Sirnach kann sich entlasten

Die Idee einer Umfahrung Sirnachs hat Jahrzehnte auf dem Buckel. Am 18. Oktober kommt die «Spange Hofen» nun endlich an die Urne. Kernstück ist eine 750 Meter lange Strasse. Einen Drittel des Neun-Millionen-Projektes bezahlt Sirnach – ohne Auswirkung auf den Steuerfuss.

Olaf Kühne
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Die Umfahrungsstrasse Spange Hofen in einer Visualisierung. Rechts zweigt die künftige Ebnetstrasse ab, dahinter liegt der heutige Fussballplatz Kett. Links hinter der Lärmschutzwand zeigt sich der Holzsilo des Werkhofes. (Bild: pd)

Die Umfahrungsstrasse Spange Hofen in einer Visualisierung. Rechts zweigt die künftige Ebnetstrasse ab, dahinter liegt der heutige Fussballplatz Kett. Links hinter der Lärmschutzwand zeigt sich der Holzsilo des Werkhofes. (Bild: pd)

SIRNACH. «Sicherheit und Lebensqualität», versprechen die Abstimmungsunterlagen. Tatsächlich ist der heutige Verkehr für den Sirnacher Ortsteil Hofen eine Belastung. 10 000 Fahrzeuge – davon 1000 Lastwagen – befahren die Winterthurerstrasse Tag für Tag; Tendenz steigend.

Ein guter Teil davon soll nun aus dem Dorf verschwinden. Wie viele, weiss das kantonale Tiefbauamt. Bereits vor fünf Jahren ermittelte der Kanton mit einer qualifizierten Verkehrszählung nicht nur die Zahl der Autos und Lastwagen. Vielmehr wurde auch eruiert, ob es sich dabei überwiegend um Durchgangsverkehr handelt, oder ob die Fahrzeuge auch Sirnacher Ziele ansteuern, im Fachjargon «Ziel-/Quellverkehr» genannt. Letzteres trifft gemäss den Messungen auf 39 Prozent der Autos zu, aber nur gerade auf 14 Prozent der Lastwagen. Oder anders rum: 61 Prozent der Autos und gar 86 Prozent der Lastwagen nutzen das Wohnquartier als Durchgangsstrecke und steuern andere Ziele im Hinterthurgau oder im Tösstal an. Erschwerend für die Wohnqualität kommt hinzu, dass die Winterthurerstrasse ab der Einmündung der Rosenbergstrasse steil ansteigt und eine scharfe Kurve aufweist, das Abbremsen und Runterschalten der Fahrzeuge also zusätzlichen Lärm verursacht.

Abstimmung über 3,4 Millionen

Entsprechend euphorisch ist denn auch nicht nur die Abstimmungsbotschaft. «Die Spange bringt eine gewaltige Aufwertung der Lebensqualität im Quartier Hofen», sagte Gemeindepräsident Kurt Baumann an der gestrigen Pressekonferenz. Diese bildete den Auftakt zu einer ganzen Veranstaltungsreihe (siehe Kasten) bis hin zur Urnenabstimmung am 18. Oktober. Über 3,382 Millionen Franken werden die Sirnacher an diesem eidgenössischen Wahlsonntag befinden – der Gemeindeanteil an den Gesamtkosten des Projektes «Spange Hofen plus» über 9,39 Millionen Franken. Der Betrag werde über drei Jahre verteilt ausgegeben, befinde sich bereits im Finanzplan und habe keine Auswirkung auf den Steuerfuss, sagt Baumann.

Kernstück des Projektes ist eine 750 Meter lange Umfahrungsstrasse (siehe Grafik). Sie beginnt beim Q20-Kreisel nahe der Autobahnausfahrt und mündet bei der Verzweigung Rosenbergstrasse in die bestehende Winterthurerstrasse. Gesäumt wird die Strasse von vier Meter hohen Lärmschutzwänden – um die Emissionen nicht einfach zu verlagern. Stimmen die Sirnacher der Vorlage in vier Wochen zu, kann die Umfahrung von Anfang 2018 bis Mitte 2019 gebaut werden. «Immer vorausgesetzt, das Projekt wird nicht durch Einsprachen verzögert», betont Baumann. Anschliessend können die zwei weiteren Teilprojekte in Angriff genommen werden. Hier steht die Winterthurerstrasse im Zentrum. Bis Herbst 2020 soll sie ab der Einmündung der Q20 bis zur Rosenbergstrasse neu gestaltet werden.

Durchgehend Tempo 30

Allem voran wird künftig Tempo 30 die eingangs erwähnte Lebensqualität im Dorfteil Hofen verbessern. Dazu soll bei der Einmündung der Lindenstrasse ein grösserer Begegnungsplatz entstehen. «Natürlich wieder mit einer Linde», sagt Baumann und spricht damit den vor zwei Jahren wegen einer Krankheit gefällten Namensgeber des Platzes an. Die Planer haben die Neugestaltung aber auch darauf angelegt, Abkürzungsverkehr dereinst möglichst von der Winterthurerstrasse fernzuhalten – wie auch von der Oberhofenstrasse, dem dritten Teilprojekt.

Sagen die Sirnacher Ja zur «Spange Hofen», realisieren sie eine 52jährige Idee. Denn das erforderliche Land sicherte sich der Kanton bereits 1963 – während des Baus der Autobahn.

Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach (Bild: pd)

Kurt Baumann Gemeindepräsident Sirnach (Bild: pd)