Smartphones führen zu Liebesaus: Maturand untersuchte den Einfluss von Smartphones auf das Sozialverhalten

Wie wirken sich Smartphones auf Kommunikation und Sozialverhalten aus? Dieser Frage ging Aidan Gerber in seiner Maturarbeit nach. «Viele wollen nicht zugeben, dass sie abhängig sind», sagt er.

Christof Lampart
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Maturand Aidan Gerber will sich künftig weniger vom Smartphone lenken lassen. (Bild: Christof Lampart)

Maturand Aidan Gerber will sich künftig weniger vom Smartphone lenken lassen. (Bild: Christof Lampart)

Menschen, die 1980 oder später geboren wurden, nennt man Digital Natives («Digitale Eingeborene»). Damit gehören sie zu jenen Menschen, die von klein auf mit der digitalen Technologie aufgewachsen sind. Computerspiele, E-Mails, Internet und Mobiltelefone sind integrale Bestandteile ihres Lebens. Sie sind es gewohnt, Informationen sehr schnell zu empfangen, lieben es, Multitasking zu betreiben, und funktionieren am besten, wenn sie vernetzt sind. So weit, so gut. Doch was passiert mit dem sozialen Wesen Mensch an sich, wenn es die ganze Zeit «online» ist, also praktisch nicht mehr abschalten kann?
Und plötzlich diskutierte niemand mehr

Der ehemalige Oberuzwiler Aidan Gerber, welcher an der Kantonsschule Wil seine Matura ablegt, obwohl er gegenwärtig in St. Gallen wohnt, wollte dies genauer wissen und hinterfragte den Smartphone-Gebrauch seiner Generation. Der Input kam durch ein eigenes Erlebnis.

«Ich ass mit ein paar Kollegen zu Mittag und diskutierte angeregt. Dann blickte jemand plötzlich auf sein Smartphone – und wenig später waren bereits alle am Handy und das Gespräch kam komplett zum Erliegen. Das nervte mich sehr.»

In seiner Arbeit, welche auf allerlei Fachliteratur, aber auch auf einer eigenen, natürlich online durchgeführten Umfrage beruht, kommt Gerber zum Schluss, dass die digitale Kommunikation zwar die Kommunikation zwischen den Menschen vereinfache, zugleich jedoch die zwischenmenschlichen Beziehungen störe. «Wer beim Essen ein Smartphone auf dem Tisch platziere, sei ‹nicht nur unfreundlich›, sondern könne zudem andere ‹unglücklich machen›, weil die persönliche, soziale Interaktion gestört wird.» Forscher, so Gerber, hätten zudem herausgefunden, dass der häufige Griff zum Smartphone es sogar «schaffe», eine stabile Liebesbeziehung zu killen.

Inhaltslose Augenblicke füllen

Viele Menschen seien sich, obwohl sie sicher stündlich etwas mit ihrem Smartphone täten, ihres Suchtverhaltens gar nicht bewusst, beziehungsweise nähmen diese Sucht gerne in Kauf, auch wenn reale Freundschaften und Beziehungen darunter litten. Auf die Frage, warum die «schlauen Telefone» es schaffen, den Menschen dermassen negativ zu beeinflussen, glaubt Gerber zwei Antworten gefunden zu haben:

«Erstens stellt der Internetzugang für den Nutzer eine Belohnung dar und ist für ihn reizvoll. Da das Handy ständig und überall mit dabei ist, können Informationen laufend abgerufen werden. Dem Menschen wird so eine Flucht in die virtuelle Welt ermöglicht. Darüber hinaus füllt das Gerät auch inhaltslose Augenblicke aus, wie etwa wenn man auf den Zug wartet.»

Auch er nutze das Smartphone beim Warten. «Bin ich alleine, so höre ich oft Musik», so Gerber. Doch ganz generell habe er seinen Smartphone-Konsum massiv reduziert. «Ich habe nur noch die nötigsten Apps drauf installiert, mich von Snapchat und Facebook abgemeldet, und beim Essen ist das Smartphone ganz bewusst aus.»

«Ich habe lieber positiven Stress»

Er habe dadurch gar nicht das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen, während er offline sei, doch sei ihm bewusst, dass viele Menschen geradezu unter einer Angst litten, etwas zu verpassen. «Durch die sozialen Netzwerke stieg in den letzten Jahren diese Angst bei vielen hochgradig an, da Abertausende von Menschen immer wieder etwas anstellen und darüber informieren», weiss Gerber.

Er selbst findet das Smartphone zwar in vielerlei Hinsicht praktisch – zum Beispiel für die Recherche für eine Schularbeit – und empfindet es auch generell im Alltag unverzichtbar, doch lenken lassen will sich Aidan Gerber von kleinem Tyrannen im Taschenformat zukünftig nicht mehr. «Sich mit den Leuten real zu treffen und miteinander etwas abzumachen ist mir viel wichtiger geworden. Ich gehe lieber Tennis spielen und habe dort positiven Stress, als dass ich mich über irgendwelche digitalen Botschaften aufrege», sagt Aidan Gerber lachend.

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