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So nah wie möglich an der Fiktion

Ramona Wirth aus Rickenbach hilft bei der Herstellung von Kostümen und Requisiten, die für den Verkleidungstrend Cosplay verwendet werden. Dabei stehen nicht nur Näharbeiten auf dem Programm.
Kristian Filipovic
Ramona Wirth im Cosplay vom Charakter Tokugawa Sen. (Bild: pd)

Ramona Wirth im Cosplay vom Charakter Tokugawa Sen. (Bild: pd)

RICKENBACH. In Ramona Wirths Wohnung in Rickenbach rattert die Nähmaschine. In der Luft liegt der Geruch von frischer Sprühdosenfarbe. In einem Zimmer sind verschiedene Stoffe in unterschiedlichen Farben zu finden. Ausserdem sind überall Requisiten, die aus einem Filmset stammen könnten. Klänge epischer Musik verbreiten eine kreative Atmosphäre. An der Wand hängende Preisdiplome geben einen Hinweis darauf, an was in der Wohnung gearbeitet wird, nämlich an Cosplays (siehe Kasten). Doch Ramona Wirth arbeitet nicht nur an ihrem nächsten Kostüm. Zusätzlich hilft sie anderen Cosplayern und gibt ihnen Tips zu Schnittmustern und anderen Sachen.

Mehr als nur Kostüme

Sechs Jahre ist es her, seitdem Ramona Wirth ihr erstes Cosplay fertiggestellt hat. «Mit einer Kollegin besuchte ich ein Treffen in Winterthur. Bis dahin wusste ich nicht, was Cosplays sind. Ich war aber sofort begeistert davon und beschloss, selbst damit anzufangen», erzählt die Rickenbacherin. Von Kostüm zu Kostüm habe sie sich immer mehr Wissen angeeignet.

Nebst dem vielen Nähen braucht es für ein Cosplay noch verschiedenste andere Fähigkeiten. Auch ein innovatives Denken ist wichtig, um die Ideen umsetzen zu können. Für die Bühnendarstellung an der «Suisse Toy»-Messe in Bern brauchte Ramona Wirth einen selbstgebastelten Käfer als Requisit. Dieser muss sich bewegen können. Der Cosplayerin kam die Idee, ein ferngesteuertes Spielzeugauto im Innern des Käfers zu montieren. Denn Cosplay ist mehr als nur das Herstellen und Tragen von Kostümen. Bei Wettbewerben ist eine prägende Bühnendarstellung das Entscheidende. So lernte Ramona Wirth für einen Auftritt das Instrument Okarina spielen.

Über 100 Stunden

Den Charakter, den Ramona Wirth nun darstellt, ist Nausicaä aus dem gleichnamigen Anime-Film. «Ich wähle nur Charaktere aus, die mir wichtig sind und zu denen ich irgendeine Verbindung habe. Es gibt Leute, denen ist das völlig egal und sie richten sich lediglich nach dem Trend.» Das Lieblingskostüm von Ramona Wirth ist jenes der Figur Midna aus dem Videospiel «The Legend of Zelda». «Doch auch bei diesem Cosplay denke ich daran, wie ich es noch verbessern könnte. Ich bin halt schon ein bisschen eine Perfektionistin», sagt sie mit einem Lächeln. In ihr erstes Cosplay hat sie zehn Stunden investiert. Beim aktuellen sind es über 100. «Ich suche mir immer neue Herausforderungen und will immer etwas Schwierigeres machen als beim vorherigen Mal. Ich stelle mir dabei die Frage, wie ich es schaffen kann, das Kostüm so hinzubekommen, wie es vom Macher der Figur gedacht ist.»

Das Wissen teilen

Ramona Wirth hat sich ihr Wissen zur Cosplay-Herstellung weitgehend selbst angeeignet. Nun möchte sie dieses mit anderen teilen und veranstaltet eine «Helpbox», die für ihre Kollegen und Mitglieder einer Cosplay-Gruppe gedacht ist. «Viele junge Menschen, die beginnen Cosplays zu machen, sind sich unsicher. Dass kann ich auch verstehen. Darum ist es gut, wenn ihnen jemand hilft. Und ich mache es gerne, weil ich es ein sehr kreatives Hobby finde, welches einen vieles lernen lässt, wie zum Beispiel gut zu planen», sagt Ramona Wirth. Die Helpbox fände aber sehr unregelmässig statt und werde auch unterschiedlich stark besucht.

Ein Gast aus Biel

Vor kurzem war Céline Wilhelm aus Biel in Rickenbach zu Gast. Ramona Wirth, die von Beruf Lehrerin ist, gibt ihr Tips für Näharbeiten. Nein, sie sei keine Handarbeitslehrerin, sagt Ramona Wirth lächelnd. «Ich bin schon zum drittenmal hier bei der Helpbox. Das Schwierige an meinem momentanen Kostüm ist, dass ich es ohne Bildvorlage herstellen muss, denn die Figur, zu der ich ein Cosplay mache, ist aus einem Roman», sagt Céline Wilhelm. Ramona Wirth verfolgt mit der Helpbox keinen finanziellen Nutzen, denn für ihre Hilfe verlangt sie kein Geld. Bei ihr steht der Spass im Zentrum, wenn man nebst der Arbeit am Cosplay auch zusammen das Abendessen einnimmt, sich unterhält, Videospiele spielt oder einen Film schaut.

Ramona Wirth (r.) erklärt Céline Wilhelm Schnittmuster. (Bild: Kristian Filipovic)

Ramona Wirth (r.) erklärt Céline Wilhelm Schnittmuster. (Bild: Kristian Filipovic)

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