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Sie vermissen nichts: Flüchtlinge berichten Wiler Schülern über ihr Heimatland

In den Räumen der Freikirche der Gemeinde von Christen trafen sich Schüler der Oberstufe Lindenhof und Flüchtlinge zum gemeinsamen Austausch. Dabei gaben die Migranten Einblicke in ihr früheres Leben.
Nicola Ryser
Während Stefan Wunderli (rechts) Fragen stellt, erzählt Muhidin (Mitte) über sein Leben in Mogadischu. Ein Schüler übersetzt. Bild: Nicola Ryser

Während Stefan Wunderli (rechts) Fragen stellt, erzählt Muhidin (Mitte) über sein Leben in Mogadischu. Ein Schüler übersetzt. Bild: Nicola Ryser

Shakila war Lehrerin. Die heute 23-Jährige lebte in Afghanistan in der Stadt Herat. Eigentlich eine schöne Metropole mit einer halben Million Einwohnern, eingebettet zwischen Bergen und einem Fluss. Doch die Idylle trügt. «In Afghanistan war und ist immer Krieg», sagte Shakila in gebrochenem, aber überraschend gutem Deutsch. Viele Kinder blieben wegen der omnipräsenten Gefahr lieber zu Hause, statt in die Schule zu gehen. Auch für Shakila sei der Arbeitsweg zu Fuss alles andere als sicher gewesen. Wohl wegen der Kriegsgefahr flüchtete sie in die Schweiz. Shakila kann sich genau erinnern: «Das war vor einem Jahr, fünf Monaten und drei Wochen.»

Muhidin floh mit seinem Bruder aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Per Flugzeug und Mietauto fanden sie den Weg in die Schweiz. Die Situation in seinem Heimatland sei prekär gewesen:

«Wir bekämpften uns dort alle gegenseitig.»

Er vermisse darum auch nichts. Sein Traum sei klar: Er will in der Schweiz Arbeit finden.

Nicht Vorurteile, sondern Verständnis schaffen

Es sind intime Einblicke, welche die beiden Flüchtlinge gewährten. Die Afghanin und der Somalier trafen sich mit zwei Klassen der Oberstufe Lindenhof in der Freikirche der Gemeinde von Christen (GvC) und tauschten sich über die unterschiedlichen Kulturen aus. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Verein MEOS, der schweizweit Migranten unterstützt.

Zum zweiten Mal konnte der Anlass durchgeführt werden, für Stefan Wunderli, interkultureller Berater bei der Organisation, ein gutes Zeichen: «Ziel ist es ja, dass die Schüler durch die emotionalen Geschichten mehr Verständnis für die Situation der Flüchtlinge bekommen und so Vorurteile abbauen. Das scheint gut zu funktionieren.»

Hinweis

Von heute bis und mit 24. März finden im Kanton St. Gallen die Aktionstage gegen Rassismus statt. Die Fachstelle Integration in Wil will mit einer Wortkampagne die Bevölkerung erreichen.

Die Schüler zeigten sich interessiert – und Wunderli stellte Überraschendes fest: «Einige Schüler besitzen selbst einen Migrationshintergrund, waren auch auf der Flucht.» Ein Schüler ist ebenfalls Somalier und übersetzte die Anekdoten von Muhidin, der sich lediglich in seiner Heimatsprache verständigen kann.

«So entsteht im Austausch mit den Flüchtlingen sogar ein persönlicher Bezug.»

Beeindruckt zeigte sich Wunderli auch von der Bereitschaft der beiden Migranten, über ihr Schicksal zu berichten. «Eigentlich ist es unter Flüchtlingen oft ein Tabu, über die eigene Vergangenheit zu sprechen», erklärt er. Bei Shakila und Muhidin sei es jedoch Teil der Verarbeitung ihrer Flucht.

Es wird gemalt, gestrickt, gelernt

Nach den Vorträgen erhielten die Schüler einen Überblick über das Schaffen der Initiative MEOS Perspektiva in der GvC-Freikirche. Die Non-Profit-Organisation bietet Flüchtlingen wie Shakila und Muhidin Kurse an, um sie bei der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen.

Sie malen, stricken, nähen, pressen Fruchtsäfte, machen Konfitüre und lernen Deutsch. Die Säfte oder beispielsweise gestrickte Mützen verkaufen sie dann an Märkten in der Stadt. Die Arbeit sei für die Flüchtlinge freiwillig, erklärt Wunderli. Und das langfristige Ziel klar:

«Dass sie irgendwann in der Schweiz alleine zurechtkommen, unsere Sprache sprechen und eine Arbeit finden.»

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