Sind Vegetarier bessere Menschen?

Mit «Pandoras Jukebox» schloss der Kleinkunstveranstalter «Bühne am Gleis» seine diesjährige Saison ab. Für die kommende Spielzeit ist eine Optimierung der Infrastruktur vorgesehen.

Carola Nadler
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Kathrin Bosshard trat mit dem Puppen- und Maskenspiel «Pandoras Jukebox» bei der Bühne am Gleis auf. (Bild: Carola Nadler)

Kathrin Bosshard trat mit dem Puppen- und Maskenspiel «Pandoras Jukebox» bei der Bühne am Gleis auf. (Bild: Carola Nadler)

WIL. «Gleich wird Pandoras Dose geöffnet.» So begrüsste Michael Fischer das Publikum. Doch für das «Bühne am Gleis»-Team hiess es gleichzeitig auch: Deckel schliessen, denn mit Kathrin Bosshards satirisch-skurrilem Masken- und Puppenspiel endete die Spielzeit. Zu diesem Anlass dankte Fischer seinem Team und zählte dabei auf, wie gross der Aufwand für die Vorbereitungen ist: Bühnenelemente müssten von einem Schulhaus und vom Stadtsaal transportiert und der Boden ausgelegt werden. «In der neuen Saison wollen wir leichtfüssiger unterwegs sein», sagte Fischer. Ziel sind eigene Stühle und Bühnenelemente. Auch der schwarze Boden soll bereits vor Ort gelagert werden können.

Bratwurst muss sein

Es rappelt, knallt und blitzt, und aus Pandoras Kiste entstiegen am Samstagabend ein paar übergrosse Schuhe und eine Hosenträger-Hose. Kathrin Bosshard ergänzte dieses Erscheinungsbild mit einer schmerbauchigen Figur, inklusive üppigem wenngleich ungepflegtem Schnauzbart, in welchem man die Essensreste erahnen konnte. Kuno heisst dieser Schnauzer und er begann auch sogleich über das Essen zu räsonieren: In seinem «Ich fresse Fleisch»-Blues gestand er, nicht auf seine Bratwurst verzichten zu können, dabei wäre er doch so gerne ein besserer Mensch – als Vegetarier.

Herrlich skurril

Kuno hat einen Freund: Max. Und Max ist so abstossend hässlich, dass es irgendwie nicht verwundern mag, dass er seine Sprachfähigkeit auf ein Grunzen und Brummen reduziert. Aber Max redet durchaus mit: Wenn er seine Ukulele und Gitarre zur Hand nimmt, ist Kommunikation plötzlich so einfach. Gabriel Meyer mag zwar auf der Bühne ungelenk erscheinen, aber als Musiker verzaubert er grenzenlos. So hässlich Max auch ist, er hat Familie: Eine propere Froschgattin, die munter und nicht wirklich geistreich drauflos plappert, dafür aber ein hinreissendes Tango-Solo hinlegt und ein kaulquappiges Baby, das in einer ruhigen Minute das Rednerpult besteigt und über gewaltfreie Kommunikation referiert: «Ich fühle, dass meine Faust zuckt.»

Fehlt nur noch das Mimöschen: Eine kulleräugige Damenkatze lässt sich von Max neue Ohrringe anlegen, voll ins entzündete Ohrläppchen: «Nee, mach nur, ich muss den Schmerz spüren, dann spür ich auch, wer ich bin.» Es war herrlich skurriles und sinnloses Theater, das Alltagsinhalte aufgriff und ad absurdum führte.