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Zweifache Schweizer Meisterin Chantal Tanner: «Diskuswerfen ist wie Tanzen»

Schon in ihrem dritten Jahr als Diskuswerferin verteidigt Chantal Tanner den Schweizer Meistertitel. Trotzdem ist die 21-jährige Niederwilerin nicht zufrieden mit ihrer Saison, die für sie sehr lehrreich war.
Tim Frei
Die 21-jährige Chantal Tanner hat trotz ihrer Grösse ein ausgezeichnetes Bewegungsgefühl. (Bild: Ralph Ribi)

Die 21-jährige Chantal Tanner hat trotz ihrer Grösse ein ausgezeichnetes Bewegungsgefühl. (Bild: Ralph Ribi)

Dieser Entscheid veränderte ihr Leben. Vor drei Jahren hatte Chantal Tanner vom Siebenkampf zum Diskuswerfen gewechselt. Die Lehre zur Kleinkindererzieherin und sieben Sportarten unter einen Hut zu bringen, wäre für die Niederwilerin zu viel gewesen. Vor allem lag der Wechsel aber an ihrer Stärke, dem Werfen. Ein Schlüsselmoment war ihr erster Wettkampf, in dem sie den Diskus über 30 Meter warf. Die heute 21-Jährige sagt mit einem Strahlen:

«Das war ein geiles Gefühl. Ich habe vor Freude gejubelt, geschrien und geweint.»

Es ist unschwer zu erkennen – Chantal Tanner hat ihre Sportart gefunden. Auch weil Diskuswerfen ihrer zweiten Leidenschaft stark ähnelt: «Es ist wie Tanzen.»

Die Parallelen sind in der Tat verblüffend: In der Vorbereitungsphase zum Wurf drehen sich Athleten dieser Disziplin mehrmals um die eigene Achse und hüpfen vom einen auf das andere Bein. «Dieser rhythmische Charakter gefällt mir besonders», so die junge Sportlerin.

Ihrem Trainer Werner Kunz verdankt sie viel

Chantal Tanner geht nicht nur völlig auf in dieser Sportart, sie tut dies auch äusserst erfolgreich. 2017, in ihrem zweiten Jahr als Diskuswerferin, wird sie Schweizer Meisterin bei den Aktiven und bei der U23. Ein Jahr später hält sie dem Druck stand und verteidigt beide Titel. Bei der U23 habe sie keine Konkurrenz, sagt Werner Kunz, ihr Trainer beim Leichtathletikclub Zürich. Er ergänzt:

«Bei den Aktiven musste sie kämpfen. Erst mit dem fünften Wurf konnte sie die Führende überflügeln.»

Wie war dieser schnelle Erfolg möglich? «Die Zusammenarbeit mit Werner Kunz war sicher entscheidend. Ohne ihn wäre ich nie so weit gekommen», sagt die Athletin, die seit Herbst 2015 unter Kunz beim Leichtathletikclub Zürich trainiert.

Ungeduld als Schwäche, Trainingswille als Stärke

Er bringe viel Wissen mit und habe ihre Technik massgeblich verbessert. Zudem sei er ihr «Fels in der Brandung». Sie sagt: «Meine grosse Schwäche ist meine Ungeduld. Ich will immer mehrere Schritte auf einmal machen.» Mit seiner Ruhe hole er sie dann auf den Boden zurück und erinnere sie daran, Schritt um Schritt zu machen.

Werner Kunz selber sieht nebst dem Training in der Leistungsgruppe in Zürich weitere Faktoren für den rasanten Aufstieg seiner Athletin. «Mit ihren langen Armen und ihrer Grösse von 1,83 Metern bringt sie ideale physische Voraussetzungen mit», sagt er. Trotzdem sei sie athletisch stark, habe ein ausgezeichnetes Bewegungsgefühl und sei koordinativ besonders begabt.

«Sie ist die talentierteste Athletin, die ich je trainiert habe.»

Ein weiteres entscheidendes Kriterium für den rasanten Aufstieg von Chantal Tanner ist laut ihrem Trainer ihr aussergewöhnlicher Trainingswille. Die Diskuswerferin trainiert sieben Mal in der Woche, was einem Pensum von 12 bis 15 Stunden entspricht.

Pendeln als Erholung, Job als Abwechslung

Dafür pendelt sie zwischen Niederwil und Zürich. Daran hat sie sich mittlerweile gewöhnt. Das Zugfahren nutzt sie zur Erholung. Am liebsten liest sie Bücher in dieser Zeit. «Kitsch-Romane haben es mir besonders angetan», sagt sie.

Ein Wohnortswechsel nach Zürich kommt nicht in Frage, dafür ist sie in der Region zu stark verwurzelt. Zudem könne sie sich das gar nicht leisten, sagt die Frau, die nebst dem Sport mit einem 60-Prozent-Pensum im Service arbeitet. «Ich brauche diese Abwechslung. Ohne Job käme ich in ein Loch.»

An 50-Meter-Marke verkrampft

Ihre Ungeduld macht Chantal Tanner noch zu oft einen Strich durch die Rechnung. In diesem Jahr wollte sie die Marke von 50 Metern so schnell wie möglich erreichen. Weil ihr dies lange nicht gelingen wollte, wurde sie immer ungeduldiger und verkrampfte sich. So konnte sie ihre gewohnten Leistungen 2018 nicht immer zeigen.

Dies ist auch der Grund, weshalb sie trotz erfolgreicher Titelverteidigung und der persönlichen Bestleistung von 50,45 Metern nicht zufrieden mit ihrer Saison ist. Aber sie habe in diesem Jahr viel gelernt. Sie sagt:

«Für die Zukunft nehme ich mir vor, mich selber nicht zu stark unter Druck zu setzen.»

Denn sie habe erkannt, dass sie dann am besten sei, wenn sie locker drauf sei.

Vorfreude auf den ersten Muskelkater

Bevor Chantal Tanner mit dem Training für die neue Saison beginnt, hat sie noch eine Woche Ferien. Doch das Energiebündel brennt bereits auf die erste Einheit: «Ich möchte lieber schon heute starten und freue mich auf den ersten Muskelkater.»

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