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Snapchat-Video entlarvt vier Täter

Vergangene Woche setzten Jugendliche beim Flawiler Kindergarten Botsberg mehrere Gegenstände in Brand. Die Täterschaft ist bereits ermittelt: primär aufgrund der Tragweite der sozialen Medien.
David Metzger
Mischa Sutter, der den Vandalenakt auf Facebook publik machte, sagt: «Nicht alle Jugendlichen sind so – eine Kameraüberwachung bringt daher nichts.» (Bild: David Metzger)

Mischa Sutter, der den Vandalenakt auf Facebook publik machte, sagt: «Nicht alle Jugendlichen sind so – eine Kameraüberwachung bringt daher nichts.» (Bild: David Metzger)

«Putzverrückt und stinksauer» sei er gewesen, sagt Mischa Sutter. «Deshalb bin ich unmittelbar nach Kenntnisnahme des Ereignisses zur Brandstelle gefahren, habe ein Foto geknipst und das Bild mit einem einfachen Facebook-Beitrag sogleich in die sozialen Netzwerke hochgeladen.»

Seither wurde der Beitrag des «Lindensaal»-Hauswarts und Junioren-Trainers beim FC Flawil im Minutentakt kommentiert und geteilt, bis gestern beinahe 300 Mal. Eine schier unglaubliche Resonanz, die sonst auf sozialen Plattformen eigentlich nur dann erreicht wird, wenn irgendwelche Stars ein neues Foto publizieren oder in einem Wettbewerb besonders verlockende Preise zu gewinnen sind. «Den Vorfall einer möglichst breiten Masse bekannt zu machen, war genau mein Ziel», sagt Sutter.

Wie Schauergeschichten über Lynchmobs

Für Armando Schär, Director of Studies Digital Business Management an der HTW Chur, kommt die grosse Reichweite denn auch nicht überraschend. «Inhalte, welche die Menschen emotional berührten, wie eben Vandalismus in der eigenen Nachbarschaft, interessieren», weiss Schär. «Den Ursprung finden diese viralen Effekte im Mittelalter, mit den damaligen Schauergeschichten über Lynchmobs. Mit den sozialen Netzwerken verfügen die Stories heutzutage zusätzlich über eine enorm grosse Reichweite und Geschwindigkeit.»

Bei der Kantonspolizei St. Gallen zeigt man sich über das Engagement von Mischa Sutter nur bedingt erfreut, wie Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher, auf Anfrage erläutert. «Wenn sich Privatpersonen in polizeiermittelnde Bereiche einmischen, dann ist das immer heikel. Oft wissen solche Leute nicht, wie mit diesen sensiblen Informationen umgegangen werden muss», sagt Rezzoli. «Zudem», fügt er an, «könnte rechtlich eine gewisse Problematik entstehen, je nachdem, was für Inhalte publiziert werden.» So dürften beispielsweise keine Personen erkennbar sein. Im Falle von Mischa Sutter ist das nicht geschehen, wodurch sich Sutter rechtlich gesehen nichts zu Schulden hat kommen lassen. «Seine veröffentlichten Bilder waren ja beinahe identisch mit jenen in der Polizeimeldung», begründet Rezzoli.

Brand-Video auf Snapchat veröffentlicht

Trotz der aus ermittlungstechnischer Sicht aufgrund des Persönlichkeitsschutzes sensiblen Online-Publikationen hat die Kantonspolizei St. Gallen die sozialen Netzwerke ebenso für sich entdeckt. Rund um die Uhr wird aktiv an der Betreuung der hauseigenen Facebookseite gearbeitet. Schon mehrmals konnten in der Vergangenheit Delikte aufgrund der grossen Reichweite des sozialen Netzwerkes in kurzer Zeit aufgeklärt werden. «Wir machen wirklich positive Erfahrungen», bestätigt Rezzoli.

