Skilager: Schnee von gestern?

«Alles fährt Ski» war einmal: Längst nicht mehr alle Oberstufenklassen in der Region fahren ins Skilager. Die Gründe dafür sind vielseitig: Zu den hohen Kosten kommt die in der Vergangenheit oft mangelnde Disziplin der Schüler.

Natalie Brägger
Drucken
Teilen
Eine Lagerwoche auf den Skiern oder dem Snowboard ist nicht mehr an allen Oberstufenschulen obligatorisch. (Archivbild: Monique Stäger)

Eine Lagerwoche auf den Skiern oder dem Snowboard ist nicht mehr an allen Oberstufenschulen obligatorisch. (Archivbild: Monique Stäger)

Region. Neben Österreich ist die Schweiz die Skination. Dass der Wintersport in den Schulen stark gefördert wird, kann allerdings nicht (mehr) behauptet werden. Dies zeigt auch eine Umfrage in der Region zeigt. So werden beispielsweise in Uzwil nur noch freiwillige Skilager durchgeführt. «Von den rund 180 Schülern entscheiden sich jeweils 50 für das Skilager», erklärt Mary Baumgartner, Schulleiterin im Uzwiler Realschulhaus. Für alle anderen würde eine Sonderwoche organisiert. Das Positive an diesem Modell sei, dass nur die im Skilager seien, die wirklich gern gehen würden und es dadurch mit der Disziplin der Schülerinnen und Schüler nur sehr wenige Probleme gebe, ergänzt Baumgartner.

Freiwillig in Wil und Uzwil

Auch in der Sekundarschule Uzwil ist das Skilager freiwillig. Parallel findet dazu ebenfalls eine Sonderwoche mit Angeboten wie zum Beispiel Schlitteln statt. «Von 220 Schülern bleiben in diesem Jahr nur 13 zu Hause», erklärt Schulleiter Christoph Eggenberger auf Anfrage. Die Organisation der Skilager verlaufe in Uzwil schon seit einigen Jahren nach diesem Modell, mit der Disziplin der Schüler in den Lagern habe man wenige Probleme.

Nach dem gleichen Prinzip werden die Skilager auch an der Oberstufe Lindenhof in Wil organisiert. «Da die Kosten für ein Skilager für die Eltern sehr hoch sind, können wir es nicht als obligatorisch erklären», erklärt Schulleiter Mathias Schlegel. In der vergangenen Woche seien 67 Prozent der 210 Schülerinnen und Schüler im Skilager gewesen. Die Beteiligung ist damit tiefer als in den Jahren zuvor. «Warum weiss ich nicht», sagt Schlegel, «es könnte aber etwas damit zu tun haben, dass sich viele unserer Sportschüler wegen ihrer Trainings und der Verletzungsgefahr für die Sonderwoche hier in Wil entschieden haben.» Dass man Schüler heimschicken musste, weil sie gegen die Lagerregeln verstossen hatten, sei in der Vergangenheit schon vorgekommen. In diesem Jahr sei das Lager aber friedlich verlaufen.

Obligatorisch in Flawil

Wenige Probleme mit ungehorsamen Schülern in Skilagern haben auch die Lehrkräfte der Oberstufenschule in Flawil. Dies obwohl das Skilager für die ersten Klassen obligatorisch ist und alle die keinen Wintersport betreiben das Ski- oder Snowboardfahren erlernen müssen. «Wir wollen, dass ein Skilager wie ein Klassenlager ist und dabei auch das Soziale gestärkt wird», erklärt Flawils Schulleiter Claudio Besio. Er sieht darin auch den Grund für das gute Benehmen der Schüler. Vor zehn Jahren, als man noch mit allen Klassen ins Skilager gefahren sei, habe dies noch anders ausgesehen. «Die Schüler wurden teilweise von Lehrkräften betreut, die sie gar nicht richtig kannten», erklärt Besio. Das habe eher zu Problemen geführt und man habe sich unter anderem deshalb dazu entschlossen, das Skilager nur noch für die ersten Klassen obligatorisch durchzuführen. Ein anderer Grund liegt in den Kosten. Wenn ein Skilager obligatorisch ist, darf die Schule von den Eltern keinen unbegrenzten Lagerbeitrag verlangen. «Die Kosten der Schulgemeinde für ein Skilager sind deshalb hoch», führt Claudio Besio aus.

Oberbüren: Alles fährt Ski

Für die Flawiler Zweit- und Drittklässler wird in der Ferienwoche ein freiwilliges Skilager organisiert. Dafür opfern jeweils zwei Lehrpersonen gegen eine kleine Entschädigung ihre Ferien. Rund ein Viertel der Flawiler Oberstufenschüler macht von diesem Angebot denn auch Gebrauch. Nicht freiwillig, sondern obligatorisch für alle Klassen ist das Skilager in der Oberstufe Thurzelg in Oberbüren. Man habe früher jeweils noch ein Programm für Daheimgebliebene angeboten, erklärt Thurzelg-Schulleiter Fredy Bühler, dieses sei dann so attraktiv geworden, dass es immer mehr genutzt worden sei. «Das war nicht in unserem Sinn, ein Skilager hat ja schliesslich auch einen sozialen Aspekt», begründet er die Abschaffung. Mit den Schülern müsse man im Lager zwar streng sein, man mache aber sehr gute Erfahrungen. «Die Skilager sind für alle ein Höhepunkt und wir mussten noch nie jemanden heimschicken», sagt Fredy Bühler.

Aktuelle Nachrichten