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«Ich vermisse die Schweiz nicht»: Rossrüter Schneiderin an der Staatsoper in München

An der bayrischen Staatsoper in München kümmert sich Gewandmeisterin Marion Zurburg aus Rossrüti und ihre 20 Näherinnen und Näher um die Kostüme der Darsteller.
Adrian Zeller
Die meiste Zeit arbeitet Marion Zurburg im Stehen. (Bild: PD)

Die meiste Zeit arbeitet Marion Zurburg im Stehen. (Bild: PD)

Marion Zurburg arbeitet sozusagen an der Schnittstelle von Kunst und Handwerk. Sie setzt mit ihrem Team die Entwürfe der Kostümbildner für Bettlerkleider, Prachtsuniformen, Chorroben und vieles mehr um. Die 33-Jährige und ihre 20 Näherinnen und Näher kümmern sich um das textile Erscheinungsbild der männlichen Darsteller in der Staatsoper von München.

«Ich liebe meinen Beruf», schwärmt sie lachend. Generell lacht die quirlige Frau während des Interviews viel. Wahrscheinlich ist ihre Tätigkeit hinter den Opernkulissen nur mit einem heiteren Gemüt zu bewältigen, denn sie fordert ihr viel ab. Marion Zurburg erzählt:

«Ich bin pro Tag ungefähr zehn Stunden auf den Beinen, es gibt kaum je eine Gelegenheit, sich hinzusetzen.»

Auf den Beinen heisst bisweilen auch: auf den Knien, wenn es die Anpassung der Kostüme erfordert, etwa bei einem 50-köpfigen Opernchor.

Flexibilität und viel Humor

Wer auf fixe Arbeitszeiten und eine Fünftagewoche pochen will, kann ihre Aufgaben nicht erfüllen, grosse Flexibilität ist gefragt. Diese und ihr Humor scheinen die Grundvoraussetzungen für ihre Alltagsbewältigung zu sein. «In München arbeite ich mit Menschen aus verschiedenen Ländern, in Grossbritannien ist die Multikulturalität noch viel ausgeprägter, dort fragt niemand, woher die Person links und rechts von dir kommt.» Dort war Marion Zurburg während zweier Saisons am Opernhaus in Glyndebourne engagiert. Im Weiteren arbeitete sie auch bei einem Atelier, das vor allem Kostüme für historische Filme und TV-Serien wie etwa die bekannte «Downton Abbey» anfertigte. Weitere Station auf ihrem Berufsweg waren die Oper in Genf, das Opernhaus Zürich sowie die Salzburger Festspiele.

Die Rossrüterin ist eine Art Weltenbürgerin. Die Integration in ein neues Umfeld gelingt ihr leicht. «Man muss sehr genau zuhören, um beispielsweise zu verstehen, wie etwa das Gesundheitssystem in einem Land funktioniert. Dann versteht man mit der Zeit dessen eigene Logik.» Und auch ihr Smartphone ist ihr eine grosse Hilfe, sie benutzt es wie ein Navi routiniert und findet sich an unbekannten Orten schnell zurecht.

Kein Heimweh nach der Schweiz

Die Anpassung an immer wieder neue Mentalitäten und Mitarbeitende, mit denen sie sich in verschiedenen Sprachen unterhält, ist eine ihrer Stärken, gleichzeitig ist die Multikulturalität auch eine Art Lebenselixier. Mit einem Schmunzeln sagt Marion Zurburg: «Ich vermisse die Schweiz nicht.» Viele ihrer Kollegen an den Nähmaschinen stammen aus Ländern, wo das Schneiderhandwerk ein weitverbreiteter und angesehener Beruf ist.

Es macht ihr wenig aus, dass ihr Einkommen und die allgemeinen Lebensbedingungen an ihren bisherigen Arbeitsorten nicht gewohntem Schweizer Niveau entsprechen. Die Rossrüterin sagt:

«Man muss überall mindestens fünf Prozent Abstriche machen.»

An ihrem derzeitigen Arbeitsplatz in München habe sie vergleichsweise sehr komfortable Bedingungen; dies, obwohl ihr Arbeitsvertrag jeweils nur für ein Jahr gültig ist.

Klettern ist die zweite Leidenschaft

Auch wenn sie ihren Beruf mit Begeisterung ausübt, legt Marion Zurburg Wert auf einen haushälterischen Umgang mit ihren Kräften.

«In meiner Freizeit achte ich darauf, dass ich auch mal abschalte.»

Am besten gelingt ihr dies bei einer weiteren Leidenschaft, dem Klettern, das sie vor allem in Hallen ausübt, wenn sich nicht gerade eine Outdoor-Gelegenheit in der Nähe bietet.

Doch wirklich Abstand von ihrem Beruf erreicht sie nur selten: «Wer mit mir unterwegs ist, der muss wissen, dass er Stoffläden aufsuchen muss», schmunzelt sie. Ein weiteres Freizeitvergnügen sind Museumsbesuche. Auch weil man dort die Beschaffenheit historischer Kleider studieren und sich als Gewandmeisterin Inspirationen holen kann.

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