So auch in Flawil. Dort erreichte die Meldung über die Brandstiftung beim Botsberg-Kindergarten in Windeseile die Handys, Computer und damit deren User in den örtlichen Stuben und Strassen. Vom Stamm-über den Mittags- bis hin zum Küchentisch war sie das Thema schlechthin. Dies hatte zur Folge, dass schliesslich mehrere Personen auf einen auf der Onlineplattform Snapchat publizierten Beitrag hinweisen konnten. Die vier geständigen Täter im Alter von 13 und 14 Jahren hatten ein selbst produziertes Video des Brandes hochgeladen. «Gut möglich, dass die Schüler das Ausmass des verursachten Schadens und die Auswirkungen der anschliessenden Online-Aktivitäten unterschätzt haben», mutmasst Mischa Sutter. Er selbst ist froh, dass der Fall so rasch gelöst werden konnte. Auch in Zukunft würde er wieder gleich handeln.

Anders sieht die Situation nun für die Jugendlichen aus, wie Ramon Bühler, Rechtsanwalt der Kanzlei Stach, weiss. «Grundsätzlich ist alles, was im Internet frei zugänglich ist, vor Gericht verwendbar. Auch, wenn die Daten in einem geschlossenen Bereich wie <Snapchat> hochgeladen wurden. Die Freilegung der Daten ist dann einfach mit einem juristisch grösseren Aufwand verbunden», sagt er.

Bei der Schule Flawil, wo die vier Schüler die Schulbank drücken, zeigte man sich über den Vorfall überrascht und bestürzt. «Damit haben wir nicht gerechnet», sagt Ueli Siegenthaler, Vorsitzender der Schulleitungskommission Flawil. Vor allem deshalb nicht, weil in der Schule Flawil präventiv auf die Gefahren von Onlineaktivitäten jeglicher Art hingewiesen werde. «Sowohl in der 5. Klasse als auch in der Oberstufe findet jeweils ein flächendeckender Elternabend zu diesem Thema statt.»

Geht es nach Armando Schär, obliegt die Verantwortung für den Umgang mit den sozialen Medien aber nicht alleine der Schule. «Soziale Netzwerke müssen auch in der Erziehung der Eltern ein Thema sein», sagt Schär und fügt an, dass hier der grösste Handlungsbedarf bestehe. «Für Jugendliche sind soziale Plattformen heute normaler Bestandteil ihrer täglichen Kommunikation. Eltern aber haben oft weder selbst genügend Erfahrung mit digitalen Medien noch die Kontrolle darüber, was die Jugendlichen in diesen treiben.»

Die Schule Flawil wird den Vorfall thematisieren. Allerdings weniger auf Stufe Schüler, wie Ueli Siegenthaler sagt. Auch eine Einschränkung der Zugänglichkeit der Schul- und Sportanlagen dürfe nicht in Betracht gezogen werden.

Negativ-Erfahrungen Positives abgewinnen

Auf jeden Fall führen die Ereignisse in Flawil einmal mehr die Schlagkraft und den Aktionsradius der neuen Medien vor Augen. Obschon die «Stärke der sozialen Netzwerke» immer wieder angesprochen wird, wirken die virtuellen Geschehnisse doch erst dann glaubhaft, wenn sie anhand eines konkreten Beispiels zum Vorschein gelangen. So kann der Brandanschlag für andere Jugendliche möglicherweise auch noch etwas Positives bezwecken, in dem er Schülerinnen und Schüler der heutigen Zeit für die Wirkungskraft von Vandalismus sowie auf die Gefahren der sozialen Netzwerke sensibilisieren kann. Es bleibt zu hoffen, sind doch in der heutigen Zeit gemäss Statista 74 Prozent der 14-bis-19-Jährigen tagtäglich auf der Plattform Snapchat aktiv, Tendenz steigend.

Das vom Feuer zerstörte Mobiliar wurde bereits durch neues ersetzt.

Das vom Feuer zerstörte Mobiliar wurde bereits durch neues ersetzt.

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