So viel Ökostrom steckt in der Region Wil

Die Energiebranche ist im Umbruch: Der komplette Umstieg auf ökologische Stromgewinnung ist gefordert. Die Händler machen mit.

Dinah Hauser
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Energie der Sonne nutzen: Auch Stromproduzenten der Region Wil setzen auf Fotovoltaik-Anlagen. (Bild: Urs Jaudas)

Energie der Sonne nutzen: Auch Stromproduzenten der Region Wil setzen auf Fotovoltaik-Anlagen. (Bild: Urs Jaudas)

Elektrizität – das ist der Kraftstoff der modernen Welt. Nun setzen immer mehr Produzenten und Lieferanten des unsichtbaren Gutes auf erneuerbare Energien beim Energiemix. Nicht zuletzt auch, weil politische Entscheide, wie etwa das Pariser Abkommen oder die Ausrufung des Klimanotstands in Wil fordern, bis 2050 komplett umzustellen. Bereits jetzt preisen die Stromlieferanten ökologische Produkte an.

«In Sachen Ökologie sind wir gut aufgestellt», sagt Christoph Strassmann, Leiter Markt und Kunden der Technischen Betriebe Wil (TBW). Die TBW bedienen die Stadt inklusive Rossrüti und Teile von Bronschhofen mit Strom. Der Strommix besteht zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, zu rund 90 Prozent aus nationalem Wasserstrom, 1,7 Prozent stammen von den Wiler Solaranlagen und 1,8 Prozent entfallen auf den Strom aus der Abfallverwertungsanlage in Bazenheid. Rund 5 Prozent betreffen geförderten Strom; dieser wird vom Bund unterstützt und stammt aus erneuerbaren Quellen. «Atomstrom ist im Standardpaket nicht vorgesehen, kann aber auf Anfrage bestellt werden», sagt Christoph Strassmann. Diese Option sei vor allem für das Gewerbe und die Industrie vorgesehen.

Förderung der Solarmodule
auf Privatdächern

Wil setzt sich für Fotovoltaik ein. Also für Solarpanels, die aus Sonnenlicht Strom herstellen, genannt FV-Anlagen. «Die TBW bauen für rund 300000 Franken jährlich neue Anlagen. Dies entspricht etwa 150000 kWh oder der Dachfläche von 25 Einfamilienhäusern.» Dieser Vergleich sei aber mit Vorsicht zu geniessen, da die TBW für ihre Anlagen grosse Dächer sucht und eigentlich keine Einfamilienhäuser. Da die stadteigenen Dächer langsam bebaut sind, will die TBW künftig auch mit dem Gewerbe zusammenarbeiten.

Für den Bau einer privaten FV-Anlage können aus dem «Energiestadt»-Förderfonds bis zu 15000 Franken bezogen werden. «Wer sein eigenes Dach nicht mit FV-Anlagen versehen will oder kann, hat seit Oktober 2018 die Möglichkeit, sich am Bau der Anlage auf dem Dach der Eishalle Bergholz zu beteiligen und ein oder mehrere Solarmodule zu finanzieren», sagt Strassmann. Kostenpunkt: einmalig 250 bis 2500 Franken, je nach Grösse. Als Gegenleistung wird der produzierte Strom auf der Stromrechnung gutgeschrieben.

Auch Flawil bedient seine Bevölkerung mit Ökostrom. Das Standardprodukt für Haushalte besteht aus 90 Prozent Schweizer Wasserstrom, 5 Prozent lokal produziertem Sonnenstrom und 5 Prozent Flawiler ARA-Strom, welcher aus biogenen Abfällen in der Abwasserreinigungsanlage Flawil erzeugt wird. Wer sich für das etwas teurere Angebot entscheidet, bekommt sogar 100 Prozent Flawiler Strom. Die Technischen Betriebe Flawil (TBF) selbst betreiben acht FV-Anlagen. Flawil fördert die Produktion von Sonnenstrom, indem den Produzenten der doppelte Marktwert vergütet wird.

Zudem haben freie Kunden, welche viel Energie benötigen – dazu zählen etwa Industriebetriebe – die Möglichkeit, Kernenergie zu beziehen. Bisher konnten die Kunden überzeugt werden, eine ökologischere Variante vorzuziehen, schreiben die TBF auf Anfrage.

«FV-Anlagen sind
einfach zu realisieren»

Die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) versorgt mehrere Ortschaften und Gemeinden im Fürstenland. Dazu gehören etwa Degersheim, Jonschwil, Niederbüren, Niederhelfenschwil, Oberbüren, Oberuzwil, Uzwil und Zuzwil. Auch hier wird beim Standardpaket auf Schweizer Ökostrom gesetzt: 95 Prozent Wasserkraft und 5 Prozent FV-Strom. Optionen bestehen für reine Kernenergie oder mehr erneuerbare Energien, gewonnen durch FV, Biomasse und Wind.

Das Fürstenland zählt rund 400 stromproduzierende Anlagen, das gesamte Versorgungsgebiet der SAK gar 2000. Davon betreibt die Firma 26 FV-Anlagen, 7 Wasserkraftwerke plus 3 Beteiligungen und 4 Biomasse-Anlagen selbst. Dabei macht der Wasserstrom rund 15 Prozent des gehandelten Stroms aus, Biomasse 2 Prozent und FV 0,5 Prozent. Förderung der ökologischen Stromproduktion betreibt die SAK konkret in der Beratung und Realisation von FV-Anlagen für Kunden. Auch hier steht also die Sonnenenergie im Fokus. Mediensprecher Roman Griesser sagt: «FV-Anlagen sind viel kleiner als andere Anlagentypen und viel einfacher zu realisieren.»