«Sirene ist im Dorf nicht mehr so oft zu hören»

Wenn Herr und Frau Flawiler ins Jahr 2016 rutschen, ist das für sie verbunden mit Neuerungen. Gemeindepräsident Elmar Metzger blickt auf das neue Jahr voraus – aber auch zurück auf bewegende Momente im 2015. In diesem waren der öffentliche Verkehr und die Flüchtlinge Dauerbrenner. Auch sonst lief viel.

Simon Dudle
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Flawils Gemeindepräsident gibt dem Jahr «mindestens Schulnote 5». (Archivbild: Christine Gregorin)

Flawils Gemeindepräsident gibt dem Jahr «mindestens Schulnote 5». (Archivbild: Christine Gregorin)

Herr Metzger, sollten die SBB entscheiden, in Flawil keine Schnellzüge mehr anhalten zu lassen, was werden Sie tun?

Elmar Metzger: Das verrate ich noch nicht. Nur so viel: Wenn die SBB und der Kanton wider Erwarten den Fernverkehrshalt von Flawil streichen wollen, dann haben sie die Rechnung ohne die Bahnkunden der Region Flawil gemacht.

Apropos Bahn: Um den Bahnhofplatz wie vorgesehen sanieren zu können, braucht es Bundesgelder. Wie realistisch sind diese?

Metzger: Die Sanierungsmassnahmen der Phase 2 mit einem Volumen von rund 1,5 Millionen Franken sind zur Aufnahme in die 3. Generation des Agglomerationsprogramms beantragt. Ich bin zuversichtlich, dass der Bund die fortgeschrittene Planung anerkennt und eine Subventionierung zusichert.

Der Rettungswagen-Stützpunkt ist seit einem Jahr in Gossau statt Flawil. Was hat sich verändert?

Metzger: Mir fällt auf, dass die Sirene des Rettungswagens im Dorf nicht mehr so oft zu hören ist. Doch abgesehen davon bedauern wir die Verlegung des Rettungsdienstes nach wie vor. Wichtig ist, dass 90 Prozent der Flawiler Bevölkerung innert 15 Minuten von einem Rettungswagen erreicht werden. Die Verantwortlichen des Rettungsdienstes können nachweisen, dass dieses Ziel mit dem neuen Stützpunkt an der Mooswiesstrasse in Gossau erreicht wird.

Die Gemeindepolizei Flawil gibt es per 1. Januar des neuen Jahres nicht mehr: Was ändert sich konkret?

Metzger: Auf den ersten Blick sehr wenig. Für zu langes Parkieren in der blauen Zone oder für das Einsparen der Parkgebühren wird auch in Zukunft ein Einzahlungsschein unter dem Scheibenwischer zu finden sein. Die Bussen werden aber nicht mehr durch den Gemeindepolizisten, sondern durch die Securitas oder durch geschultes Kontrollpersonal geschrieben. Der Gemeindepolizist ist neu in das vierköpfige Team der Stadtpolizei Region Gossau eingebunden, steht aber dennoch im Kontakt mit der Polizeistation Flawil. Dies ermöglicht eine Konzentration auf die Kernaufgaben eines Polizisten sowie auf punktuelle Einsätze mit mehr Personal.

Die Technischen Betriebe sollen verselbständigt, aber nicht privatisiert werden. Wieso?

Metzger: Die Technischen Betriebe brauchen mehr Handlungsspielraum, damit sie auf die Herausforderungen der Marktöffnung vorbereitet sind. Die rechtliche Stellung der Technischen Betriebe muss gestärkt werden, damit Strom oder Gas bereits mehrere Jahre im voraus beschafft werden können. Bei grossen Kunden sind schon heute rasche Vertragsabschlüsse notwendig. Die Führung der TBF soll deshalb vom schwerfälligen politischen Umfeld losgelöst und durch Fachpersonen wahrgenommen werden. Die TBF verbleiben aber zu 100 Prozent im Eigentum der Gemeinde.

Das Jahr 2015 stand im Zeichen der Flüchtlingskrise. Wie ist die aktuelle Situation betreffend Asylsuchende in Flawil? Bleibt es bei 62 Asylsuchenden?

Metzger: Die Zahl der Asylsuchenden im Kanton St. Gallen steigt laufend an. In Flawil sind wir immer auf der Suche nach Wohnraum und versuchen damit, die Vorgaben der Koordinationsstelle für das Asyl- und Flüchtlingswesen zu erfüllen. Ich gehe davon aus, dass uns die Zahl der Flüchtlinge noch vor wesentliche grössere Herausforderungen stellen wird.

Wo muss 2016 der Hebel angesetzt werden?

Metzger: Ich freue mich auf das Betriebs- und Gestaltungskonzept für die St. Galler- und Wilerstrasse. Die Projekte zur Neugestaltung des Bahnhofplatzes und zum Neubau der Passerelle werden im kommenden Herbst an der Bürgerversammlung diskutiert. Dann wollen wir auch beim Marktplatz zusammen mit der Bevölkerung Nägel mit Köpfen machen.

Ein Wunsch für 2016?

Metzger: Eine Bestätigung der SBB-Fernverkehrshalte in Flawil über den Dezember des Jahres 2018 hinaus würde mich glücklich machen.

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