So ist das Zuhausebleiben für eine Wiler Primarschülerin

Wie alle Schülerinnen und Schüler muss auch die zehnjährige Annina Männchen zu Hause bleiben, statt in die Schule zu gehen. Für die «Wiler Zeitung» schildert sie, wie das ist.

Annina Männchen
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Etliche Schülerinnen und Schüler lernen derzeit mit den eigenen Eltern.

Etliche Schülerinnen und Schüler lernen derzeit mit den eigenen Eltern.

Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone

«Oh Mami, muess ich morn würkli i d’Schuel? Ich het jetzt lieber no e chli Wuchenend!» Das sage ich eigentlich jeden Sonntagabend. Doch plötzlich ist alles anders.

Ich sass am Freitag, 13. März, mit meiner Mutter im Auto. Dann kam im Radio, dass der Bund entschieden hat, dass alle Schulen geschlossen werden. Ich sagte zu meiner Mutter:

«Mami, würkli, ich cha nöd i d’Schuel... A das muess ich mi zerst gwöhne.»

Immer wieder darauf angesprochen

Tja, als wir dann bei unserem Ziel – einem Laden – waren, wurden wir sofort darauf angesprochen. Ich sagte immer: «Ich muss mich zuerst daran gewöhnen.»

Meine Mutter und ich redeten im Auto die ganze Zeit und ich sagte immer wieder: «Ich kann es nicht glauben.» Nach ein paar Stunden hatte es sich gesetzt. Ich war ein paar Fragen weiter.

«Mami, was mache ich bloss in dieser langen Zeit?»

Doch so war es. Am Samstag kam dann endlich ein Schreiben an die Eltern. Gross und dick stand oben: «Schulen der Stadt Wil ab Montag, 16. März, bis 3. April 2020 geschlossen.» Ich wunderte mich, dass meine Eltern überhaupt noch arbeiten dürfen.

Onkel muss Salon schliessen

Am Montag war auch das anders. Mein Onkel, der einen Coiffeur-Salon hat, musste um Mitternacht schliessen. Meine Mutter, die im Backoffice arbeitet, war dadurch völlig im Stress. Für mich war das nicht doof, weil ich dann noch lange bei meiner Freundin bleiben durfte.

Am Montag kam auch endlich die Nachricht, dass ich mein Schulzeug holen kann. Ich freute mich eigentlich, Aufgaben erledigen zu können und eine Lehrerin wieder zu sehen. Ich hatte natürlich nicht ahnen können, dass ich 18 Dinge schleppen musste.

Zahnarzt nur noch in Schutzkleidung

Mein Vater behandelt seit Dienstag als Kieferorthopäde nur noch Notfälle, ab jetzt in Schutzkleidung.

Am Donnerstag bekam ich Aufnahmen von einer Geschichte, die unsere Lehrerinnen immer in der Klasse vorlasen. Jetzt konnte ich mir die MP3-Aufnahmen zu Hause anhören. Ich hörte mir die MP3-Aufnahmen gerne an, denn es wurde langsam langweilig.

Ein bisschen Schule fände ich jetzt ganz okay...

Die zehnjährige Annina Männchen besucht die vierte Klasse in einer Primarschule in Wil.

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