SIRNACH: Die netten Wilden

Die Zapfämannli-Clique hat ein überschaubares Jahresprogramm: Der Verein tritt nur während der Fasnachtszeit in Erscheinung. Nebst der Teilnahme am Umzug stellen seine Mitglieder seit fünf Jahren auch den Füürlizapfe her.

Maya Heizmann
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Urs und Irene Thoma verkleiden sich gerne als Zapfämannli. (Bilder: Maya Heizmann)

Urs und Irene Thoma verkleiden sich gerne als Zapfämannli. (Bilder: Maya Heizmann)

Maya Heizmann

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«Wir kommen in friedlicher Absicht und verteilen am Umzug kleine Süssigkeiten», sagen die Thomas. «Niemand sollte Angst vor uns haben.» Irene und Urs Thoma sind mit ihren Kindern Mario (16) und Lena (14) begeisterte Anhänger der Zapfämannli. Seit der Gründung der Clique vor zehn Jahren machen die vier Sirnacher voller Elan mit.

33 Aktive, davon 6 Kinder, zählt zurzeit die Zapfämannli-Clique. Der Vorstand setzt sich aus fünf Personen zusammen: Franz Küttel, Gaby Hauser, welche die Kostüme näht, Linda Höltschi, sie ist für die Finanzen zuständig, sowie Irene und Urs Thoma, welche die Umzüge organisieren. Der Jahresbeitrag beträgt 20 Franken. Für das Kostüm wird ein einmaliger Beitrag von 100 Franken erhoben, der Hut und das Kostüm werden bei einem Austritt an den Verein abgegeben. Das Kostüm besteht aus einem stabilen Umhang, der mit echten Fassaden-Holzschindeln bestückt ist.

Jedes Mitglied näht die gebeizten Schindeln selber auf das Kleid wie auch auf eine Stofftasche. Der Hut wird individuell mit Tannzapfen, Moos und Wurzeln geschmückt. Ebenso der Holzstecken, der von den Vereinsmitgliedern individuell angefertigt wird.

Das Jahresprogramm der Zapfämannli ist überschaubar: Ausser an der Generalversammlung und an einem Höck nimmt die Clique nur an der Eröffnung und am Umzug der Sirnacher Fasnacht (Sifa) teil. Seit fünf Jahren wird der Füürlizapfe, der jeweils am Dienstag bei Fasnachtsende verbrannt wird, von den Zapfämannli gebaut. Für den diesjährigen Zapfen «Ice Age» – getreu dem Sifa-Motto «Trickfilm» – benötigten die zehn Konstrukteure 300 Stunden, bis alle zugeschnittenen Schindeln am Monster angebracht waren. Die Kinder führen die Clique jeweils mit ihrem eigenen Wagen an, auf dem ein kleiner Zapfen thront. Ebenso gibt es eigene Zapfämannli-Lieder, etwa: «Wenn i emol es Schätzli ha, denn isch es au ein Zapfä-Ma, denn mached mir im Wald ganz gschwind, es Dozent chlini Zapfächind.»

Ein Geheimnis bleibt, wie sich die Zapfämannli vermehren. Bis anhin sind keine Sichtungen von Zapfäfraueli überliefert. Dabei lädt das Tannzapfenland im Hinterthurgau zu vielen Entdeckungen ein. Oder kann die Sage der Zapfämannli weiterhelfen? Vor Hunderten von Jahren lebte in den ausgedehnten Wäldern des südlichen Thurgaus eine kleine Völkergemeinschaft. Sie ernährte sich von Beeren, Wurzeln und der Jagd. Aus der Haut erlegter Tiere gerbten die Frauen Leder und nähten Hosen und Umhänge. Die Männer bestückten diese Kleidungsstücke für die Jagd mit Tannzapfen und trugen ein Tannenreisiggebinde auf dem Kopf. So getarnt pirschten sie sich an das Wild heran und erlegten dieses. Das urchige Volk nannte man die Zapfämannli. Und wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden.