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So warm war es in der Region Wil noch nie seit Messbeginn im Jahr 1864

Der Trend zur unaufhaltsam fortschreitenden Erwärmung beschleunigt sich. Diese Erwärmung begann vor rund 70 Jahren, in sehr moderatem Umfang, nahm dann aber eine immer steilere Kurve ein. So erwärmten sich die vergangenen 40 Jahre um 1,5 Grad.
Christoph Frauenfelder

Das Mittelmeerklima rückt immer näher und ist im Jahr 2018 erneut über die Alpen nach Norden geschwappt. Seit 1988 bis heute liegen sämtliche Jahrestemperaturmittel überdurchschnittlich hoch. Mit einem Jahresmittel von 10,9 Grad liegt das Jahr 2018 um 1,9 Grad über dem langjährigen Durchschnitt (1981-2010). Im Fürstenland überschritt das Quecksilber im hitzigen Sommer an zehn Tagen die 30-Grad-Marke – normal wären deren vier. Der Temperaturumfang reichte an der Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil im vergangenen Jahr von -12 Grad im Februar bis 34 Grad im Juli.
Die Heizgradziffer ergab 2018 lediglich 2884 Grad. Daraus resultiert als direkte Auswirkung eine deutlich günstigere Heizabrechnung.

Extreme Trockenperiode: Nur 60 Prozent erreicht

Im Sommer 2018 allgegenwärtig: Feuerverbotstafeln bei Wäldern wegen extremer Trockenheit. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Sommer 2018 allgegenwärtig: Feuerverbotstafeln bei Wäldern wegen extremer Trockenheit. (Bild: Hanspeter Schiess)

Parallel zum immer wärmeren Klima gehen die Niederschläge unaufhaltsam zurück. Von Februar bis Ende Jahr fielen die Niederschläge zu gering aus. April und November erreichten nicht einmal 20 Prozent des Sollwertes. Die Jahressumme ergab nur 76 Zentimeter Niederschlag, was lediglich 60 Prozent des langjährigen Durchschnitts ausmacht.
Geringfügig trockener war nur noch der Dürresommer 1949 mit 75 Zentimetern Niederschlag. Damals trockneten alle Brunnen und Quellen aus und die Trauben waren schon im August reif. Prekär wirkt sich ein Niederschlagsdefizit vor allem in der Vegetationsperiode des Sommerhalbjahres aus, wenn die Verdunstung aus dem Blattwerk besonders gross ist. Seit 2002 sind die Jahresniederschläge defizitär.

Gletscher drohen bis in 50 Jahren zu verschwinden

Am stärksten betroffen ist in Dürreperioden meist das Mittelland. Doch infolge der abwechslungsreichen landschaftlichen Gliederung der Schweiz treten kaum landesweit schwerwiegende Dürren auf. Zudem wird durch die in Hitzesommern verstärkt auftretende Schnee- und Gletscherschmelze in den Alpen zusätzliches Wasser produziert. Schmelzen die Gletscher weiter im selben Tempo ab, sind sie in 50 Jahren verschwunden. Damit würden Trockenperioden noch dramatischer ausfallen und die Erosion der Alpen beschleunigt.
Von April bis Oktober erhielten wir viel Sonnenschein. Der April reisst mit 150 Prozent der Norm weit nach oben aus. Da die Wintermonate aber mehrheitlich defizitär ausfielen, pendelte sich die Jahressumme bei einem kleinen Überschuss von 6 Prozent ein. Auch hier zeigt sich ein Trend zum Mittelmeerklima. Denn in den letzten 30 Jahren hat die jährliche Sonnenscheindauer um über 200 Stunden zugenommen.

Nur der Sturm Lothar war noch stärker

Nebst einer markanten Erwärmung und zunehmenden Trockenperioden, nehmen auch die Unwetter zu. Tornados in der warmen Jahreszeit gehören schon beinahe zur Tagesordnung. Aber es reicht schon ein heftiges Gewitter, um Sturmböen auszulösen. Im vergangenen Jahr war es jedoch ein Sturmtief, welches uns am 9. Dezember eine beachtliche Windspitze im Flachland von knapp 120 Kilometern pro Stunde in Niederuzwil brachte. Stärker war nur noch der Sturm Lothar im Dezember 1999 mit 133 Kilometer pro Stunde in Romanshorn.
Der Atlantik und das Nordmeer sind vom Hitzesommer her immer noch deutlich zu warm. Fliessen von Grönland und vom Eismeer her kalte Luftmassen Richtung Süden, treffen sie auf die warmen Wassermassen des Atlantiks und führen damit zur Bildung von Sturmtiefs mit hohen Windgeschwindigkeiten.

Jahrhundertwärme begünstigt die Quallen

Jede Klimaveränderung zeigt zwischendurch auch immer wieder Ausreisser in die entgegengesetzte Richtung. So jedenfalls lauten die Auswertung der Wissenschaftler, die im Grönlandeis Kernbohrungen durchführten und analysierten. Dass wir uns derzeit in einer Phase starker Erwärmung befinden, ist offensichtlich. Denn Januar, April und Dezember erreichten Wärmegrade wie seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. Und der Sommer dauerte weit über den Altweibersommer hinaus bis Ende September an. Der Bodensee erreichte im Sommer eine Temperatur von bis zu 26 Grad. Dies ermöglichte das Auftreten von Quallen und Muscheln, die üblicherweise in wärmere Gewässer gehören.

Der Autor ist Inhaber der Meteotop-Wetterstation in Niederuzwil.

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