Sie hadert nicht mit dem Schicksal

Cristina Zuber ist an einem seltenen Knochentumor erkrankt. Noch bis zum Frühjahr dauert die Chemotherapie an. Die 20-Jährige freut sich auf die Zeit danach: Auf ihre Ausbildung, auf Ferien am Strand und auf neue Haare.

Ursula Ammann
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Cristina Zuber ist zuversichtlich, das Spital nach der letzten Chemo Ende März gesund verlassen zu können. (Bild: Ursula Ammann)

Cristina Zuber ist zuversichtlich, das Spital nach der letzten Chemo Ende März gesund verlassen zu können. (Bild: Ursula Ammann)

LÜTISBURG. «Ein purer, dummer Zufall»: So nennt Cristina Zuber ihre Krankheit. Im Mai diagnostizierten die Ärzte bei ihr einen seltenen, bösartigen Knochentumor im Arm. Statistisch gesehen erkranken daran jährlich nur drei von einer Million Menschen. Es sind vor allem Jugendliche oder junge Erwachsene. Und darunter war eben auch Cristina Zuber. Sie ist 20 Jahre alt. Am Donnerstag wird sie 21.

Nicht mal das Cola schmeckt gut

Mit ihrem Schicksal habe sie deswegen nie gehadert, sagt die Lütisburgerin. Sie hatte auch kaum Zeit dazu. Es ging alles Schlag auf Schlag. Nur zwei Wochen nach der Diagnose begann die Chemotherapie – der Tumor hatte eine Grösse erreicht, bei der man nicht mehr zuwarten konnte. Eigentlich sei sie jetzt froh darum, dass alles so schnell ging, sagt Cristina Zuber. «So war ich viel mehr bei der Sache.» Überhaupt sei sie von Anfang an recht gut mit der Situation klargekommen, erzählt sie. Fast besser als ihre Familie, ihr Freund und der Freundeskreis. Ihr Umfeld ist ihr aber eine grosse Stütze. Mut machen ihr auch der bisher gute Krankheitsverlauf und die grossen Heilungschancen. «Der Gedanke, ich könnte sterben, war nie da», sagt sie.

Dennoch fühlt sich die 20-Jährige manchmal richtig elend. Vor allem an den Tagen nach der Chemo. Dann macht ihr Immunsystem schlapp und sie muss sich zu Hause zurückziehen, um nicht von jedem Husten angesteckt zu werden. Auch der Geschmackssinn ist dann beeinträchtigt. Sogar das geliebte Cola schmeckt plötzlich komisch. «Ich weiss aber, dass nachher wieder eine gute Woche folgt», erklärt Cristina Zuber. Eine Woche ohne Müdigkeit und Kopfschmerzen. Eine Woche, in der sie Dinge unternimmt, die vorher selbstverständlich waren. In den Ausgang gehen zum Beispiel. «Das lasse ich mir von meiner Krankheit nicht nehmen.»

Wieder schön schreiben lernen

Durch die Chemotherapie hat Cristina Zuber ihre Haare verloren. «Ich mochte meine Haare sehr, mochte es, sie zu pflegen und zu frisieren», sagt sie. Zu beobachten, wie sie büschelweise ausfallen, sei hart gewesen. Eine gute Freundin, gelernte Coiffeuse, schnitt ihr die Haare schliesslich ganz kurz ab. «Vorher probierten wir aber noch ein paar Frisuren aus», erzählt Cristina Zuber.

Eine Perücke hat sie, trägt sie aber kaum. Sie will ihre Krankheit nicht darunter verstecken. «Man muss sich nicht schämen, keine Haare zu haben», sagt sie. Und im Sommer gebe es nichts besseres als eine Glatze. Im Winter jedoch trägt sie eine Kappe, um sich vor der Kälte zu schützen, gegen die sie seit der Chemotherapie noch empfindlicher geworden ist.

Ihre Augenbrauen seien aufgemalt, erklärt Cristina Zuber und deutet mit dem Finger darauf. Das sei am Anfang gar nicht so einfach gewesen, mit etwas Übung gehe es aber mittlerweile ganz gut. Mit etwas Übung will die gelernte kaufmännische Angestellte auch wieder lernen, schön zu schreiben. Durch die Entfernung des Tumors ist die Bewegungsfreiheit des Arms eingeschränkt.

Fluchen tut gut

Seit Oktober besucht Cristina Zuber den Vorkurs für die Pädagogische Hochschule, um im nächsten Herbst dort mit dem Studium beginnen zu können. Bis im Frühjahr stehen noch sechs Chemotherapien an. Die 20-Jährige ist zuversichtlich, das Spital Ende März gesund verlassen zu können. Im Sommer möchte sie dann zusammen mit ihrem Freund lange Ferien machen. Irgendwo am Strand.

Sie freut sich auch darauf, dass wieder Haare wachsen. Da sich die Haarwurzel neu bilde, könne es sogar sein, dass es Locken werden, sagt sie. «Das wäre cool.» Wie auch immer. Die Krankheit habe sie gelehrt, zufrieden zu sein, wenn etwas normal laufe. «Ich hoffe, ich behalte das so bei.» Manchmal, wenn Cristina Zuber die positive Einstellung für einen Moment verlässt, dann flucht sie so richtig. «Das tut gut.»