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Smartphone, Whatsapp und Youtube zum Trotz: Die Jugendtreffs in der Region laufen gut – in Flawil sogar rekordmässig gut

Ohne Einfluss bleiben die sozialen Medien aber nicht: So benutzen Jugendarbeiter vermehrt Instagram, um mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Vor Ort funktionieren die Treffs zum Teil aber sogar ganz ohne Internet.
Tobias Söldi
Tischfussball statt Smartphone: Auch im digitalen Zeitalter geht es letztlich darum, sich irgendwo mit Freunden treffen zu können. (Bild: Reto Martin)

Tischfussball statt Smartphone: Auch im digitalen Zeitalter geht es letztlich darum, sich irgendwo mit Freunden treffen zu können. (Bild: Reto Martin)

Ein düsteres Bild zeichnete diese Zeitung kürzlich von der Situation der Jugendtreffs in der Ostschweiz. Die Jugendlichen der Generation Smartphone zögen sich zunehmend aus dem öffentlichen Raum zurück, vergnügten sich lieber im digitalen Raum als im realen. Mehreren Treffs in der Ostschweiz drohe deswegen die Schliessung – wenn sie nicht schon vollzogen werden musste: Zu kämpfen haben etwa die Jugendtreffs in Engelburg, Romanshorn und Rheineck.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich auf Nachfrage in Flawil. «2018 war für uns ein Rekordjahr», sagt Tobias Marti von der offenen Jugendarbeit (Oja), die unter anderem für die Betreuung und den Betrieb des örtlichen Jugendtreffs verantwortlich ist.

«Seit 2009 hatten wir noch nie so viele Jugendliche wie im vergangenen Jahr.»

In Zahlen ausgedrückt: 121-mal öffnete der Treff seine Türen und verzeichnete dabei 4700 Besucherinnen und Besucher. Pro Öffnungszeit machen das über 40 Jugendliche. Und bis jetzt sei man auch im aktuellen Jahr auf Kurs. Marti betont allerdings: «Unser Ziel ist nicht quantitativer, sondern qualitativer Natur.» Natürlich freue man sich, wenn der Treff lebendig bleibe, wichtig sei es aber, dass sich die Jugendlichen wohlfühlten und gut betreut werden könnten.

Kein Abwärtstrend festzustellen

Im Nachbartreff in Degersheim will man ebenfalls nicht von einem generellen Abwärtstrend sprechen. «Die Nachfrage besteht», sagt Rebeka Kast, die den Jugendtreff J-eff führt. Durchschnittlich besuchten zwischen 15 bis 20 Jugendliche den Treff, schätzt sie.

Das gleiche Bild in Niederbüren. Daniel Färber, Hauptleiter des Jugendtreffs On Air, sagt:

«Wir können uns nicht beklagen. In den letzten fünf Jahren haben wir einen konstanten Zulauf verzeichnet.»

Durchschnittlich 10 bis 25 Jugendliche besuchten den Treff jeweils am Freitagabend, bei speziellen Anlässen können es aber schon mal 40 bis 50 Jugendliche sein. Auch er sagt: «Zu viele Jugendliche ist nicht das Ziel. Irgendwann kann man ihnen nicht mehr gerecht werden.»

Wichtig: Die Jugendlichen mit einbeziehen

Was macht man in der Region anders? Tobias Marti von der Oja Flawil gibt sich bescheiden: Man mache nicht bessere oder schlechtere Arbeit als andere, nur sei momentan die Zahl der Jugendlichen, die eine Institution wie den Jugendtreff schätzten und nutzten, einfach gross.

«Es gibt starke Jahrgänge und weniger starke. Wenn die Jugendlichen andere Interessen haben, in anderen Vereinen aktiv sind, geht die Nachfrage nach Jugendtreffs zurück.»

Eine Einschätzung, die Färber für Niederbüren bestätigt: «Die Nachfrage ist immer auch vom Jahrgang und dem Vereinsangebot abhängig.» Mit ein Grund für den Erfolg ist für ihn aber die Tatsache, dass das Leiterteam in Niederbüren ortsansässig ist. «Die Eltern haben Vertrauen und wissen, bei wem ihre Kinder sind.»

Flawil kann zudem eine gute Ausgangslage nutzen: «Wir haben 150 Stellenprozente zur Verfügung, sind an die Gemeinde angebunden und haben tolle Räumlichkeiten», sagt Marti. Auch mit der Schule pflege man ein gutes Verhältnis. Wichtig sei es zudem, mit den Jugendlichen in Kontakt zu bleiben: «Wir wollen ihre Ideen einbeziehen und umsetzen.» So sind im Leitungsteam der Oja acht Jugendliche im Oberstufenalter vertreten.

Jugendtreff ohne WLAN

Dass Handy und Co. bei den Jugendlichen immer mehr an Bedeutung gewinnen, können alle bestätigen. «Das Smartphone ist ein ständiger Begleiter – auch im Jugendtreff», sagt Rebeka Kast vom J-eff. Sowohl in Degersheim als auch in Flawil reagiert man auf die Veränderungen: «Wir versuchen, uns in den digitalen Räumen zu bewegen und kreativ zu bleiben», sagt Marti. So ist der Jugendtreff Flawil etwa auf Whatsapp, Instagram und Snapchat aktiv, wo Infos gestreut oder Anlässe im Treff beworben werden. «Das wird von den Jugendlichen sehr geschätzt. Niemand schreibt mehr E-Mails», sagt Marti.

Auch in Degersheim ist Instagram der Kanal der Wahl. «Über Instagram erreichen wir die Jugendlichen sehr schnell. Ich erhalte auch viele Nachrichten auf diesem Weg», sagt Kast.

Trotz dieser Veränderungen glaubt Tobias Marti weiterhin an den Jugendtreff, den Kontakt in der realen Welt. «Das Grundbedürfnis, sich zu treffen, besteht – Smartphone hin oder her.» Den Beweis erbringt Niederbüren, wo der Jugendtreff sich in einem Luftschutzkeller befindet. Leiter Daniel Färber sagt:

«Bei uns gibt es kein WLAN, und die Jugendlichen kommen trotzdem. Weil sie mit ihren Kollegen eine gute Zeit haben wollen.»

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