So wenig Fische wie noch nie

Am Samstag hat der Vorstand des Fischereivereins Thur im Hotel-Restaurant Toggenburgerhof in Kirchberg auf das vergangene Vereinsjahr geblickt. Die Fangstatistik zeigt, dass 2010 so wenig Fische wie noch nie gefangen wurden. Besonders alarmierend sind die Zahlen bei dem Edelfisch Äsche.

Matthias Giger
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In diesen Betonbecken beim Kraftwerk Mühlau will der Fischereiverein Thur Fische zur Gewinnung von Laich hältern. In den zwei für die Äschen reservierten Becken generiert eine Öffnung die Strömung. (Bild: pd.)

In diesen Betonbecken beim Kraftwerk Mühlau will der Fischereiverein Thur Fische zur Gewinnung von Laich hältern. In den zwei für die Äschen reservierten Becken generiert eine Öffnung die Strömung. (Bild: pd.)

Kirchberg. Auf der Pachtstrecke des Fischereivereins Thur sind in der vergangenen Saison so wenig Forellen gefangen worden wie noch nie. 2001 waren es 7060 Bachforellen, 2009 noch 3306 und in der vergangenen Saison 2405 Bachforellen, die auf den 40,5 Kilometern zwischen Ulisbach und der Kantonsgrenze entnommen werden konnten. Woran dies liegt, das weiss der Vorstand des Fischereivereins nicht genau. Hans Hofstetter, Obmann der Fischfang-Statistik, hofft, dass der tiefe Fangertrag vor allem auf die vielen verregneten Tage und Wochen zurückzuführen ist.

Weit weniger Äschen gefangen

Grund zur Sorge ist gemäss Gewässerbewirtschafter Fabian Sternig vor allem, dass aufgrund der Statistik insgesamt nur drei Äschen gefangen wurden, die über dem Schonmass von 35 Zentimetern lagen. Im Vorjahr waren es immerhin noch 31, also zehnmal mehr Äschen, die der Pachtstrecke entnommen werden konnten. 2001 hatten die Mitglieder des Fischereivereins Thur noch 283 Äschen gefangen, obwohl damals eine Äsche mindestens 40 Zentimeter messen musste, damit sie entnommen werden durfte. Der Kanton passte das Schonmass 2003 auf 35 Zentimeter an. Fabian Sternig bat die Vereinsmitglieder daher, vorläufig nicht mehr gezielt auf Äschen zu fischen.

Der Club Pro Äsche, der dem Fischereiverein Thur nahesteht, setzt sich für die Förderung und Pflege des Äschenbestandes ein. Er hofft, dass mit der Hälteranlage beim Kraftwerk Mühlau (siehe Stichwort) dem Rückgang der Thuräsche durch gezielte Nachzucht entgegengewirkt werden kann. In ihrem Jahresbericht halten die Gewässerbewirtschafter Steffen Clajus und Fabian Sternig fest: «Bis die gesammelten Äschen-Brütlinge die Geschlechtsreife erreichen, dauert es im Minimum vier bis fünf Jahre.» Auch steht noch kein genauer Termin für die Inbetriebnahme der Hälteranlage in Bazenheid fest.

Am 7. Mai findet beim Kraftwerk Mühlau ein Tag der offenen Türe statt, an dem sich nebst der Wasserkraftwerk-Betreiberin, der Energie Kirchberg AG, auch der Vogelschutz und der Fischereiverein Thur präsentieren. Fischereivereins-Präsident Patrick Gloudie betonte in seinem Jahresbericht die Einzigartigkeit des Projektes: «Einmalig ist nicht die Anlage, sondern die Zusammenarbeit mit Kraftwerkbetreibern und dem Vogelschutz. Sonst liegen sich die Energielobby, der Vogelschutz und die Fischer immer ein wenig in den Haaren.»

Die Kraftwerkbetreiberin hat sich auch finanziell mit über 50 000 Franken massgeblich an dem Bau der Hälteranlage beteiligt. Den Löwenanteil der 385 000 Franken steuert das Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen bei. 130 000 Franken hat das Amt dem Fischereiverein Thur letztes Jahr überwiesen. 60 000 Franken sollen noch folgen. Auch sind Spenden von Mitgliedern, vom Club Äsche und vom 111er-Club eingegangen. Der restliche Betrag geht zu Lasten des Vereinsvermögens. «Dank den grosszügigen Spenden hat sich der Fischereiverein Thur dieses Jahr keinen Verlust eingefahren», betonte Kassier Ueli Kuhn.

Der Fischereiverein Thur zählt in der kommenden Saison unterm Strich 23 Mitglieder weniger. Den einstimmig aufgenommenen 18 Neumitgliedern stehen 34 Rücktritte, zwei Verstorbene und fünf Ausschlüsse entgegen.

Bei einer Vergiftung?

In der Allgemeinen Umfrage fragte ein Mitglied, was mit den Fischen in der Hälteranlage beim Kraftwerk Mühlau passiere, wenn es in der Thur zu einer Vergiftung komme. Präsident Patrick Gloudie sagte, dass dann auch die Fische in der Hälteranlage in Mitleidenschaft gezogen werden könnten, da es zu aufwendig wäre, die Becken mit Fremdwasser zu versorgen.

Ein anderes Mitglied fragte, ob die Schonstrecke zeitlich beschränkt sei oder nicht. Roland Riederer, Bereichsleiter Lebensraumschutz beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei antwortete, dass die Schonstrecke für die gesamte Pachtperiode gilt. Ob sie als Schonstrecke beibehalten wird, werde damit frühestens 2016 wieder diskutiert. Mit der Schonstrecke hat sich der Pachtzins für den Fischereiverein Thur reduziert.

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