Sinfonisches Orchester Wil begrüsst neues Jahr mit Tango und Schreibmaschine

Das Neujahrskonzert des Sinfonischen Orchesters Wil in der Tonhalle fand allergrössten Anklang, obwohl Walzer und Operettenklänge fehlten. Neben dem musikalischen Teil wussten auch die Tänzer mit ihrer Darbietung zu überzeugen.

Carola Nadler
Drucken
Teilen
Cecilia Wretenmark und Tobias Spori tanzen zu den Stücken des Sinfonischen Orchesters Wil. (Bild: Carola Nadler)

Cecilia Wretenmark und Tobias Spori tanzen zu den Stücken des Sinfonischen Orchesters Wil. (Bild: Carola Nadler)

Wie Berlin und Wien feierte am Samstag auch Wil mit seinem Sinfonischen Orchester das Neue Jahr. Unter der Leitung von Kurt Pius Koller hatte das heimische Orchester zum Neujahrskonzert eingeladen und stand seinen grossen Vorbildern in nichts nach. Statt Walzer und Operettenmelodien wurden leichter Jazz, Tango und Stummfilmmusik aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts geboten, teils tänzerisch begleitet von Cecilia Wretemark und Tobias Spori, moderiert von Bastian Stoltzenburg.

Letzterer lieferte als Paul Grünspan Informationen zu den Stücken, die halfen, einen Bezug herzustellen und plauderte darüber hinaus fröhlich aus seinem Dichternähkästchen: Im Stil von Heinz Erhardt spielte er mit Reimen und Doppeldeutigkeiten, wobei er hin und wieder ein Kunstpäuschen einlegen musste, bis die jeweilige Pointe im Publikum angekommen war. Schliesslich diktierte er Marion Graf, Perkussionistin des Orchesters, seine Liebesbriefe – auf eine altertümliche Schreibmaschine als Soloinstrument in Leroy Andersons «Typewriter».

Ausdrucksstarke Tanzeinlagen

Cecilia Wretemark und Tobias Spori performten unter anderem Dimitri Schostakovichs berühmten Jazzsuiten-Walzer und «Tico Tico», letzteres als ausgelassenen Charleston, sowie jeweils solistisch einen Teil von Aram Khachaturians Filmmusik «Die Witwe von Valencia» und «El Choclo». Auch hier dominierte nicht Walzerseligkeit mit schwingenden Röcken und Frackschössen: Das Paar trat meist barfuss auf und begeisterte mit einer ungemein ausdrucksstarken Körpersprache.

Bei der Stückwahl bewies Kurt Pius Koller einmal mehr ein glückliches Händchen. Wer anfangs Wiener Walzer vermissen mochte, wurde schnell entschädigt: Die Melodien und Arrangements standen in Charakter, Unterhaltungswert und erfrischender Sentimentalität den Werken von Johannes Strauss und Robert Stolz in Nichts nach. Orientalisch feurig die «Bacchanale» aus Saint-Saëns Oper «Samson et Delilah», elegant swingend die Stücke von Anderson und Glen Millers «Moonlight Serenade». Vor der Pause stand Edward Elgars Marsch «Land Of Hope And Glory» aus «Pomp And Circumstances» auf dem Programm. Was in unseren Breiten der Radezki-Marsch ist, ist dieses Stück in Grossbritannien: Es wird mitgesummt und gejohlt. Zuletzt kam er dann doch, der Radezki-Marsch und das dankbare Publikum musste sich nicht erst auffordern lassen, um begeistert den Takt mitzuklatschen.