Pläne nicht befolgen.» Es sei eine Frage des Typs. «Wer nichts von sich aus macht, bei dem ändert auch ein Blatt Papier nichts.»

Trainer appellieren an die Eigenverantwortung

Beim 3.-Liga-Team des FC Neckertal-Degersheim seien die Spieler in der Pflicht, sich während dieser Zeit im Rahmen der Möglichkeiten fit zu halten, sagt Trainer Markus Danuser: «Das ist aber schwierig, da zu Hause nicht alle dieselben Möglichkeiten haben und viel Eigeninitiative gefordert ist.»

Fabinho, Trainer FC Wil U20.

Fabinho, Trainer FC Wil U20.

PD

Ähnlich sieht es Fabinho, der Trainer der Wiler U20: «Ich bin zwar regelmässig mit den Spielern in Kontakt. Aber wir können nicht überprüfen, wie gut sie das Programm einhalten. Wir müssen auf ihre Selbstkontrolle setzen.» Es sei auch unklar, wie lange die Spieler motiviert seien. Das grösste Problem sieht er darin, dass man keine Einheiten im Team durchführen kann.

«Im Individualtraining fehlt die Konkurrenz, die Spieler wissen überhaupt nicht, wo sie stehen.»

Wird überhaupt noch gespielt? Der Verband ist skeptisch

Der Fussball gehört zu den wenigen Sportarten in der Schweiz, deren Meisterschaften noch nicht abgebrochen wurden. Ob diese Saison aber noch gespielt wird, ist fraglich. SFV-Generalsekretär Robert Breiter ist skeptisch. In der NZZ sagte er:

«Wird der Unterbruch schon nur in den Mai verlängert, ist kaum mehr etwas möglich.»
Armando Müller, Sportchef FC Uzwil.

Armando Müller, Sportchef FC Uzwil. 

PD

Es bleibt die Ungewissheit – nicht nur, aber vor allem für die Vereine. Beim FC Uzwil sind in den kommenden Wochen Gespräche für beide Szenarien geplant – den Abbruch und die Fortsetzung der Meisterschaft. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie der Bundesrat und der Verband entscheiden», sagt Müller.

Ein «Mammutprogramm» wäre unumgänglich

Sollte doch noch gespielt werden, würden die Amateurclubs vor grossen Herausforderungen stehen. Statt in zweieinhalb bis drei Monaten müsste die Rückrunde in sechs Wochen über die Bühne gehen. «Das wäre für alle Teams, Spieler und Schiedsrichter ein Mammutprogramm – auch das Verletzungsrisiko würde zunehmen», so Trainer Danuser.

Markus Danuser, Trainer FC Neckertal-Degersheim.

Markus Danuser, Trainer FC Neckertal-Degersheim.

PD

Klar ist: Spiele unter der Woche wären unumgänglich. Was bei den Profis kein Problem ist, wäre im Amateurbereich schwer umsetzbar. Schliesslich arbeiten Spieler und Schiedsrichter oder sind in einer Ausbildung. Für die Teams aus der 2. Liga interregional kommt hinzu, dass Auswärtsspiele mit langen Reisen unter der Woche nicht zu vermeiden wären – zum Beispiel nach Lugano. Zudem ist offen, ob die Clubs genügend Plätze haben, um den Spiel- und Trainingsbetrieb aller Teams zu gewährleisten, also auch für Frauen- und Nachwuchsequipen.

Das sind viele offene Fragen, die einen Rückrundenstart bei den Amateuren und im Nachwuchs eher unwahrscheinlich machen. Eine Ansicht, die viele Clubvertreter teilen. Fabinho sagt: «Ich hoffe, dass die Meisterschaft abgebrochen wird. Es ist auch eine Frage der Fairness, denn wegen des Individualtrainings wären die Teams wohl auf unterschiedlichem Niveau.»

Clubs hoffen auf Durchführung der Grümpelturniere

Danny Lüthi, Präsident FC Bazenheid.

Danny Lüthi, Präsident FC Bazenheid.

Beat Lanzendorfer

Es stellt sich auch die Frage, wie das Coronavirus Vereinsanlässe und damit wichtige Einnahmequellen beeinflusst. Beim FC Bazenheid sind die Elternabende im Juniorenbereich laut Präsident Danny Lüthi auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch die Supporter seien auf der Suche nach einem neuen Datum für die Hauptversammlung, die jeweils im April stattfindet. Alle weiteren Anlässe würden gemäss jetzigem Wissensstand stattfinden.

Sollte die Krise aber anhalten, könnte es eng für das Grümpeli im Juni werden. «Wir warten im Moment ab und beurteilen die Situation laufend», sagt OK-Präsident Thomas Burri. Sie würden aber davon ausgehen, dass sie in ein paar Monaten Klarheit über den Verlauf der Sommermonate hätten, um dann die richtige Entscheidung zu treffen.

«Sind auf Solidarität angewiesen»

Jan Rüeger, Trainer FC Wattwil Bunt.

Jan Rüeger, Trainer FC Wattwil Bunt.

Beat Lanzendorfer

Beim FC Wattwil Bunt hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das Grümpeltunier im Juni durchzuführen, sagt Rüeger: «Schliesslich gehört es zu den wichtigen Einnahmequellen des Vereins. Die beiden Junioren-Hallenturniere mussten wir leider absagen, was zu erheblichen Einnahmeverlusten führte.»

Die Vereine werden an vielen Stellen gefordert sein. Deshalb gilt Müllers Überzeugung umso mehr für alle Clubs: «Wir sind darauf angewiesen, eine grosse Solidarität zu spüren.»