SKICROSS: Bischofberger jagt die Medaille

Heute treten die Skicrosser in der Sierra Nevada zur Weltmeisterschaft an. Marc Bischofberger vom SC Oberegg ist zum zweiten Mal an Welttitelkämpfen dabei. Nach seiner besten Saison rechnet er sich einiges aus.

Yves Solenthaler
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Das Starttraining zahlt sich aus: Marc Bischofberger ist zum konstanten Fahrer gereift. (Bild: Yves Solenthaler)

Das Starttraining zahlt sich aus: Marc Bischofberger ist zum konstanten Fahrer gereift. (Bild: Yves Solenthaler)

Yves Solenthaler

yves.solenthaler@rheintalmedien.ch

Zwei Gründe für Marc Bischofbergers Steigerung gegenüber der vorherigen, verkorksten Saison sind schon oft genannt worden: Sein Materialwechsel zu Head und seine neuerdings noch nicht ganz, aber fast konstant guten Starts. Der in Marbach wohnende Oberegger fügt noch einen anderen, im ersten Moment über­raschenden Grund an: Die Rückstufung im vergangenen Sommer von der Nationalmannschaft ins A-Kader des Schweizer Skicrossteams.

Diese bedeutete, dass er im letzten Herbst in Saas Fee Qua­lifikationen fahren musste, um überhaupt im Weltcup starten zu dürfen. Von aussen betrachtet waren diese Qualis eher Formsache. Denn die Schweiz hat acht Startplätze zugute – und so stark ist das Team in der Breite auch nicht aufgestellt, dass einer, der schon ein Weltcuprennen gewonnen hat, in dieser Ausscheidung scheitern könnte. Zumal die Zulassung letzten Endes ein Trainerentscheid ist, und der Schweizer Cheftrainer Ralph Pfäffli grosse Stücke auf den 26-Jährigen hält.

Mit dem starken Saisonstart kam das Selbstvertrauen

«Aber», sagt Bischofberger, «gerade auf der bekannten Strecke in Saas Fee weiss man nie, ob Fahrer aus der zweiten Reihe plötzlich ganz stark fahren.» Der Innerrhoder nutzte die Qualifikationsmühle jedenfalls, um sich in Rennstimmung zu bringen: «Ich stand beim ersten Rennen in Val Thorens (Frankreich) anders am Start als noch vor einem Jahr, als es quasi auf Knopfdruck ernst galt.» Dazu ­beigetragen hat auch, dass das Schweizer Team vor dem ersten Weltcup diesmal in einem Europacuprennen im Pitztal startete. In Val Thorens schied Bischofberger erst im Halbfinal aus – so weit war er 2015/16 nie gekommen – und klassierte sich als Gewinner des kleinen Finals auf dem fünften Rang. Dieser Saisonstart hat gar seine optimistischsten Erwartungen übertroffen. Mit dem zehnten Platz am nächsten Tag bestätigte er diese Ambitionen weitgehend. Nach einem Absacker in Arosa (18. Platz) folgte bereits der Run aufs Podest im Montafon, wo sein Fanclub nahezu geschlossen anwesend war. Von da an war er voller Selbstvertrauen, was an seinem angriffigen Fahrstil gut zu erkennen war.

Bischofbergers Weg in dieser Saison war danach vorgezeichnet: Er erreichte in den kommenden zehn Rennen vier weitere Male eine Halbfinalklassierung (wovon einmal, beim abgesagten Rennen in Feldberg, geschenkt) und erzielte in Idre Fjall (Schweden) als Zweiter hinter Alex Fiva sein bestes Resultat der Saison. In den folgenden drei Rennen blieben zwar Topresultate aus, aber in der Quali musste er nie um den Startplatz im Rennen bangen.

Ein scheuer Blick voraus auf die Olympischen Spiele

Nur der verpatzte Weltcup-Final in Kanada (25. Rang) ärgert Bischofberger, denn eine Verbesserung auf den fünften Platz im Gesamtweltcup wäre ihm im Rennen um einen Olympia-Startplatz nächste Saison in Bokwang (Südkorea) angerechnet worden: «Die Olympischen Spiele sind das höchste Ziel, das ich verfolgen kann. Aber wenn ich nächste Saison nur hinterherfahre, würde mir dieser Top-5-Platz im Gesamtweltcup auch nichts nützen.»

Aber vorerst geht’s um die WM, die, wenn das Wetter in der Sierra Nevada nicht weiter Kapriolen schlägt, heute stattfindet. An Titelkämpfen gibt’s keine Weltcuppunkte, dort zählen nur die ersten drei Ränge. Deshalb überrascht es nicht, dass eine WM-Medaille Bischofbergers Ziel ist. Auch die anderen drei Starter des Schweizer Teams – Alex Fiva, Armin Niederer und Jonas Lenherr – liebäugeln mit Edelmetall. Die Schweizer Männer sind diese Saison elfmal aufs Podest gefahren. Aber eine WM- oder Olympia-Medaille hat bisher keiner des Quartetts ­gewonnen. Fiva, der schon zum vierten Mal an Weltmeisterschaften antritt, weiss also, wovon er spricht: «In einem Eintagesrennen ist immer alles möglich.»

Von der Schweiz wird an der WM eine Medaille erwartet. Bei den Frauen ist die Waadtländerin Fanny Smith eine Kandidatin. Aber selbst wenn sie reüssiert, wären die Männer enttäuscht, gingen sie leer aus. Jeder der vier Schweizer möchte die Medaille gewinnen, aber ebenso jeder würde sich auch für einen Kollegen freuen. Die gute Stimmung bei den Schweizer Skicrossern ist mehr als ein Lippenbekenntnis. «Wir sind Konkurrenten», sagt Bischofberger, «aber missgönnen einander den Erfolg nicht.»

Hinweis

SRF überträgt die Quali und die Finalläufe heute ab 13.50 Uhr.