Sirnacher versenken Blaue Zone

Ein neues Parkplatzreglement hält die Sirnacher Gemeindeversammlung während einer Stunde auf Trab. Letztlich scheitert die Vorlage des Gemeinderates denkbar knapp. Die Planung für Wil West hingegen wird einstimmig unterstützt.

Christoph Heer
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Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach (Bild: Olaf Kühne)

Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach (Bild: Olaf Kühne)

SIRNACH. Es waren zähe 60 Minuten, welche das Traktandum 4 benötigte und somit fast die Hälfte der 140minütigen Gemeindeversammlung für sich beanspruchte. Der Gemeinderat beantragte dem 145köpfigen Souverän (3 Prozent aller Sirnacher Stimmberechtigten), das «Reglement über das Parkieren von Motorfahrzeugen auf öffentlichen Strassen und Plätzen zu genehmigen» – oder anders ausgedrückt: Sirnach wollte Blaue Zonen erschaffen. Für eine solche Signalisation und Markierung wären Kosten von 22 500 Franken angefallen, doch diese kann man sich nun sparen. Nach etlichen Voten und Diskussionen schickten die Stimmbürger die Vorlage knapp, mit 55 zu 52 Stimmen, bachab.

Konzept aus 2014

Kurzer Rückblick: Der Gemeinderat hat im Jahr 2014 ein Parkierungskonzept mit einer Blauen Zone bewilligt. Dieses Konzept sah die Einführung einer flächendeckenden «Blauen Zone mit Parkkarte für Berechtigte (Anwohner, Besucher, Handwerker und Mitarbeiter anliegender Geschäfte und Verwaltungen)» für das Dorfzentrum Sirnach vor. Der Gemeinderat wollte damit im wesentlichen Dauerparkierer aus dem Dorfzentrum verbannen, welche mit dem Zug arbeiten gehen und ihr Auto den ganzen Tag in Bahnhofnähe stehen lassen. Das zum Konzept gehörende Reglement wurde nun aber äusserst knapp abgelehnt. Voten wie «man muss nicht alles reglementieren», «absolut unnötig», «ein zu grosser Aufwand, welcher sich nicht lohnt» oder «der Fremdverkehr würde nur grösser werden» fruchteten wohl bei manchen unentschlossenen Mitbürgern, welche sich so zur Ablehnung entschieden. Für Gemeindepräsident Kurt Baumann indes kein Beinbruch. «So funktioniert nun mal unsere direkte Demokratie, und das ist auch gut so», sagt er. «Wir sind uns jedoch bewusst, dass das Thema für den Moment vom Tisch ist, wie es jedoch in ein paar Jahren aussieht, können wir noch nicht sagen, gut möglich, dass dann das Verlangen nach einer Blauen Zone wieder aktuell werden dürfte.»

Sirnach folgt Münchwilen

Als «grosse Chance für eine hochwertige Entwicklung der beiden Thurgauer Gemeinden Münchwilen und Sirnach» betitelte Baumann das Projekt «Kantonale Nutzungszone im Entwicklungsschwerpunkt ESP Wil West».

Vergangene Woche hatte es Münchwilen genehmigt, die Kompetenz für die Planung des künftigen Wirtschaftsgebietes Wil West an den Kanton abzutreten (unsere Zeitung berichtete). Einstimmig folgte nun die Gemeinde Sirnach, womit auch sie eine «enorme Entlastung» spüren werde, denn jetzt wird die Planungskompetenz für dieses aufwendige Projekt dem Kanton zugewiesen – als Voraussetzung gilt indes immer noch eine Realisierung des Autobahnanschlusses Wil West, ohne diesen würde das repräsentative, überregionale Tor zu einem neuen Wirtschaftsstandort nicht geöffnet werden können.

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